JIM-Studie 2012: 68% der Jugend hört YouTube-Radio

JIM STUDIE2012 smallFür Jugendliche bleiben Soziale Netzwerke ein zentraler Aspekt der Internetnutzung. Online-Communities zählen neben Suchmaschinen und Videoportalen zu den drei am häufigsten ausgeübten Anwendungen im Internet und werden von insgesamt 78 Prozent der 12- bis 19-Jährigen zumindest mehrmals pro Woche genutzt. 57 Prozent besuchen die eigenen oder fremden Profile im Netzwerk sogar täglich. Dies belegen die Ergebnisse der JIM-Studie 2012 (Jugend, Information, (Multi-) Media), die heute in Mannheim der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Aktuell meint die Nutzung Sozialer Netzwerke fast ausschließlich die Nutzung von Facebook, hier sind 81 Prozent der Jugendlichen aktiv. Die erste Anmeldung der Jugendlichen bei einem solchen Netzwerk erfolgte mit durchschnittlich 12,7 Jahren. Die am häufigsten genutzten Funktionen innerhalb einer Community sind das Verschicken von Nachrichten und das Chatten mit anderen Mitgliedern des Netzwerks. Erfreulich ist, dass inzwischen 87 Prozent der Nutzer von Communities ihre Profildaten mit der Privacy-Option vor einem öffentlichen Zugriff schützen, im Vergleich zum Vorjahr ein erneuter Anstieg um acht Prozentpunkte. Allerdings ist gleichzeitig die durchschnittliche Anzahl der Freunde in der Community auf nunmehr 272 angestiegen (2011: 206 Freunde), so dass die Privatheit hier relativ zu bewerten ist. Was die Sicherheit und den Schutz der, in der Community hinterlegten persönlichen Daten angeht, so fühlt sich hier nur ein Zehntel der Jugendlichen sehr sicher. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Vertrauen in die Communities bei den Jugendlichen abgenommen. 2011 hatten noch zwei Drittel ein sehr gutes bzw. gutes Gefühl, 2012 sind es nur noch 54 Prozent, die sich mit ihren Daten im Netzwerk gut aufgehoben fühlen.

Das Handy als Alltagsbegleiter der Jugendlichen eröffnet die Option, Soziale Netzwerke auch unterwegs zu nutzen. Der Service, sich per Handy über Neuigkeiten in der Community informieren zu lassen, hat sich stark entwickelt: Machten im Vorjahr 16 Prozent der täglichen Nutzer von Communities von dieser Möglichkeit Gebrauch, ist dieser Anteil aktuell auf 41 Prozent angestiegen. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones (47 %) und entsprechenden Internetflatrates (34 %) bei Jugendlichen hat auch die mobile Internetnutzung an Attraktivität gewonnen. Inzwischen nutzen 40 Prozent das Handy regelmäßig, um ins Internet zu gehen. Der Zugang zu Sozialen Netzwerken zählt dabei zu den wichtigsten Apps, die Jugendliche auf ihrem Smartphone installiert haben.

Die Studienreihe JIM wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Für die Befragung wurden ca. 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren im Frühsommer 2012 telefonisch befragt. Neben Fakten zum Thema Medienkompetenz enthält die Studienreihe Basisdaten zum Freizeitverhalten der Jugendlichen sowie Mediennutzungsdaten zu Fernsehen, Radio, Internet, Handy, Büchern und Computerspielen.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR). Kooperationspartner bei der JIMStudie ist die Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG).

Auszug aus der JIM-Studie 2012 zum Thema Radio

Das Radio spielt im Leben von Jugendlichen nach wie vor eine wichtige Rolle. Mehr als drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen schalten mindestens mehrmals pro Woche ein Radioprogramm ein, nur sechs Prozent hören nie Radio. In den verschiedenen Alters- und Bildungsgruppen zeigen sich nur geringfügige Nutzungsunterschiede: Radio wird unabhängig von Alter und Schulbildung vom Großteil der Jugendlichen regelmäßig genutzt.

Radioprogramme sind heutzutage über viele verschiedene Geräte und Übertragungswege zu empfangen. Für die 12- bis 19-Jährigen sind, bezogen auf die Nutzung in den letzten 14 Tagen, immer noch das normale, stationäre Radiogerät (74 %) und das Autoradio (71 %) die häufigsten Empfangsgeräte. Etwa ein Fünftel nutzt mittlerweile auch das Handy (21 %) oder Internet (19 %) zum Radio hören. Tragbare Radiogeräte und MP3-Player werden von 13 Prozent für den Empfang von Radioprogrammen verwendet. Weitere Übertragungswege – so auch das erst kürzlich gestartete Digitalradio DAB+ – spielen im Moment (noch) keine Rolle.

