Jürgen Mayer: „Mal was Verrücktes auf der Antenne machen!“

Veröffentlicht am 04. Apr. 2017 von unter Deutschland

Deutschlands Radio-Personalities verraten uns regelmäßig ihre ganz persönliche Sicht auf Themen aus Politik, Medien und Gesellschaft. Worüber haben sie sich zuletzt so richtig geärgert? Was haben sie zuletzt gelesen oder im Fernsehen geschaut? Was empfehlen sie im Internet? Der “RADIOSZENE-Fragebogen”: persönlich, unterhaltsam, aktuell und immer wieder neu in Kooperation mit dem Kölner Medienbüro www.maassgenau.de.

Jürgen Mayer auf Mallorca (Bild: privat)

Jürgen Mayer auf Mallorca (Bild: privat)

Jürgen Mayer lebt dort, wo andere Urlaub machen. Neben seiner Kultshow „Mayers & Friends“ beim Inselradio Mallorca steht der Moderator seit 2001 bei WDR2 am Mikrofon – mit mehr als 3,3 Millionen Hörern pro Tag seit kurzem Deutschlands Radio Nummer Eins.

Sein Insiderwissen aus 15 Jahren Mallorca hat Jürgen Mayer in den Reiseführer „Mallorca für die Hosentasche“ gepackt. Und zwischendurch geht’s regelmäßig per Flieger nach Köln zu WDR2, wo er vom 9. bis 21. April fast durchgehend tagsüber von 10 bis 14 Uhr zu hören ist. Sonn- und Feiertags bereits ab 9 Uhr morgens.

Der Radio-Profi Jürgen Mayer steht für die langjährige Info-Leitwelle WDR2 genauso wie für das aktuelle Formatradio WDR2 mit dem Soundtrack des Westens. Im RADIOSZENE-Fragebogen verrät Mayer, warum er gern mal einen Tag mit Donald Trump tauschen möchte und warum es an der Zeit ist, ohne Rücksicht auf Berater und Redakteurs-Zeitverträge endlich mal wieder etwas Verrücktes auf der Antenne zu machen.

Jürgen Mayer (Bild: ©Monika Sandel/WDR)

Jürgen Mayer (Bild: ©Monika Sandel/WDR)

Der RADIOSZENE-Fragebogen mit WDR2- und Inselradio-Moderator Jürgen Mayer

Worüber haben Sie sich zuletzt so richtig gefreut?

Dass die Gelsenkirchener im Derby auch auf eigenem Platz den BVB nicht besiegen konnten!

Und worüber haben Sie sich geärgert?

Über eine ziemlich verkorkste Urlaubswoche auf der AIDA, in der ich entgegen der angekündigten Route mehr als vier Tage im sehr unattraktiven Industriehafen von Dubai rumliegen musste.

An welchem Ort sind Sie aktuell am liebsten – und warum?

Auf Mallorca. Klingt banal. Hier muss ich zwar auch arbeiten (und das nicht zu wenig), aber wenn ich frei habe, dann kann ich das mit allen Sinnen genießen, richtig durchatmen und in kurzer Zeit den Akku aufladen.

Welches politische Thema bewegt Sie im Moment?

Die Anziehungskraft der Populisten und ihrer Lügen auf so viele Menschen, die offensichtlich geistig nicht in der Lage sind, das zu durchschauen. Das macht mir Angst. Und wir Medien wissen allesamt noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Ignorieren, bekämpfen, tolerieren: Nichts scheint gegen die Verdummung zu helfen.

Über wen sollte endlich mal gesprochen werden – und warum?

In den Zeiten der Talk-Show-Flut wüsste ich niemanden, über den nicht schon genug gesprochen wird. Im Gegenteil: Es gibt ein paar Rechtsausleger, über die man sogar viel weniger sprechen müsste, damit sie sich dessen bewusst werden, wo sie eigentlich hingehören. In die Bedeutungslosigkeit nämlich.

