Konsolidierung in der britischen Radiolandschaft

Veröffentlicht am 24. Mrz. 2019 von unter James Cridland

James Cridland's Radio FutureIn letzter Zeit hat sich in der britischen Radiobranche einiges getan. 

Aber zunächst ein paar Infos zum besseren Verständnis: Radiowerbung ist in Großbritannien zu 70% national und zu 30% lokal. Lokale Werbekunden wenden sich in der Regel immer an ihren Lokalsender, egal wer ihn gerade besitzt. Allerdings macht es Werbeagenturen mehr Arbeit, Werbezeit bei mehreren Radiogruppen zu buchen, die für 3% der Hörerstunden stehen, während sie auch bei einer Radiogruppe buchen und damit gleich bei 48% landen könnten. $Volumen ist wichtig.

Werbekunden buchen Radiowerbung nach den Kosten pro 1000 Personen, die sie mit ihrer Werbung erreichen. Demnach ist die Zahl, auf die es am meisten ankommt, nicht die Anzahl der Radiostationen, die man besitzt, und noch nicht einmal die Anzahl der Hörer dieser Sender. Vielmehr ist es die Anzahl der Hörerstunden, die eine Radiogruppe auf sich vereinen kann.

Und gerade das hat in Großbritannien kürzlich zu einer außergewöhnlichen Woche der Radiokonsolidierung geführt.

Bauer, nach Hörerstunden die Nummer 2 auf dem Privatradiomarkt, hat nicht nur eine sondern gleich drei Lokalsendergruppen aufgekauft: Celador, ein Unternehmen im mit Sendern im Südwesten und Osten des Landes, die Lincs FM Group, die einige Sender in den Midlands besitzt, und die Lokalsender von Wireless im Nordwesten, den Midlands und in Süd-Wales. Hört sich erst mal nach viel an. Sieht auch so aus: viele Sender, viele Frequenzen und viel Personal.

Global steht für 48% des Privatfunks in Großbritannien. Bauer lag bisher bei 32% des britischen Radiokonsums.

Mit allen Zukäufen ist Bauer inzwischen nicht mehr bei 32%, sondern bei 35% des britischen Radiokonsums. 3% Wachstum: das scheint nicht viel zu sein, aber 3% Marktanteil bedeutet einen 10%-igen Zuwachs des Bauer-Geschäftsvolumens, und dank der Größenvorteile (u. a. mit befeuert von den zusätzlichen Einnahmen aus nationaler Werbung) dürfte der Wert auf Profite umgerechnet noch größer sein.

Für den Hörer sind dies gute Nachrichten. Bauer hatte immer schon ein gutes Händchen für die Talente, die man sich ins Haus holte. Viele hervorragende Leute von Absolute Radio oder Orion Media, beide bereits vor längerer Zeit von Bauer aufgekauft, sind immer noch im Unternehmen, in herausragenden Positionen. Wenn ich mich in einem Bauer-Gebäude aufhalte, treffe ich immer noch auf Leute, mit denen ich schon Mitte der 90er bei Hallam Radio zusammengearbeitet habe.

Die Integration von Marken gehört allerdings weniger zu Bauers Stärken. Trotzig hält man an althergebrachten Marken fest, statt mit der Masse an Produktion Synergien zu schaffen. Eine Zeitlang betrieb das Unternehmen einen Sender namens „Rock FM 2“, der erstens keine Rockmusik spielte und zweitens nicht auf UKW sendete. Und ich blicke irgendwie nicht mehr durch, wo nun genau der Unterschied zwischen Absolute Classic Rock und Planet Rock liegt, um nur ein Beispiel zu nennen. Zwei Drittel der Songs, die bei Absolute Classic Rock laufen, hört man auch bei Planet Rock.

Global hat nur acht Radiomarken in seinem Portfolio. Bauer hat stolze 30 und hat gerade noch einmal 44 hinzugekauft. In Zeiten der sozialen Medien und der zunehmend verschwindenden Grenzen ergeben alle diese verschiedenen Marken einfach keinen Sinn mehr.

Ich hoffe, dass Bauer nach wie vor so gut für seine Leute sorgen wird wie jetzt, denn das liegt im Interesse aller Beteiligten. Allerdings sollten sie das mit den Marken auch auf die Reihe kriegen. Denn von einem gesunden Wettbewerb können alle nur profitieren.


James Cridland

James Cridland

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Er betreibt den Medieninformationsdienst media.info und hilft bei der Organisation der jährlichen Next Radio conference in Großbritannien. Er veröffentlicht auch podnews.net mit Kurznews aus der Podcast-Welt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.crid.land.

 

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