Privatradio NRW: 8 Radiosender hoffen auf DAB+ Lizenz

Veröffentlicht am 03. Okt. 2012 von unter Deutschland

Acht Bewerber für fünf Kanäle

Während es aus der Düsseldorfer Landesmedienanstalt LfM offiziell noch heisst “Termin steht noch nicht fest”, scheint es in der Branche schon rund zu sein. Die Lizensierung der fünf privaten Digitalradios im NRW-Multiplex soll in der Sitzung der Medienkommision Ende Oktober erfolgen. Ursprünglich sollte eine Entscheidung zum Ende des Sommers bereits gefallen sein. Doch da sich mehr Bewerber gemeldet haben, als Kanäle vorhanden sind, war offenbar mehr Zeit zur Vorbereitung nötig.

Um eine Auswahlentscheidung zu vermeiden, empfahl man zwischenzeitlich auch eine Zeitpartagierung auf den einzelnen Kanälen. Doch bisher fanden sich nur der Wuppertaler Bewerber rmc-medienconsult” mit seinem jugendorientierten Programm “Kulturschocker” und das bayerische “Mega Radio” zusammen. Während rmc mit Einzelheiten zum Sendeformat noch hinter dem Berg halten möchte, ist Mega Radio schon gesprächiger. Programmchef Sven Häberle plant zwar ein eigenes Programm für NRW, es soll aber dem bereits in Bayern laufenden Format sehr angenähert sein. Wenn auch Popmusik gespielt werde, wolle man doch “moderativ andere Wege gehen”, so Häberle. Bei 30 Prozent Wortanteil könne auch mal ein Interview mit einem Popstar fünf Minuten dauern.

Christoph Kruse (Bild: REGIOCAST)

Christoph Kruse (Bild: REGIOCAST)

Gleich mit drei Formaten hat sich die Radioholding REGIOCAST in Düsseldorf beworben. Nach ausführlichen Programmanalysen im NRW -Äther habe man sich für ein Portfolio aus Achtziger-Jahre -AC-Pop, Schlager, und Oldies aus der Sechziger Beat-Ära bis zu Achtziger-Rock entschieden, so REGIOCAST-Digital-Boss Christoph Kruse.

Hartmut Gläsmann

Hartmut Gläsmann

Nichtsdestotrotz werde dieses ambitionierte Portfolio wohl nicht in eineinhalb Jahren zu refinanzieren sein, befürchtet Kruse. Denn das Besondere am NRW-DAB-Multiplex ist, dass es als Pilotprojekt zunächst bis zum Juli 2014 begrenzt ist. Man befürchtete in Düsseldorf, dass nach den schlechten Erfahrungen mit DAB-alt für DABplus wohl nur wenig Interesse besteht. Außerdem wird für Juli 2014 eine Entscheidung der KEF erwartet, ob der ARD für DABplus noch Gebührenanteile zugestanden werden können, wenn bis dahin Digitalradio bei den Konsumenten nicht gegriffen hat. “Und die KEF will ihre Entscheidung vor allem an den Absatzzahlen von DAB-Empfängern festmachen”, weiß der Chef vom Bewerber “rmc-medien”, Hartmut Gläsmann.

Der frühere Radio-NRW-Manager sieht aber noch viel Musik im Radiomarkt zwischen Eifel und Weserbergland .”Warum erschließt den keiner?”, stöhnt Gläsmann. Nach seinen Berechnungen umfasst er Werbebudgets von 200 Mio. Euro. Und vor allem in der jungen Zielgruppe von 10 bis 29 sei der noch gar nicht richtig abgegriffen, weder von der WDR-Jugendwelle 1LIVE noch erst recht nicht von den NRW-Lokalradios. Deshalb gebe er DAB an Rhein und Ruhr gute Chancen.

Wenn allerdings der DAB-Pilotversuch einerseits positiv auslaufe und die KEF andererseits der ARD grünes Licht für den Ausbau von DABplus gebe, befürchtet Gläsmann ein neues Problem. Bisher umfasst das NRW-Multiplex Zweidrittel Programmplätze für den WDR und ein Viertel für den Privatfunk, eben jene fünf Kanäle , die die LfM jetzt vergibt. Geht der Pilotversuch in einen Dauerbetrieb über, werde der WDR als Senderbetreiber auch die anderen Kanäle für sich beanspruchen, spekuliert Gläsmann. Wie gehe es dann aber für die Privaten weiter? So schnell könnten Betreiber wie Media Broadcast kein neues DABplus-Sendernetz aufbauen, damit ein nahtloser Übergang für die Privaten gewährleistet sei.

Neben dem Augsburger DAB-Sender “Mega-Radio” hat sich noch ein weiterer bayerischer Veranstalter in NRW beworben: das Regensburger “Absolut-Radio” will seinen Spartenkanal “Absolut-Relax ” ins Lizenzrennen schicken. Aus Berlin will Newcomer “pleximedia” zwischen Eifel und Weserbergland dabei sein. Sein DAB-Projekt hat noch keinen festen Namen, im Gespräch ist “Radio Impala”. Bisherige Arbeitstitel wie “Lux” oder “iX” gingen auf Kollisionskurs mit existierenden Stationen. Mit Details zu seinem angestrebten, stark wortorientierten Format ist Programmchef William Rauch sehr zurückhaltend: “Wir sind noch im frühen Stadium des schwierigen Aufbaus eines gewagten Unternehmens”, sagt er übervorsichtig. Allerdings sei das Format bei der DAB-Bewerbung in Hessen bereits gut angekommen und lizensiert worden, in Baden-Württemberg indes nicht.

Als gesetzt für die neuen DABplus-Kanäle schliesslich gilt das Kölner “domradio“. Es hat als einziger Privater im Land seit 10 Jahren Pionierarbeit bei der Promotion des Digitalfunks nach der alten Norm geleistet.

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