Mit wem würden Sie gern mal tauschen und was würden Sie dann als Erstes tun?

Mir würde ein Tag als Donald Trump genügen. Mehr Zeit bräuchte ich nicht, um zurückzutreten und die USA davor zu bewahren, dass ich sie endgültig ruiniere.

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Was haben Sie zuletzt im Fernsehen, Kino oder Theater geschaut und wie fanden Sie es?

„Trainspotting 2“ im Kino. Die Protagonisten sind noch genau so kaputt wie vor zwanzig Jahren. Und die Musik ist einfach genial.

Was können Sie im Internet empfehlen?

Ab und zu auch mal Offline zu gehen. Musste ich auch erst lernen.

Worüber wird in den Medien viel zu oft gesprochen?

Über die Medien. Manchmal nehmen wir uns selbst viel zu wichtig. Mediendiskussionen sind enorm hilfreich, sind notwendig – aber nur unter uns Kollegen. Den meisten Hörern, Lesern, Zuschauern bringen sie rein gar nichts.

Jürgen Mayer (Bild: ©Monika Sandel/WDR)

Jürgen Mayer (Bild: ©Monika Sandel/WDR)

 

Mein Wort an…

  • …Angela Merkel: Lach doch mal!
  • …Martin Schulz: Versprich nicht mehr als Du halten kannst!
  • …meine zweite Heimat Mallorca: Lass Dich nicht verheizen!

 

Mein erstes Radioerlebnis war…

…in meiner Jugendzeit mit dem damaligen SWF3. Das wurde anfangs nur in Mono ausgestrahlt. Die Umschaltung auf Stereo wurde schon Wochen vorher angetrailert. Und so saß ich pünktlich am alten Radioschrank meiner Eltern und habe mich wie Bolle gefreut, als von einer Sekunde zur nächsten endlich die rote Stereo-Lampe leuchtete. Für mich ein Riesen-Ereignis damals.

 

Ich mache leidenschaftlich gern Radio, weil…

…Radio einfach sexy ist. Nichts ist näher dran ist an den Menschen. Radio ist nicht ganz so eitel wie das Fernsehen, nimmt sich nicht ganz so wichtig wie die Zeitung. Und berührt, wenn es gut gemacht ist.

 

Das ärgert mich am Radio von heute…

…dass in vielen Programmen zu oft die Form den Inhalt bestimmt. Das zeugt nicht unbedingt vom Vertrauen der Programm-Verantwortlichen in die Programm-Macher und erstickt an vielen Stellen die Kreativität. „Mal was Verrücktes auf der Antenne machen“ – das trauen sich viele Redakteure nicht mehr, weil ihre Zeitverträge es ihnen meist nicht mehr erlauben, mutig zu sein.

 

Wenn ich einen Tag Programmchef beim Radio wäre, würde ich…

…genau das obige ändern. Wir waren vor mehr als zwanzig Jahren zum Start von 1LIVE deshalb so erfolgreich, weil der WDR in der Stunde Null die Parole ausgegeben hatte: „Macht doch, was Ihr wollt!“ Und genau das haben wir dann getan – ohne Rücksicht auf irgendwelche Berater oder MA-Zahlen oder Redakteurs-Zeitverträge. Bei WDR2 gibt es jetzt keine Stunde Null. Wir stecken mitten in einem Prozess der Veränderung, müssen und wollen dabei aber auch noch einen Spagat hinbekommen. Einen Spagat zwischen der seriösen Information, die die Hörer seit Jahrzehnten zu Recht von uns verlangt. Und unserem neuen Anspruch, auch dem wahren Leben mehr Raum zu geben, dem Spaß, dem Lachen und den Kleinigkeiten des Alltags. Dass die Hörer sich davon nicht haben abschrecken lassen, dass wir sogar noch jede Menge neue Hörer dazu gewonnen haben, das hat mich gleichzeitig überrascht und gefreut.

 

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