Arndt Peltner: Inflight Radio wird geradliniger

Veröffentlicht am 03. Mai. 2014 von unter Standpunkte

Lufthansa-Airbus-hebt-ab-big (Bild: senohrabek / 123RF Stock Foto)

Von Arndt Peltner

Als freier Journalist baut man sich im Laufe der Jahre einen Bauchladen auf. Das war und ist bei mir nicht anders. Ich arbeite für verschiedene Radiosender und ein paar Zeitungen, allen voran die Nürnberger Zeitung. Und daneben gab es noch andere Projekte, mit denen ich meinen Unterhalt verdiente. Eines davon war seit Anfang 2005 die Country, Folk und Americana Sendung im Inflight Radio der Lufthansa. Eine Zweistundensendung, zweisprachig moderiert, die weltweit auf allen Langstreckenflügen der Kranich Airline zu hören war. Das Schöne daran war, dass ich die Freiheit hatte, die Playlisten selber zu bestimmen. Ein paar verständliche Auflagen gab es, wie keine “F-Bombe” zu spielen oder Songs zu bringen, in denen es um Katastrophen, Flugzeugabstürze oder Massenunfälle ging. Ansonsten hatte ich alle Freiheiten dieser Welt.

Das hieß für mich, dass ich neben vielen, vielen Independent Musikern und Bands aus den USA, Kanada, England, Schweden auch deutsche Gruppen und Musiker bringen konnte. Ich musste nicht auf die Hitparaden und Billboard Charts blicken, ganz im Gegenteil, die Lufthansa wollte ein Country Klangbild fernab des Herkömmlichen haben. Ich konnte so immer vorab über das Nürnberger Bardentreffen berichten, lokale Bands mit ihren aktuellen Veröffentlichungen, wie Smokestack Lightnin’ und Ski’s Country Trash, und selbst “Lazing at Desert Inn” von den Shiny Gnomes spielen, persönliche Favoriten, wie Infamis, bringen und vor allem auf die vielseitige, interessante und spannende Country, Folk und Americana Szene in Deutschland verweisen. In jeder Sendung kamen etliche deutsche “Acts” zum Zuge.

Ich schreibe in der Vergangenheit, denn damit ist nun Schluss. Nach über neun Jahren hat sich das Lufthansa Management dazu entschlossen, eine neue Produktionsfirma zu beauftragen. Kosteneinsparungen werden angeführt, die allerdings eher geringfügig sind. Und die neuen Macher erfinden das Rad neu. Die Sendungen werden wohl nicht mehr moderiert werden, einfacherweise sollen nur noch CDs abgespielt werden. Wahrscheinlich wird es so laufen, wie bei anderen Airlines auch, die großen Plattenfirmen werden sich ihre Sendeplätze erkaufen. Damit geht ein kleines, aber bedeutendes musikalisches Inselreich verloren. Rückmeldungen, die ich über die Jahre erhielt, kamen aus aller Welt. Es wird geradliniger, Ecken und Kanten sind im “Radio” nicht mehr gewollt. Fazit ist, über den Wolken war die Freiheit für einen Programmmacher mal grenzenlos.

 

Arndt Peltner (Bild: RadioGoethe.org)

Arndt Peltner (Bild: RadioGoethe.org)

Arndt Peltner (45), Freier USA-Korrespondent für Hörfunk und Print. U.a. berichtet er in seinem Blog der Nürnberger Zeitung über Amerika.

1996 gründete er “Radio Goethe” – eine “syndicated” Musiksendung, die auf Stationen in zahlreichen Ländern ausgestrahlt wird.

(Teaserbild: Lufthansa Airbus A380 © senohrabek/123RF.com)

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