Neues Social Media Ranking Tool gestartet: TRAXY.de

Veröffentlicht am 02. Feb. 2012 von unter Deutschland

Nachdem die Facebook- und Twitter-Charts der deutschen Radiosender im letzten Jahr für große Resonanz bei Radiosendern und auf diversen Messen und Informationsveranstaltungen gesorgt haben, gibt es seit 1. Februar unter www.TRAXY.de eine komplett überarbeitete Version. RADIOSZENE hat mit Sebastian Pertsch gesprochen.

Was bietet der Relaunch der Seite unter der neuen Domain TRAXY.de nun für Möglichkeiten?

Sebastian Pertsch

Sebastian Pertsch

Unter der alten Website waren bislang nur die Facebook- und Twitter-Werte für die deutschen Radiosender zu sehen. Das habe ich ausgebaut. Neu hinzugekommen sind die Zeitschriften und Zeitungen – also der Printbereich – und die Fernsehsender. Für Online-Medien gibt es künftig auch Raum, um die Webradios aufzulisten. Achja, und Österreich und die Schweiz sind jetzt mit dabei. Neu ist vor allem eine tiefer greifende Analyse. So kann ich mir gezielt z.B. die Radiosender eines bestimmten Bundeslandes heraussuchen und die Medien untereinander besser vergleichen. Nach den vielen Rückmeldungen und Gesprächen im letzten Jahr habe ich gezielt darauf geachtet, auf die Wünsche der Medienmacher einzugehen.

Wie werden die Daten immer aktuell gehalten?

Im Grunde genommen recht simpel über die offiziellen API-Schnittstellen der Sozialen Netzwerke. Es gibt ja bekanntlich zahlreiche Webanalytics, die einen einzelnen Facebook- oder Twitter-Account untersuchen. Oder der Vergleich mit zwei oder vielleicht drei Konkurrenten im Rahmen eines Wettbewerbsbenchmarkings. Aber der Vergleich in einer vollständigen, redaktionell geprüften Liste, das ist Neuland und macht die Seite auch so spannend. Jeden Morgen um 6 Uhr werden alle Werte aktualisiert.

Sind denn schon wirklich alle Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei oder fehlen noch welche?

Natürlich fehlen Medien, die Zeitschriften sind zum Beispiel nicht vollständig. Als ich bei Wikipedia las, dass es im deutschsprachigen Raum rund 20.000 Zeitschriften gibt, hatte ich die Idee schnell über Bord geworfen, wirklich alle aufzunehmen. Eine redaktionelle Überprüfung bedeutet für mich, sämtliche für meine Website relevante Daten zu überprüfen. Nehmen wir die Radiosender als Beispiel: „Antenne XYZ“. Wie heißt er, wo wird er ausgestrahlt? Ist er nur über Antenne zu empfangen? Zu welcher Mediengruppe gehört er? Ist er ein Öffentlich-Rechtlicher oder ein Privater? Wie lautet die Website, die Facebook-Seite, die Facebook-ID und wie der Account von Twitter? Dann muss alles noch in die Datenbank übertragen werden und mit dem CMS von www.TRAXY.de verknüpft werden. Das ist äußerst umständlich, kompliziert, aber vor allem langwierig. Pro Medium muss ich je nach Recherche 5-10 Minuten investieren.

Verständnislos, manchmal auch mit einem gewissen Schmunzeln sind mir gelegentlich offizielle Facebook-Seiten begegnet, die auf der offiziellen Website nicht aufgeführt wurden. Das ist doof für das Medium und kostete dann wieder ein paar Sekunden mehr Recherche. Hätte ich den Anspruch gehabt, tatsächlich alle Zeitschriften aufzunehmen, säße ich 2013 noch an der Vorbereitung. Aber immerhin: Es sind jetzt tatsächlich alle Radiosender, Fernsehsender und Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz drin. Die Recherche hat mehrere Monate gekostet, aber jetzt hab ich sie alle komplett. DIe Zeitschriften und Online-Medien bleiben hingegen eine Dauerbaustelle. Wer ein Medium aus diesem Segment kennt, kann mich gerne darüber informieren, und ich nehme es auf.

Darf man die Charts von TRAXY.de auf anderen Seiten übernehmen?

