Interview: Warum aus Hitwelle bald Rock Antenne wird

Veröffentlicht am 29. Mrz. 2010 von unter Deutschland

hitwelle_magic_smallDer bayerische Medienrat hat am vergangenen Donnerstag die mehrheitliche Beteiligung der Rock Antenne an der “Hitwelle” in Erding, Freising und Ebersberg genehmigt. Für viele Radiomacher kam diese Entscheidung überraschend. Über die Hintergründe des Formatwechsels der Lokalsender im Münchner Umland sprach RADIOSZENE mit dem Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der Hitwelle, Christian Brenner.

RADIOSZENE: Herr Brenner, Sie haben Radio Hitwelle vom Kabelradio bis zu einem Sender mit fünf UKW-Frequenzen aufgebaut. Und jetzt lesen wir: Hitwelle wird Rock Antenne. Geben Sie wirklich einfach so Ihr Baby ab?

Christian Brenner

Christian Brenner

Brenner: Das Baby ist erwachsen und hat sich eine Frau gesucht. Spaß beiseite, Radio Hitwelle wurde 1999 als kleines Kabelradio mit 800 angeschlossenen Haushalten in Örtchen Isen gegründet und so zirka jedes 2. Jahr ging es für uns einen Schritt weiter. 2009 kam mit der Frequenz 93.0 die „Hitwelle Ebersberg“ hinzu. Die Kooperation mit Rock Antenne ist für uns ein weiterer Schritt nach vorne.

RADIOSZENE: Wie bitte? Ihr Sender verschwindet und Sie freuen sich?

Brenner: Verschwinden? Ich muss etwas ausholen. Es bleibt nämlich fast alles erhalten. Fangen wir bei dem an, was mir besonders wichtig ist: alle Mitarbeiter behalten Ihren Job und bekommen eine spannende Perspektive für die Zukunft. Die Hörer behalten ein Lokalradio mit 13 Stunden täglich Lokalnews und Service, davon sind vier Stunden ein komplett für die Region produziertes Programm. Unsere Studios in Erding, Freising und Ebersberg wird es weiter geben und unsere Werbepartner können weiterhin lokale Werbung im Gesamtsendegebiet und in den einzelnen Landkreisen buchen. Und ich bleibe Geschäftsführer und Gesellschafter.

RADIOSZENE: Aber der Name verschwindet. Und das Ganze geschah auch nicht freiwillig, oder?

Brenner: Das mit dem Namen ist der Wermutstropfen, ja. Und ja, noch schöner wäre es gewesen, die Hitwelle brummt ohne Ende und kann die nächsten 20 Jahre so weiter senden.

RADIOSZENE: Also ist die  Hitwelle ein Opfer der Wirtschaftskrise?

Brenner: Nein, wir haben 2009 unseren Umsatz nochmal ein Stück auf fast 900.000 EUR gesteigert, das ist sehr gut für dieses kleine Gebiet. Die Hitwelle ist aber in einer besonderen Situation. Infratest sagte einmal: „Hitwelle hat das schwierigste Sendegebiet Bayerns“. Wir sind als einziges Versorgungsgebiet komplett von acht aus München einstrahlenden Sendern mit ähnlichem Musikformat umschlossen. Das ist am Hörermarkt wirklich eine Herausforderung im Vergleich zu Bereichen in denen eben ein Lokalprogramm plus Antenne Bayern, Bayern 3 und vielleicht noch Bayern 1 die Konkurrenten sind. Mit zum Beispiel 24% Hörer Gestern im Gebiet Erding stehen wir in vielen Werten sehr gut da. OK, Hörer pro Durchschnitsstunde ist derzeit nicht berühmt, der Wert schwankt bei uns extrem.

RADIOSZENE: Guter Umsatz, gute Hörerzahlen, dann sollte doch alles passen.

Brenner: Betriebswirtschaftlich leider nicht ganz. Die ersten Jahre,als der Sender noch aus dem Keller meines Wohnhauses kam, waren da leichter. Wir haben in den vergangenen Jahren den Sender deutlich professionalisiert. Das gelang uns gut, aber steigert auch die Kosten.

RADIOSZENE: Wir wäre es mit sparen?

