Radiolandschaft in Flandern soll bunter und digitaler werden

Digitalradio-HG-small-minDie Radiolandschaft in flämischen Teil Belgiens ist bunter als die Namen der empfangbaren Programme: Das öffentlich-rechtliche VRT nannte seine ersten drei Programme einfach „Radio Een“, „Radio Twee“ und „Radio Drie“, sodass der belgische Ableger der SBS mit „VIER“ und „FIJF“ anschliessen konnte. Nun will der Konzern ein weiteres landesweites Programm etablieren und sieht dazu nicht nur in seiner Zentrale in Zaventem die besten Voraussetzungen. Die neuen SBS-Eigentümer Telenet, Corelio, Wouter Vandenhaute und Erik Watté möchten so schnell wie möglich ihre erste eigene landesweite Radiostation aufbauen.

vlaanderenmediaDie Regierung jedoch hat Bedenken – sie fürchtet um Frequenzen. Wie „De Morgen“ zu berichten weiß, will der liberal eingestellte Medienminister Sven Gatz noch vor dem Sommer für Klarheit sorgen. Er hat berechtigte Sorgen: Zum Einen hat die Mehrsprachigkeit und Liberalisierung des Rundfunkwesens in Belgien ein übervolles UKW-Band zu Folge, zum Anderen sorgen Qmusic und JOE FM des Medialaan-Konzerns sowie Nostalgie (das bereits zur Hälfte Corelio gehört) landesweit mit jetzt um vier Jahre verlängerter UKW-Lizenz für ungesunde Dominanz. Peter Quaghebeur, seit April CEO von SBS Belgium und zuvor Generaldirektor bei Medialaan, verweist auf bessere Lösungen in der Nachbarregion Wallonien und dem Nachbarstaat Niederlande. Die öffentlich-rechtlichen Sender in Belgien dagegen würden derart geschützt, dass ihnen keine Privatstation in die Quere kommen dürfe.

sbs_belgHinzugezogene Gutachter sollen nun bis zum 30. Juni ein Ergebnis vorlegen, dem ein Beschluss folgen kann. Sollte dieser negativ ausfallen, bliebe nur Platz auf DAB+, das bereits jetzt mit über 20% Bekanntheitsgrad glänzt.

DAB+ als Lösung

Angestrebt wird eine Erweiterung der DAB+-Landschaft innerhalb der nächsten fünf Jahre. Das jetzt vorgelegte Konzept ‘Naar een duurzaam en toekomstgericht radiolandschap’ plant eine Abschaltung des UKW-Betriebs in 2022 und eine DAB+-Kapazitätserweiterung speziell für Privatradiostationen. Unter Vermeidung einer Zero-Base-Neuverteilung des UKW-Bandes soll vielmehr dem Zusammenschluss zu einem neuen landesweiten DAB+-VRT-Netz für die öffentlich-rechtlichen Programme der Vorzug gegeben werden.

(Bild: www.digitalradio.de)
(Bild: www.digitalradio.de)

Was seine Vorgängerin, Ministerin Ingrid Lieten, liegen ließ, will der jetzige Medienminister Sven Gatz nun vorantreiben. Die größten Privatradiobetreiber haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, kleine müssen um ihre Existenz bangen: Sie können kein Sendernetz bilden, sondern müssen Platz machen für vier geplante Privatradionetze. Diese sollen sich – beispielsweise von Folklore bis Rock – deutlich voneinander unterscheiden, so Minister Gatz in seiner Pressemitteilung. Die Radiolandschaft in Flandern soll bunt bleiben.

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