Zum Teil ja, zum Teil nein. Der Hintergrund ist ein Freemium-Modell, das ich für die Website eingerichtet habe. Die Basisinhalte enthalten ausgesprochen viele Informationen und sind kostenlos, wer mehr möchte, sollte sich das faire und transparente Premium-Paket anschauen. Seit Mai und somit seit rund einem dreiviertel Jahr sitze ich nun an dieser Website. Ein paar Unkosten möchte mit dem Premium-Modell schon decken. Das Hotlinking, also z.B. das Einbinden der live generierten Diagramme auf die eigene Website ist nur für Premium-Kunde freigeschaltet. Es gibt im Vergleich zu meinen alten Radiocharts keine CreativeCommons-Lizenz. Die Besucher können alles, was sie sehen, auch kommerziell weiterbenutzen. Egal, ob sie Premium-Kunde sind oder nur einfacher Besucher. Sie müssen lediglich die Quelle und den Autor nennen.

Was bietet der neue Premium-Account?

Neben der bereits schon erwähnten Einbindung von Diagrammen in die eigene Website oder das Intranet können Premium-Kunden den Datei-Export nutzen. Das dürfte vermutlich die meisten interessieren und wurde auch bei der alten Website intensiv benutzt. Sie können die komplette Datenbank herunterladen oder auch das Tracking eines speziellen Mediums. Dabei stehen die Formate CSV, JSON, PDF und XML zur Verfügung, die die Kunden z.B. in eine Tabelle einfügen können. Über die API-Schnittstelle kann die Datenbank auch mit einem Webscript verknüpft werden, das einen vielfältigen Zugang zu den Analysen ermöglicht. Als eingeloggter Kunde gibt es außerdem mehr Informationen: So ist zum Beispiel der Analysezeitraum des Trackings länger. Sie können zwei Medien ausführlicher vergleichen und haben Zugriff auf die Gesamtübersicht mit allen Hauptmedien und Channels aller Medientypen und Länder. Kurz gesagt, wer die SocialMedia-Statistiken professionell nutzen will, sollte einen Blick zur Premium-Mitgliedschaft riskieren. Ich denke, dass ich die Preise fair und günstig gestaltet habe.

Was ist Deiner Meinung denn nun wichtiger: die Anzahl der Fans oder der SD-Wert?

Puhh, gute Frage! Du meinst die “sprechen darüber”-Metric, nicht? Ich frage mich, wer sich diesen grässlichen Namen überlegt hat. Das hat irgendwie keinen Sex! Nichts Knackiges, kein flotter Name! Nichtsdestotrotz ist sie spannend und zugleich irritierend. Die neue Metric, die Facebook im November eingeführt hat, repräsentiert die Anzahl der Personen, die in den letzten 7 Tagen in irgendeiner Form mit der Facebook-Seite interagiert haben sollen. Mir kommt sie bei manchem Medium allerdings sehr, sehr klein vor. An sich natürlich eine gute Idee von Facebook, sich überhaupt eine Metric zu überlegen, die öffentlich zugänglich ist. Aber die Umsetzung ist nicht ideal, sie irritiert und wird nicht gut erklärt. Die tatsächliche Reichweite wäre im Grunde genommen viel spannender. Die bietet Facebook auch über die so genannten “Insights” an – allerdings nur für die Page-Admins und nicht für Außenstehende. Ich bin der Auffassung, dass alle Zahlen eine Relevanz haben, manchmal benötigt man aber einen Querverweis, wie z.B. zu den ma-Zahlen, um genauer analysieren können.

Wie wichtig ist Twitter für Radiosender, worin liegt der Unterschied in der Verwendung von Facebook als Kommunikationskanal zum Hörer?

