Präsidentschaftswahl in Amerika: Wie berichten die US-Radiostationen?

Veröffentlicht am 17. Okt. 2008 von unter Weltweit

Martin Schmitt Cara CarriveauDie Vereinigten Staaten von Amerika wählen am 4. November einen neuen Präsidenten. Eine Wahl, über die die ganze Welt spricht – und die natürlich auch an den Radiostationen in den USA nicht spurlos vorübergeht. Doch wie berichten die amerikanischen Stationen über die „Big Election“?

Nachrichtenredakteur Martin Schmitt ist noch bis zum Wahltag für die Hörfunkagentur BLR&RadioDienst in Amerika unterwegs. In Chicago hat er sich mit zwei Radio- Personalities getroffen und sich mit ihnen über die Präsidentschaftswahl unterhalten: Cara Carriveau arbeitet als DJane beim Adult Contemporary-Sender 101.9 THE MIX, Leslie Keiling ist Traffic-Reporterin bei WGN News-Talk.

Schmitt: Cara, Du moderierst täglich von 10 bis 14 Uhr auf 101.9 THE MIX hier in Chicago. Spürst Du die Präsidentschaftswahl in Deinem Job?

Carriveau: Nun, ich fühle die Wahl mehr in meinem Alltag als in meinem Job. Wir sind ein Musik-Sender und kein Talk-Radio. Ich moderiere eine reine Musiksendung. Bei mir sind keine Hörer „on Air“, ich spreche nicht über politische Dinge. Aber viele Radiomoderatoren sind im Internet zu erreichen: Beispielsweise über „My Space“, „Facebook“ oder „Twitter“. Dort können wir mit unseren Hörern über politische Dinge diskutieren – weniger auf dem Sender. 
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Cara Carriveau (101.9 THE MIX)

Schmitt: Hat 101.9 THE MIX eine politische Orientierung?

Carriveau: Unser Sender ist „on Air“ politisch absolut neutral. Aber wir sind gesetzlich verpflichtet, Wahl-Spots zu senden. Unser Sender hat jedenfalls keine spezielle politische Orientierung, wir wissen nicht mal, wo unsere Gesellschafter politisch stehen. Wir reden nicht darüber, es ist eine private Angelegenheit. Es ist hier nicht so wie bei einer Zeitung, wo ausführlich beispielsweise über die Kandidaten berichtet wird. 
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Schmitt: Wie sieht es am Wahlabend aus: Gibt es bei euch eine Sondersendung?

Carriveau: Soweit ich weiß, gibt es bei uns keine besondere Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl. Es kann sein, dass da demnächst noch was kommt, aber ich glaube, wir machen nichts Besonderes. Wie gesagt, wir sind ein Musiksender und kein Talk-Radio. Wir sind eine Station ohne politische Orientierung. Wir wollen aber auch nah am Leben der Menschen sein – und die Wahl gehört natürlich zum Leben der Menschen. Von daher werden wir sicher über die Wahl reden, es wird aber wohl keine Sondersendung bei uns geben. 
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Leslie Keiling ist Traffic-Reporterin bei WGN News-Talk

Leslie Keiling (Traffic-Reporterin bei WGN News-Talk)

Schmitt: Leslie, News-Talk-Radios gelten in den USA ja als traditionell konservativ. Wie sieht´s bei WGN aus?

Keiling: Es ist witzig: Wir bekommen viele E-Mails von unseren Hörern: Die Hälfte von ihnen sagt: Eure Station ist so konservativ, die andere Hälfte ist der Meinung, wir sind liberal. Ich finde, es hält sich die Waage: Du kannst es niemandem Recht machen. Aber es gibt natürlich Moderatoren, die eher konservativ rüberkommen in ihren Sendungen, andere sind dafür liberaler. Ich finde, wir sprechen jeden Tag mit so vielen Menschen, da ist es schon schwierig, eine Ausgewogenheit hinzubekommen.
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Martin Schmitt und Leslie KeilingSchmitt: Als reine Talk-Station werdet ihr doch sicher am 4. November ausführlich über die Präsidentschaftswahl berichten, oder?

Keiling: Wir von WGN Radio nehmen die Wahl sehr Ernst. Heute Abend haben wir ja die letzte Fernsehdebatte. Bei uns kommen ab dem Nachmittag Hörer aus beiden politischen Lagern „on Air“. Was sind ihre Erwartungen, was erhoffen sie sich von der Debatte. Morgen früh werden wir das Duell zusammenfassen. In vielen Sendungen werden O-Töne aus der Debatte gesendet und darüber diskutiert. Am Wahlabend haben wir zusätzliches Personal im Sender. In der Stadt und im ganzen Land sind unsere Reporter unterwegs, um halt wirklich sicherzustellen, dass die Berichterstattung reibungslos über die Bühne geht. 
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Noch mehr Reportagen und Fotos zur Präsidentschaftswahl in den USA und die Menschen und Geschichten dahinter gibt es im Blog von Martin Schmitt: www.schmitteilungen.de

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