Der Vergleich zum Vorjahr zeigt einen leichten Rückgang bei den klassischen Radiogeräten (stationäre Geräte, Autoradios) und eine leichte Steigerung bei neueren Geräten und Übertragungswegen wie dem MP3-Player und dem Internet. Insgesamt fallen diese Änderungen allerdings sehr gering aus, so dass sich wohl erst in einiger Zeit zeigen wird, ob sich die neuen Empfangsmöglichkeiten und -geräte im Alltag etablieren werden.

Wege der Radionutzung JIM2012

Jungen nutzen Handy und Internet etwas häufiger um Radio zu hören als Mädchen. Bei ihnen erfolgt die Nutzung etwas stärker über stationäre Geräte. Betrachtet man die verschiedenen Altersgruppen, nutzen volljährige Jugendliche etwas häufiger das Autoradio als die jüngeren. Das Internet hat als Übertragungsweg für Radioprogramme schon für die Ab-14-Jährigen eine gesteigerte Bedeutung (12-13 Jahre: 10 %, 14-15 Jahre: 21 %, 16-17 Jahre: 20 %, 18-19 Jahre: 23 %). Die Radionutzung über MP3-Player nimmt hingegen mit zunehmendem Alter etwas ab (12-13 Jahre: 19 %, 14-15 Jahre: 13 %, 16-17 Jahre: 9 %, 18-19 Jahre: 9 %). Jugendliche mit niedrigerer Schulbildung nutzen etwas häufiger mobile Endgeräte wie Handy und MP3-Player zum Radio hören als Jugendliche mit höherer Schulbildung.

Musik und Musikvideos

Musik zu hören ist für neun von zehn Jugendlichen (sehr) wichtig. Um bei diesem wichtigen Thema auf dem Laufenden zu bleiben und neue Titel und Interpreten kennenzulernen,  tauschen sich Jugendliche vor allem mit ihren Freunden und Bekannten aus (79 %). Weitere wichtige Informationsquellen sind das Internet (61 %) und das Radio (58 %). Über das Fernsehen erfahren ca. zwei Fünftel der 12- bis 19-Jährigen Neues zum Thema Musik. Geschwister, Eltern und andere Verwandte sowie Zeitschriften spielen in diesem Zusammenhang eine eher untergeordnete Rolle.

Informationsquellen zu neuer Musik JIM2012Jungen und junge Männer nutzen etwas häufiger das Internet, um sich im Bereich Musik zu informieren. Mädchen und junge Frauen vertrauen häufiger auf klassische Medien wie Radio und Fernsehen und auf das Gespräch mit Freunden und Bekannten. Mit steigendem Alter gewinnt das Internet als Informationsquelle beim Thema Musik stärker an Bedeutung, während das Radio etwas an Relevanz verliert. Und auch bei den Bildungsgruppen zeigen sich Unterschiede: das Fernsehen ist für Jugendliche mit Haupt- oder Realschulbildung etwas wichtiger als für Gymnasiasten, während jene sich häufiger im Radio über Musik informieren.

Auch das Anschauen von Musikvideos ist bei vielen Jugendlichen beliebt: 74 Prozent (sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen) sehen sich zumindest gelegentlich solche musikalischen Kurzfilme an. Dabei nutzen viele Jugendliche mittlerweile ausschließlich das Internet (45 %). Ein Viertel aller Jugendlichen schaut sowohl im Fernsehen als auch im Internet Musikvideos an und nur Wenige greifen ausschließlich auf das – sehr begrenzte – Angebot des Musikfernsehens zurück.

Nutzung von Musikvideos JIM2012Bei der Nutzung von Musikvideos über das Internet ist das Videoportal YouTube mit großem Abstand die wichtigste Adresse, 68 Prozent aller Jugendlichen schauen sich dort Musikvideos an. Danach folgen mit großem Abstand die Portale MyVideo (welches einem Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe angehört; 16 %) und Clipfish (von einer Tochter der RTL-Gruppe betrieben; 4 %). Beim Ansehen von Musikvideos im Fernsehen ist der Musiksender Viva der meistgenutzte Sender (27 %). MTV ist seit Anfang 2011 nur noch über Pay-TV empfangbar und spielt somit nur noch eine untergeordnete Rolle (8 %).

Quelle: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2012

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JIM-Studie 2012