Deezer: Mit 31 Jahren beginnt der „musikalische Stillstand“

Veröffentlicht am 03. Jul. 2018 von unter Musik

Deezer: Mit 31 Jahren beginnt der „musikalische Stillstand“ (Bild: ©Deezer)

Deezer: Mit 31 Jahren beginnt der „musikalische Stillstand“ (Bild: ©Deezer)

Laut einer neuen Studie des globalen Musik-Streamingdienstes Deezer erleben Deutsche im Alter von durchschnittlich 31 Jahren ihren „musikalischen Stillstand”. Das bedeutet, dass sie dann keine neue Musik mehr entdecken und immer wieder die gleichen Titel und Genres hören.

Neben Deutschland führte Deezer die Studie auch in Brasilien, Frankreich, Großbritannien und den USA mit jeweils 1.000 Teilnehmern durch. Deutschland schneidet im internationalen Vergleich am besten ab: Hier entdecken die Menschen am längsten Musik und der musikalische Stillstand setzt am spätesten ein von allen fünf Ländern. Im Durchschnitt liegt das Alter, in dem in Deutschland am meisten neue Musik entdeckt wird, bei 27 Jahren. In Brasilien hingegen sind die Menschen am jüngsten, wenn sie ihren musikalischen Höhepunkt (22 Jahre) und ihren Stillstand (23 Jahre und zwei Monate) erleben.

Die von Deezer in Auftrag gegebene Studie untersucht das Alter, in dem Menschen musikalisch stehen bleiben. Hierfür wurden Bundesbürger im Alter von 18 bis 55+ Jahren nach ihren musikalischen Vorlieben und Hörgewohnheiten befragt. In allen Altersgruppen sagten fast drei Viertel der Befragten (72 %), dass sie sich in ihrem Musikgeschmack festgefahren fühlen, während fast ein Drittel (32 %) angab, dass sie kaum Musik außerhalb ihrer Lieblingsgenres ausprobieren würden.

Als Gründe für den musikalischen Stillstand nannten die Studienteilnehmer unter anderem einen anspruchsvollen Job (24 %), die Überforderung durch die schiere Masse an verfügbarer Musik (22 %) oder die Betreuung von Kleinkindern (12 %). Deezer fand auch heraus, dass sich über die Hälfte aller Befragten (58 %) mehr Zeit für das Entdecken neuer Musik wünschen. Fast zwei Fünftel (39 %) sagten voraus, dass sie in Zukunft hierfür mehr Zeit einplanen werden.

Für Frauen liegt der Höhepunkt ihrer musikalischen Neugier im Alter von 27 Jahren, während Männer diesen Lebensabschnitt bereits kurz vorher, im Alter von 26 Jahren und elf Monaten, erreichen. In diesem Alter hätten fast zwei Drittel der Befragten (66 %) mehr als 10 neue Songs pro Woche gehört. Fast die Hälfte (48 %) gab an, dass sie über fünf neue Acts im Monat entdeckt hätten.

Richard Wernicke (Bild: Linkedin)

Richard Wernicke (Bild: Linkedin)

„Durch die große Vielfalt an Musik ist es einfach, sich überwältigt zu fühlen. Das kann dazu führen, dass wir musikalisch stecken bleiben, sobald wir die Dreißig erreichen. Die guten Nachrichten sind, dass sich 58 Prozent wünschen, mehr Musik zu entdecken”, sagt Richard Wernicke, Head of Editorial & Content CEE bei Deezer. 

Richtig scheint indes, dass die Bedeutung der Musik als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zwischen Pubertät und Etablierungsphase (fester Job, feste Partnerschaften) am größten ist. Musik spielt in diesem Lebensabschnitt mit viel frei verfügbarer Zeit eine prägende Rolle. Danach ist sie eher Teil des dann stärker durchorganisierten Alltags.

Ob das aber bedeutet, dass man sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für Neues interessiert, ist nur schwer zu nachzuvollziehen (zumal in der Studie die Vergleichswerte aus früheren Jahren fehlen). Tatsächlich erlauben der Tagesablauf sowie die veränderte Lebenssituation einerseits deutlich weniger Zeit für die gezielte Suche nach Musik oder den Besuch von Konzerten. Andererseits „entdecken“ viele Menschen ihre Vorlieben für bestimmte Musikstile für sich erst später – also im reiferen Alter nach dem 40. Lebensjahr. Dies gilt besonders für Genres wie Klassik, Jazz, Weltmusik oder Musik jenseits der Hitparaden.

Letztlich sind es aber die emotionalen Momente, die Menschen aller Altersgruppen oder sozialer Schichten plötzlich für eine für sie zuvor völlig fremde Musik begeistern – und dies auch dauerhaft. Wie beispielsweise der bewegende Auftritt des Tenors Paul Potts in einer britischen Castingshow, das mitreißenden Konzert einer bislang unbekannten Band oder die mitgebrachten musikalischen Reiseeindrücke aus fernen Ländern.

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Neben Streaming-Diensten sind Webradio-Aggregatoren wie radio.de oder phonostar beliebte Anlaufstationen für das Auffinden neuer Musikwelten. Deren Portale bieten – auch neugierigen Silver Surfern – eine schier unendliche Anzahl bislang unentdeckter Musikgenres. Auch mehr und mehr deutsche Radiostationen setzen mit der Vorstellung von bemerkenswerten Songs und ihren besonderen Geschichten dazu zwischenzeitlich gezielte Reizpunkte für Musikentdecker. Wir sehen, die musikalische Sozialisation muss also keineswegs mit 31 Jahren enden.

Michael Schmich

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