Stand: Montag, 21-Aug-2006 18:50

my radio|mailbox
Experten-Tipps von Yvonne Malak
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yvonne@radioszene.de


Neuer RADIOSZENE-Service: my radio|mailbox

Seit 12 Jahren coacht Yvonne Malak Radiokollegen in Seminaren und Airchecks, seit diesem Jahr als selbstständige Beraterin mit ihrer Firma my radio. Bis Ende 2005 arbeitete sie u.a. als Programmdirektorin bei BB Radio, davor als PD bei Radio Ton und Radio Salü.
Ihre Erfahrungen gibt sie ab sofort bei RADIOSZENE weiter. Diesen Monat geht es um das Thema „Bewerbungen von Moderatoren“, oder „Nie wieder auf die Ablage für die Absage“.

Mail 1: Wie bewerbe ich mich am besten beim Radio?

Nachrichtensprecher: „Das waren die Meldungen um 12. Radio XY. Wenn es etwas Neues gibt, erfahren Sie es bei uns sofort“. Stinger News. Bumper Service. Station Voice: „Der schnellste Verkehrsservice für unser Bundesland – nur auf Radio XY.“ Moderator: „Die Meldungen: A 9 Nürnberg Richtung Berlin, zwischen…“
Und zwei Minuten später: „Und das Wetter: heute immer wieder Regen und Temperaturen bis 23 Grad. Morgen dann...“

Wenn Sie jetzt denken „welch langweiliger Einstieg“ haben Sie vollkommen Recht. Ich habe mich selbst schon mehrere Stunden meines Lebens mit solchen Einstiegen langweilen müssen.

Ungefähr 8 von 10 Audiodemos von Moderatoren beginnen so. Ungefähr 8 von 10 PDs sind nach diesen ersten 3 Minuten bereits genervt. Ungefähr 8 von 10 Bewerbungen landen deshalb ganz schnell auf dem Stapel „Absagen“. Mit dem ersten Eindruck ist es auf Audiodemos eben genauso wie im richtigen Leben: man hat selten eine Chance, ihn zu korrigieren.

Und dabei würden alle Programmchefs dieses Landes sooo gerne sagen können: „Also mein Schreibtisch quillt über vor guten Bewerbungen von Moderatoren“. Leider sagen sie meist: „Es ist so schwer, gute Moderatoren zu finden“. Alle moderierenden Leser der radioforen.de fühlen sich jetzt wahrscheinlich schwer beleidigt, denn schließlich sind Sie alle die neuen Stars am Moderatorenhimmel oder doch wenigstens der kommende Morgenmann des landesweiten Senders Ihres Vertrauens. Wenn Sie es sind: lassen Sie es uns auf Ihrem Audiodemo hören. BITTE!

Also: wie gestalten Sie Ihre Bewerbung optimal? Wie beeindrucken Sie einen Programmchef und was sollten Sie vermeiden, um nicht sofort mit Ihren Unterlagen auf der Ablage für die Absage zu landen? Erstens: vergessen Sie die Nummer mit dem 3- Minuten-Service zum Einstieg. WIR WISSEN, DASS SIE DAS KÖNNEN! Das sind Basics.

Und bitte: Auch keine überproduzierten Intros nach dem Motto :“We proudly present...“ Wir wissen auch, dass Sie Elemente abfeuern können. Wir wollen auch nicht ihren Lebenslauf in Audioform hören, bevor Sie zum Aircheck kommen.

Stattdessen ist es mit einer gelungenen Demo-CD wie mit einem gelungenen Break: Steigen Sie direkt ein ohne viel „Drumherum“, überraschen Sie uns mit einer Moderation, die zu unserem Format passt (ja, es ist anstrengend für drei unterschiedliche Sender drei unterschiedliche Bewerbungen zusammenzustellen, aber schließlich wollen SIE sich ja verändern!). Und zeigen Sie verschiedene Seiten Ihres Könnens. Bieten Sie ein „Best of“ der Facetten eines Moderators, der die Klaviatur beherrscht. Am besten auf einer ordentlich beschrifteten CD, die es ihrem neuen Arbeitgeber möglich macht, Themen zu suchen, die ihn interessieren:

Beispiel:
Cut 1: Musikmoderation auf Ramp
Cut 2: Teaser Majorpromotion
Cut 3: kurze lokale Info auf Musikbett, Musicsell auf Ramp
Cut 4: Hörertalk zum Feierabend verbunden mit Major Teaser
Cut …
Cut 9: Service (ja, packen Sie den Service einfach ans Ende).