Brenner: Ja, man kann einen Lokalsender auch mit wenigen Praktikanten und Volontären betreiben. Das hätte 1-2 Jahren ein gutes Ergebnis gebracht, dann beginnt aber die Spirale nach unten. Hörer und Werbekunden merken das doch, wenn man Glück hat mit Verzögerung. Eine andere Lösung zur Kosteneinsparung ist der Zusammenschluss mit einem benachbarten Lokalradio-Standort. Das war eine Zeit lang mit TopFM geplant, hier wäre aber wohl nicht mehr viel von unserer Hitwelle über geblieben.

RADIOSZENE: Wie kam es dann aber zur Rock Antenne und hilft denn die BLM nicht?

Brenner: Die BLM hilft seit 11 Jahren, indem Sie uns überhaupt die Chance gab, unseren Sender zu starten und indem sie unermüdlich in einem vollen Frequenzband eines Ballungsraums für uns noch Frequenzen gefunden hat. Bei der Gelegenheit, es ist für mich wirklich bedauerlich, dass man in den Foren permanent gegen Medienrat und BLM wettert. Als Einzelkämpfer habe ich genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Und nein, ich musste auch keiner Partei beitreten.
Insbesondere im letzten Jahr habe ich mich wirklich gut unterstützt gefühlt. Die BLM hat eine Ausschreibung für einen Kooperationspartner durchgeführt, in der eben nicht nur das Andocken an den Nachbarsender erlaubt war, sondern Offenheit in alle Richtungen bestand. Die Tatsache, dass lange Zeit Regiocast der Favorit war, zeigt, dass es keine Tabus im Verfahren gab.

RADIOSZENE: Doch nun macht einer der üblichen Verdächtigen das Rennen.

Brenner: Es durfte sich doch jeder bewerben. Wenn ein bestehender Sender die beste Lösung bietet, warum denn nicht. Die landesweite Rock Antenne ist auf den ersten Blick tatsächlich der unpassendste Partner für einen Lokalsender. Aber nur auf den ersten. Ich habe das selbst bis Januar nicht als echte Alternative gesehen. Und das war das Gute am monatelangen Verfahren: die Ideen wurden immer wieder weiter entwickelt, das Modell Rock Antenne übrigens zuletzt mit Unterstützung des Hitwelle-Teams selbst optimiert. Der Hörfunkausschuss und später der Medienrat war schließlich davon überzeugt – und ich als Gründer und Hauptgesellschafter.

RADIOSZENE: Was werden Ihre Hörer zur neuen Musik sagen?

Brenner: Rock läuft in ländlichen Regionen besonders gut. Natürlich werden das nicht alle mitmachen. Da wir dann aber musikmäßig eine echte Alternative zu den Münchnern sind, sehe ich viel Potenzial für neue Hörer.

Das Hitwelle Sendegebiet

Das Hitwelle Sendegebiet

RADIOSZENE: Ein Lokalsender macht mit dem Landesweiten gemeinsame Sache. Fühlen Sie sich jetzt als Überläufer?

Brenner: Da wir weiter Lokalradio machen, eigentlich nein. Ich habe mir dadurch aber nicht unbedingt neue Freunde geschaffen. Der VBL schreibt emsig Pressemitteilungen und leider gibt es auch einige Schlammschlacht-ähnliche Aktionen gegen mich persönlich. Viele Lokalsender haben Angst, dass unser Modell eine Vorbild-Funktion haben könnte. Unlogisch nur, denn keine Mehrheit der Gesellschafter eines Anbieters kann dazu gezwungen werden.
Als unabhängiger Gesellschafter eines Senders hatte ich eben die Möglichkeit, völlig offen an das Fit-Machen für die Zukunft unseres Senders heran zu gehen, Nostalgie hilft da manchmal wenig. Die Radiobranche wird sich ändern, ich kenne viele Lokalsender, die gerade Kooperationen oder gar Fusionen ausloten. Ich bin froh, nun einen starken, verlässlichen Partner zu haben und nach vorne blicken zu können. Da das Team erhalten bleibt, herrscht bei Hitwelle große Motivation für den neuen Weg.

RADIOSZENE: Und wann geht es los?

Brenner: Wir haben einen sportlichen Plan, medienrechtlich haben wir ja nun grünes Licht. Mal sehen ob es noch Überraschungen gibt.

RADIOSZENE: Herr Brenner, vielen Dank für das Gespräch.

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