Stand: Donnerstag, 21-Dez-2006 13:26

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Ina Tenz: Mit einem gesunden Bauchgefühl

Interview mit Programmdirektorin Ina Tenz über das "Comeback"
des niedersächsischen Privatsenders Radio ffn

Von Horst Müller, blogmedien.de

Noch ein Senderjubiläum - am 31. Dezember 1986 ging Radio ffn on air. Bei dem niedersächsische Privatradio gab es in den ersten 20 Jahren viele Höhen aber auch einige Tiefen, vor allem in der Hörerakzeptanz. Im Jahr 2003 wurde ffn sogar zeitweise vom zweiten landesweiten Privatsender Hitradio Antenne überflügelt. Inzwischen liegt Radio ffn wieder deutlich vor dem privaten Mitbewerber und auch vor dem öffentlich-rechtlichen Konkurrenten NDR2. blogmedien sprach kurz vor dem 20jährigen Senderjubiläum mit Programmdirektorin Ina Tenz über das "Comeback" von Radio ffn.

Müller: Ina Tenz, Sie sind jetzt seit Juli 2004 Programmdirektorin von Radio ffn, davor zwei Jahre stellvertretende PD und von 1997 bis 2000 Leiterin der On Air Promotion.. Wie oft sind Sie denn in dieser Zeit schon von ihren Redakteuren im Studio eingesperrt worden? Einem Ihrer Vorvorgänger soll es ja so ergangen sein.

Tenz: Zum Glück ist das nicht passiert – dazu gehören ja auch immer zwei: diejenigen, die einsperren – und die, die sich einsperren lassen.

Müller: Früher war ffn bekannt für gewagte Beiträge und Sendungen - zum Beispiel das "Frühstyxradio". Warum gibt's so etwas heute nicht mehr? Hat sich Radio ffn nicht zu sehr dem so genannten Mainstream angepasst?

Tenz: Diese Info ist nicht korrekt. Seit dem 29. Februar 2004 gibt es wieder das Frühstyxradio bei ffn mit wöchentlichen Rubriken wie Frieda & Anneliese, Günther der Treckerfahrer und „Der kleine Tierfreund“, den legendären Klassikern „Die Stunde, die es nicht gibt“ und „Wir warten auf´s Christkind“ und natürlich den Frühstyxradio-Sonntagen, regelmäßig über das Jahr verteilt. Wir planen bereits jetzt gemeinsam das Jahr 2008, dann wird nämlich das Frühstyxradio 20 Jahre alt. Mit einer Abschaffung des Frühstyxradios ist also vorerst nicht zu rechnen!

Müller: Bedeutet das - Radio ffn ist gar kein Mainstream-Sender?

Tenz: Dazu möchte ich klar stellen, dass ffn im Jahr 1997 mit der Anpassung an den so genannten „Mainstream“ das wirtschaftliche Überleben und dadurch die Arbeitsplätze der Mitarbeiter gesichert hat. ffn hatte damals nur noch überschaubare 288.000 Hörer in der Durchschnittsstunde, eine sehr unterdurchschnittliche Performance eines landesweiten Senders, der kurz davor war, in Schönheit und Selbstverwirklichung zu sterben. Innerhalb von drei Jahren haben wir die Kehrtwende geschafft zu 580.000 Hörern, allein durch eine professionelle Umprogrammierung, bei der die Sichtweise der Hörer im Vordergrund stand. Klare Botschaften, klare Aussagen und klare Konzepte haben das Wort „ffn“ zu einer Marke werden lassen und ich denke, der Erfolg spricht für diese Maßnahme, ob man sie nun positiv „Hörernähe“ oder negativ „Mainstream“ formuliert. Schließlich sollte in erster Linie ein Radiosender den Hörern gefallen, und nicht den Machern und deren Onkel und Tanten. Aber auch unsere Mitbewerber formatierten um zum „Mainstream“, sowohl Hitradio Antenne als auch NDR 2 hatten plötzlich Claims, enge Rotationen und lustige Morningshows in Mann/Frau-Besetzung. Die Verwechselbarkeit unter diesen drei Sendern war enorm und dementsprechend stagnierten die Hörerzahlen.

Müller: Das würde bedeuten - die drei meistgehörten Programme in Niedersachsen senden alle ein vergleichbares Programm. Schlecht für die Hörer…

Tenz: Wir haben uns im Jahr 2003 dazu entschlossen, aus der Reihe auszubrechen. Auf der einen Seite wäre es töricht gewesen, das, was wir über das Radiomachen gelernt haben wie Fokussierung in der Aussage, glasklare Handschrift, Programmflow und so weiter - nicht mehr anzuwenden. Auf der anderen Seite brauchte ffn etwas von seiner Seele zurück. Wir sind der Überzeugung, dass in einem Markt wie Niedersachsen maximal 10 % Marktanteil über einen Musik-USP erreicht werden können. Klar, mit Fehlern in der Musik kann man natürlich auch 10 % wieder verscheuchen – dennoch braucht ein Sender etwas „Unverwechselbares“, um eine Markenidentität zu erhalten.

Müller: Was bedeutet "Unverwechselbares"?

Tenz: Mit einem gesunden Bauchgefühl haben wir uns an unsere Stärken erinnert: etwas eckiger, rockiger und beißender als der Rest, Frühstyxradio, Authentizität, „na denn – ffn“. Dieses Bauchgefühl haben wir mit Marktforschung und modernen Programmansätzen reaktiviert – und ein neuer USP ist hinzugekommen: Niedersachsen.

Müller: Wo sehen Sie heute die Stärken von Radio ffn auch gegenüber den Mitbewerbern wie Antenne und NDR 2? Und was wollen Sie in Zukunft noch besser machen?

Tenz: Wir sind der jüngere, frischere Sender im Vergleich zu NDR 2 und Hitradio Antenne und unangreifbar im Segment „Comedy“. Wir stehen für das junge Niedersachsen, spielen aktuellere Musik und unsere Moderatoren sind authentische Personalities. Kreativität und Aktionen, die für Gesprächswert sorgen, werden ebenfalls in diesem Markt eindeutig ffn zugeordnet. Die Zukunft gehört der Digitalisierung. Hier sind wir bereits aktiv, indem wir auf der einen Seite unser Flagschiff „ffn“ noch interaktiver gestalten und die crossmediale Verknüpfung zu unserem Internetauftritt www.ffn.de ausbauen. Auf der anderen Seite arbeiten wir an neuen Projekten, wie zum Beispiel ffn digital, dieser Sender startet am 01. Januar 2007.

Müller: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Steckbrief: Ina Tenz ist seit Juli 2004 Programmdirektorin von Radio ffn, dem nach Hörerzahlen drittgrößten Privatprogramm in Deutschland. Schon vorher war sie bei ffn für die On Air Promotion verantwortlich (2000-2001) und ab Anfang 2002 stellvertretende Programmdirektorin. Zwischendurch leitete Ina Tenz zwei Jahre lang das Programm von Radio Energy in München. Ihre Medienkarriere startete die inzwischen 35jährige zu Beginn der 90er Jahre mit einem Praktikum bei Deutsche Welle TV und freier Mitarbeit bei RIAS 2 Berlin. Weitere Stationen waren 94,3 rs2 (Berlin), Energy Berlin und RTL Radio in Luxemburg. Neben Elke Schneiderbanger (Radio NRW) und Valerie Weber (Antenne Bayern) zählt sie inzwischen zu den erfolgreichsten Programmmacherinnen im deutschen Privatradio.

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