Und: beschäftigen Sie sich mit dem Sender, bei dem Sie sich bewerben. Es macht wenig Sinn bei einem musikorientierten CHR Format eine CD mit Interviews abzugeben. Sie haben nichts anderes? Dann strengen Sie sich an! Gehen Sie ins B-Studio und produzieren etwas Passendes!

Suche ich beispielsweise einen Moderator für ein musikorientierten landesweiten AC Sender, der viel Wert auf Musik und Promotions legt, freue ich mich über eine Bewerbung auf der ich eine originelle Musikverkaufe höre, einen wirklich guten Teaser (bitte „teasen“ nicht mit „ansagen“ verwechseln, aber dazu demnächst mehr). Vielleicht einen Hörertalk mit Tagesteilbezug – eben das, was typisch für den Sender ist, bei dem Sie sich bewerben.

Und verzichten Sie auf Gags - sicherheitshalber. Es gibt nur wenige Moderatoren, die Gags gut und authentisch rüberbringen. Meist erreichen Gags das Gegenteil von dem, was Sie wollen: statt eines Schmunzlers um den Mund einen Runzler auf der Stirn und einen faden Nachgeschmack. Gags auf Audiodemos kann ich nur empfehlen, wenn Sie Ihren alten Job behalten wollen.

Ach ja, das Anschreiben: „Ich bin flexibel, teamorientiert und belastbar“ ist schön für Sie und Ihren Arbeitgeber. Aber es ist selbstverständlich. Was ist Ihr USP? Warum soll ein PD gerade Sie einstellen? Vielleicht, weil es Ihnen gelingt, eine Major Promotion jeden Tag anders klingen zu lassen? Vielleicht, weil Sie bereits bewiesen haben, dass Sie so kreativ sind, Robbie Williams auch nach dem zweihundertsten Mal noch mit einem anderen Dreh anzumoderieren? Oder weil Sie sich in jeder Show bemühen, lokale oder aktuelle Themen mit originellen Musicsells zu verbinden?

Natürlich sucht jeder PD die „eierlegende Wollmilchsau“. Gerade in Zeiten, in denen das Wort „sparen“ reichlich Sexappeal hat, sind vor allem kleinere Sender auf Mitarbeiter angewiesen, die idealerweise mindestens zwei Fähigkeiten haben. Haben Sie vielleicht Talent zum Comedy schreiben? Oder wurden Ihre Promotexte schon oft gelobt? Möglicherweise sind Sie als Lineproducer eine gute Besetzung! Lassen Sie ihren potentiellen Arbeitgeber wissen, in welch vielfältigen Bereichen Sie eingesetzt werden können. Das erhöht Ihre Chancen!

Und noch ein Tipp: ja, senden Sie Initiativbewerbungen los. Auch wenn nicht gleich ein neuer Job daraus wird: Programmchefs sind dankbar zu wissen, dass da im Hintergrund ein Talent ist, das zum Sender passen würde. Die meisten meiner Moderatoren habe ich über Initiativbewerbungen gefunden – und über Annoncen bei RADIOSZENE – wenn sich die Bewerber an die wichtigsten Eckdaten gehalten hatten:

- Überraschen Sie Ihren neuen Arbeitgeber mit einem gut ausgewählten Einstieg
- Machen Sie sich die Mühe, eine Audiodemo passend zum Senderprofil
- zusammenzustellen
- Seien Sie vielseitig und zeigen Sie Persönlichkeit
- Packen Sie Standards an den Schluss – nie an den Anfang
- Verzichten Sie auf Gags
- Senden Sie Initiativbewerbungen los
- Vermeiden Sie im Anschreiben branchenübliche Floskeln und betonen Sie Ihren USP
- Schreiben Sie, was Sie außer Moderieren noch gut können

Viel Erfolg!
Yvonne Malak, my-radio.biz

Yvonne Malak beantwortet ab jetzt auch Ihre Fragen rund um das Thema Radio: Schicken Sie einfach eine Mail an yvonne@radioszene.de

 

(Yvonne Malak © RADIOSZENE 20-08-06)
E-Mail: yvonne@radioszene.de


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