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20 Jahre digitale Kurzwelle aus Erlangen

Am 23. Juni 2003 fiel in Erlangen-Tennenlohe der offizielle Startschuss für ein digitales Campus-Radio an der Universität Erlangen. Angesiedelt war bit eXpress beim Lehrstuhl für Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationselektronik LIKE und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen.

(Bild: © bit eXpress)
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Im Bereich Audio und Medientechnologien prägt das Fraunhofer IIS (*1985) seit Jahrzehnten weltweit Standards und Technologien in der Audio- und Filmindustrie (mp3 und weitere Entwicklungen). Es war auch an Digital Radio Mondiale führend beteiligt, das den Rundfunk auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle revitalisieren sollte und das am 16. Juni 2003 die ersten regulären weltweiten Ausstrahlungen begann. Es lag daher nahe, einen Demonstrations- und Entwicklungssender am Hauptstandort Tennenlohe zu haben.

(Bild: © bit eXpress)

Für die Studierenden an der Universität Erlangen-Nürnberg eröffnete bit eXpress mit einem modernen Produktions- und Sendestudio neue Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten. Vier Lehrstühle (Christliche Publizistik, Theater- und Medienwissenschaft, Kommunikations- und Politikwissenschaft, Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationselektronik) und weitere Partner entwickelten eine interdisziplinäre Zukunftswerkstatt Digitaler Rundfunk. Hier sollten Studierende technischer und geisteswissenschaftlicher Fachrichtungen Erfahrung im Radio-Machen sammeln und Medien- und Technikkompetenz erwerben.

(Bild: © bit eXpress)
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In jüngerer Zeit wurden die Beziehungen neu geordnet. Die Sendetechnik kommt weiter vom Fraunhofer-Institut, das Studio nun von der Universität und das Programm von der studentischen Medien-Initiative funklust (2016 e. V.). Anfangs noch im Fraunhofer IIS zuhause suchte der Verein bald größere Räumlichkeiten, da die Mitarbeitendenzahl zunahm und man als Campusradio näher bei der Universität sein wollte.

Schließlich konnte funklust 2019 im Kulturzentrum E-Werk in der Erlanger Innenstadt einziehen. Die Räumlichkeiten waren zwar weiter beengt, doch die Nähe zum kulturellen Zentrum Erlangens war ein wichtiger Vorteil. Drei Jahre später begannen Renovierungsarbeiten im E-Werk und die Räume im Obergeschoss mussten geräumt werden. Am Ende wurde ein Uni-Gebäude in der Ulrich-Schalk-Straße in Erlangen gefunden. Ursprünglich sollten dort Lehrstühle untergebracht werden, die aber Räume in der Innenstadt beziehen konnten. Das sogenannte „blaue Haus“ war damit für das Multimedia-Zentrum der FAU bzw. das Rundfunkstudio und funklust verfügbar.

(Bild: © bit eXpress)
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Bit eXpress begann auf der Kurzwelle 15822 kHz (100 Watt). Das war schon sehr nahe an der langen Europa-Strecke von WWCR Nashville (Tennessee) auf 15825 kHz, auch wenn Bit eXpress nur einen Radius von 10 km um Erlangen-Tennenlohe anpeilte. Später wechselte die DRM-Ausstrahlung nach 15896 bzw. jetzt 15785 kHz. Nordamerikanische Kurzwellenfreunde staunen immer wieder über Empfang bis an die Pazifikküste. Mit dem Konzept QSL-Karte können die Erlanger allerdings nichts anfangen. Die Kurzwelle ist bei Weitem nicht der einzige Verbreitungsweg und damit auch keine Plattform, an die die Studierenden zuerst denken. Neben dem Internet wissen sie eher von DAB (*2012) oder auch UKW (*2013, wenig später allerdings DRM+). 2018 wurde in Tennenlohe als Liebhaberprojekt auch die Mittelwelle wiederbelebt (1476 kHz, ab 2020 1485 kHz). Auch hier kommt das Studierendenprogramm zur Ausstrahlung.

Autor: Dr. Hansjörg Biener