Nachrichtensprecher „macht den Hitzlsperger“

Veröffentlicht am 10. Jan. 2014 von unter Deutschland

Antenne BayernDie 16-Uhr-Nachrichten auf Antenne Bayern klangen etwas anders als sonst: Eigentlich haben persönliche Statements in den News eines Radiosenders nichts verloren, Moderator Thomas Nütten machte da kurz nach dem urbayerischen „Grüß Gott“ am Donnerstag aber eine Ausnahme. 

Die „Antenne Bayern“-Nachrichtenredaktion setzte die Reaktionen auf das Coming-Out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger „auf die Eins“. Nachdem einer der letzten Sätze dieser Meldung lautete, kritisiert werde an der Aktion des Fußballers, dass er schon längst nicht mehr aktiver Spieler sei, ließ Sprecher Nütten eine kurze Pause und sendete sein Coming-Out in den Nachrichten des meistgehörten Radiosenders in Bayern – schließlich ist er ja noch „Radio-aktiv“ und nicht wie Hitzlsperger im Ruhestand.

„Ich glaube, an dieser Stelle ist es wirklich der richtige Moment und auch der richtige Tag, Ihnen als Antenne-Bayern-Hörer etwas zu sagen: Ich stehe mitten im Berufsleben, und auch ich bin schwul“, so Nütten. Im Anschluss setzte er mit den weiteren Meldungen fort.

Gegenüber der Nachrichtenagentur EPD sagte der Chefredakteur des Senders Ralf Zinnow, er habe gegenüber Thomas Nütten klargestellt, dass persönliche Statements und Meinungen in den Nachrichten nicht eingebracht werden sollten. In diesem Fall sehe man aber darüber hinweg und stehe hinter dem Mut des Nachrichtensprechers. Daraufhin habe es eine Welle von Rückmeldungen an den Sender gegeben – überwiegend positive. Aber auch einige kritische Stimmen seien dabei gewesen, sagte Zinnow gegenüber der EPD.

Ob diese kleine Aktion als PR geplant oder wirklich spontan war, bleibt vermutlich Geheimnis von Thomas Nütten. Auf jeden Fall äußerte sich der Sender auf seinem Onlineportal und auf den sozialen Netzwerken bisher nicht dazu.

In der deutschen Radiolandschaft könnte es in Zukunft noch weitere derartige Zwischenmeldungen geben. Jedenfalls wenn man dem Radio-Roman „Payoff“ von Christina Haubold Glauben schenkt: „Würde man alle schwulen Radiomacher in ganz Deutschland in einer Stadt versammeln, könnte man wahrscheinlich eine eigene ‚Christopher Street Day Parade‘ veranstalten“ heißt es darin. Und: „Unsere Branche ist da ja ganz entspannt.“

Weiterführende Informationen
Interview mit Nütten im Münchner Merkur

Kommentar hinterlassen

Tags: ,