
In Deutschland verfolgt man bis dato das sog. Ballungsraumkonzept, mit Konzentration auf Hamburg, Bremen, Berlin, die Region Stuttgart, die sächsischen Großstädte, Nürnberg und München.
In einem Interview mit RADIOSZENE kündigt der Geschäftsführer von NRJ Deutschland und Europachef des Senders, Herr Mathieu Sibille (40), eine Neuorientierung der Senderstrategie an. Verfolgt werde eine bundesweite Ausdehnung und die Ausnutzung der Medienvielfalt unserer Tage, um mediale Omnipräsenz zu erreichen.
NRJ – Fakten
Im Jahre 1981 startete NRJ in der Pariser Studentenbude des späteren Gründungsgeschäftsführers der NRJ SA, Jean-Paul Baudecroux – er ist mit 72,6 % an der Gesellschaft beteiligt – als Piratensender. Die Behörden wollten den Sender schließen, aber es gab Demonstrationen dagegen. Nachdem Loi Mauroy 1982, welches die einstigen Piratensender als sog. “ Radio libres“ legalisierte, konnte einfach weitergefunkt werden.
Heute verfügt NRJ allein in Frankreich über 269 Frequenzen. Neben NRJ gehören dort Radio Nostalgie, Chérie FM und Rire & Chansons zur NRJ-Senderfamilie. 378 Frequenzen sind es europaweit. 1988 wagte NRJ den Sprung über Frankreichs Staatsgrenzen. Zunächst blieb man im frankophonen Raum (Belgien, Schweiz). 1991 wurde die erste deutsche Station in Berlin aus der Taufe gehoben. NRJ Deutschland ist dabei ein eigenständiges Unternehmen, das unabhängig von der Pariser Zentrale arbeitet.
NRJ als Dachmarke mit Franchising-Konzept
Alle ENERGY-Stationen treten in Ländern, in denen sie Frequenzen besitzen, als Dachmarke auf. Die Vorteile liegen auf der Hand: große Aktionen wie das kostenlose Open-Air-Konzert „NRJ in the Park“ im Strandbad Berlin-Wannsee schafft organisatorisch ein einzelner Sender nicht. Sie werden deutschlandweit auf allen ENERGY-Sendern beworben. So wird die Dachmarke auch vom Hörer als Einheit wahrgenommen.
NRJ ist kein „Low Budget-Radio“ – dagegen spricht schon die Tatsache, dass in den einzelnen Sendern Vollredaktionen sitzen. In einigen Fällen wird abweichend vom Beteiligungskonzept ein Franchising-System praktiziert: das einheitliche Markenkonzept wird gegen Entgelt einem regionalen Betreiber zur Verfügung gestellt. So wird ein einheitlicher Auftritt gewährleistet – gleicher Claim („Hit Music Only“ – in Frankreich mit dem Untertitel „Que des hits sur NRJ“), gleiche Logos (schwarzer Panther unter roter NRJ- Schrift; neuerdings zerteilt), gleiche On Air-Verpackungen, gleiches Format: CHR (Contemporary Hitradio).
Dennoch wird flexibel auf einzelne Märkte reagiert: neben einem hohen Grad an Übereinstimmungen im Musikangebot, wurde Anfang 2006 z.B. in München stärker Rock, in Berlin eher R’n’B oder in Hamburg progressive deutsche Musik wie z.B. von „Fettes Brot“ eingesetzt. Die Programmausrichtung ist flexibel, passt sich dem Hörergeschmack an und ist daher ständigen Veränderungen unterworfen.
ENERGY verfügt daher auch in Deutschland über fünf Musikredaktionen. Zudem ist in einigen Städten das Marketing aggressiver – wie in Berlin bei einer Konkurrenz von 30 Sendern – andernorts konservativer, wie in München.
Den Wunsch der Hörer nach Überregionalität vorweggenommen

NRJ strebt bundesweite Präsenz an
Ferner sei es richtig, dass NRJ mehr Frequenzen für das Programm fordere, vor allem in den Ballungsräumen. Der historische Kommunikationskanal, das Radio, werde aber künftig Teil einer Mehrkanallösung sein, so Sibille. Die Marke NRJ sei ein „gut geeigneter Eingangsschlüssel“ zur neuen artenreichen Medienvielfalt. NRJ werde eine eigene Lebenswelt um die Medienkanäle Radio, TV, Mobilfunk, Events, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing herumbauen. Auch wolle man – evtl. gemeinsam mit anderen privaten Radioanbietern – bei den Landesmedienanstalten vorsprechen, um im Zuge der digitalen Radiozukunft die Möglichkeit zur Betreibung bundesweiter Programme zu erreichen. Ein solches solle zum schnellstmöglichen Zeitpunkt auf die Beine gestellt werden. Es sei auch vorgesehen in Deutschland ein ähnliches Fernsehprojekt zu errichten wie NRJ 12 in Frankreich.
Nationale Perspektiven und Expansion

Das Geheimnis des Erfolgs
Die ENERGY Gruppe verzeichnet ein durchschnittliches Wachstum von 10% pro Jahr. Alle neuen Projekte seien eigenfinanziert und wertschöpfend, so Sibille. Ob es ein „Erfolgsgeheimnis“ gebe, ließ er zwar offen, aber als Gründe für den Erfolg könne man jedenfalls Durchhaltevermögen, Professionalität und Markenstrategie festhalten. Man dürfe sich nicht in alle möglichen Richtungen verlieren, so Sibille. Von den Landesmedienanstalten wünsche er sich – nicht nur im Hinblick auf ein mögliches bundesweites Privatradioprojekt – mehr Flexiblität und mehr Proaktivität, um den aktuell stattfindenden digitalen Herausforderungen und der Entwicklung des Mediums Radio gewachsen zu sein. Die digitale Frage stelle sich jetzt, und nicht erst in zehn Jahren, schloss Sibille sein Statement ab.
Hendrik Leuker

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ENERGY Deutschland