Das kann ich nur ganz schwer beantworten. Erstens, weil ich es nicht weiß und sich das praktisch und technisch gesehen auch nicht automatisiert analysieren lässt, und zweitens, weil ich dazu nur eine persönliche Einschätzung habe, die sich auf einen kleinen Teil der Radiosender beschränkt, die ich in den letzten Jahren auch persönlich beobachtet habe. Mir fällt auf, dass die Privaten die Möglichkeiten von Twitter noch nicht so recht erkannt haben. Viele crossposten nur ihre Facebook-Beiträge und glauben, damit einigermaßen gut zu fahren. Im Sinne von: ‘Hauptsache, wir sind auch bei Twitter’. Immerhin quittieren die Hörer dieses Desinteresse ganz einfach damit, dem Sender nicht zu folgen. Das fällt auf! Die Öffentlich-Rechtlichen kriegen das deutlich besser hin. Sie interagieren auch besser mit den Usern, gehen auf Fragen und Kritiken verstärkter ein. Klar, die Öffentlich-Rechtlichen haben meist auch bessere personelle Kapazitäten, es gibt aber auch bei den Privaten Lichtgestalten, wie z.B. FluxFM, Antenne Bayern, Energy oder FFH, die es vorzüglich verstehen in den Netzwerken zu interagieren. Soziale Netzwerke sollten jedenfalls keine stumpfen Linkschleudern sein, sondern als geniale Möglichkeiten angesehen werden, die Hörer zu binden und den Kreis zu vergrößern. Da gibt es aus meiner Sicht noch großen Verbesserungsbedarf.

Welche Statistikwerte haben Dich selbst überrascht?

Große Überraschungen gab es bei den über 2.000 Medien eigentlich nicht. Seit rund einem Jahr stecke ich nun in der Materie. Ich habe aber ein kleines Tool entwickelt, dass die Gewinner und Verlierer der letzten Woche oder des Monats ausgibt. Wenn man damit ein bisschen rumspielt, z.B. die relativen Veränderungen eines Radiosenders bei Facebook in einem bestimmten Bundesland einstellt, kommen da manchmal schon interessante Sachen zum Vorschein. Da stehen dann mal ganz kleine Sender ganz weit oben in den Charts. Überrascht hat mich abgesehen davon auch, dass es offenbar gravierende Unterschiede zwischen den Ländern gibt. In Österreich interessiert sich kaum ein Medium für Twitter, alle sind bei Facebook. In Deutschland ist es hingegen gut gemischt. Ach ja, loben wir mal die Radiosender: Relativ gesehen sind sie Vorreiter im Vergleich zu den anderen Medien. Sowohl bei Facebook als auch bei Twitter sind 77 Prozent aller deutschsprachigen Radiosender, bei den Fernsehsendern sind 54 Prozent bei beiden Netzwerken und bei den Zeitungen nur 32 Prozent.

Sind weitere Features geplant, oder geht es erst einmal um Debugging?

Glücklicherweise ist eigentlich alles fertig. Ich erwähnte ja bereits, dass ich die Webradios oder generell die Online-Medien sowie die Zeitschriften nach und nach auffüllen werde. Das ist die einzige Dauerbaustelle. Aber technisch und inhaltlich gesehen ist nahezu alles vollständig. Nervig ist halt noch, dass Google+ noch immer keine Schnittstelle anbietet, um die Follower des neuen Sozialen Netzwerkes automatisiert zu aggregieren. Die zahlreichen Google+ Charts, die es bislang im Web gibt, nutzen keine offizielle Variante. Sie werden von Google mehr geduldet als erlaubt. Ich werde daher für www.TRAXY.de noch ein paar Tagen abwarten; technisch gesehen ist die Website für Google+ schon gerüstet. Dass die Seite zum Start auch so weit fortgeschritten ist, habe ich auch den rund 20 Betatestern zu verdanken, die in den letzten zwei Monaten tatkräftig mithalfen und mir Verbesserungsvorschläge auf den Weg gaben. Das war enorm hilfreich. Deswegen wird es kein großes Debugging mehr geben. Das hoffe ich natürlich. Ich bin nach der ewig langen Arbeit erstmal richtig froh, dass mein Mammutprojekt online geht, bin natürlich auch auf die Rückmeldungen gespannt und bin gespannt, in welchen Formen die SocialMedia-Statistiken genutzt und weiterverwertet werden.

Sebastian, vielen Dank für das Interview! 

RADIOSZENE sprach im exklusiven Erst-Interview mit dem Macher Sebastian Pertsch. Der Berliner ist Kultur- und Medienjournalist und arbeitet hauptberuflich als Nachrichtensprecher und -redakteur im Hörfunk. Seine SocialMedia-Statistiken der deutschsprachigen Medienbranche finden Sie unter http://www.TRAXY.de

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