Klaus Rickert (FDP): Drei gute Gründe gegen DABplus

Veröffentlicht am 28. Mrz. 2011 von unter Standpunkte

Der FDP-Medienpolitiker Klaus Rickert hält nichts von einer Zwangsdigitalisierung

Klaus Rickert

Klaus Rickert

Wie hören wir in 15 Jahren Radio? Mit dem Smartphone, dem guten alten UKW-Empfänger oder einem DABplus-Gerät? Die letzte Antwort ist vermutlich die unwahrscheinlichste. Dennoch macht sich die Politik in Berlin auf den Weg, den Rundfunk zu digitalisieren – per Gesetz. Das neue Telekommunikationsgesetz ist gerade in Arbeit. Ursprünglich sollten die UKW-Zuteilungen im Jahr 2015 widerrufen werden, jetzt ist vom Jahr 2025 die Rede. Dann hieße es: UKW-Radio aus, DABplus-Empfänger an. Doch ob 2015 oder 2025 – es muss die Frage gestellt werden, warum die Politik überhaupt eine Rolle bei der Frage spielen sollte, mit welchen Empfangsgeräten in Zukunft Radio gehört wird.

Die Verbraucher wissen, was sie tun. Genau aus diesem Grund hat sich DAB bzw. DABplus bisher nicht durchgesetzt. Es gibt sowohl für die Verbraucher als auch für die Sender keinen Grund, in Zukunft auf diese Technologie zu setzen. Gründe dafür gibt es viele – hier sind drei:

  1. Der Markt: Das UKW-Radio ist in Deutschland nach wie vor das dominierende Empfangsgerät. Ob im Auto, in der Küche oder im Badezimmer – bundesweit UKW-Geräte in dreistelliger Millionenhöhe am Markt. Parallel dazu wird Radio immer stärker per Livestream im Internet gehört. Dabei hat der Hörer die Auswahl zwischen tausenden Programmen. „Internet schickt UKW-Radio in Rente“ war vor einiger Zeit in einem Artikel zu lesen. So weit ist es noch nicht. Sicher ist nur, dass es aus Verbrauchersicht wohl keine Überschrift „DABplus schickt UKW –Radio in Rente“ geben wird: Denn wozu sollte sich der Verbraucher ein weiteres teures Empfangsgerät kaufen, welches ihm zu wenig zusätzlichen Nutzen bringt?
  2. Die Technik: Im Internet sind mehr Programme für den Hörer heute schon Realität – bei DABplus wird er wohl vergeblich darauf hoffen. Im Gegenteil: Lassen sich durch den so genannten „Overspill“ zum Beispiel in Hannover auch viele Programme empfangen, die ihren Sitz außerhalb Niedersachsens haben, wird das mit der digitalen Technik ein Ende haben. Mit der digitalen Technik lässt sich das Sendegebiet wesentlich genauer abgrenzen – der Hörfunkmarkt wird für die Verbraucher um einige Alternativen ärmer. Hinzu kommt, dass auch der lückenlose Empfang von DABplus nach heutigen Kriterien nicht gewährleistet ist.
  3. Die Kosten: Ein UKW-Autoradio für 40 Euro? Das dürfte mit der neuen Technik schwierig werden. Denn durch die Verknüpfung von UKW und DABplus-Chip, die man auf jeden Fall benötigen wird, werden auch die Geräte teurer werden. Ein klarer Nachteil für die Verbraucher. Auch für die Radiosender – öffentlich-rechtliche wie private – würde eine Digitalisierungspflicht kostspielig. Sie müssten für viele Jahre deutlich mehr Geld in die Übertragung ihrer Programme investieren – für UKW UND  DABplus.

Die FDP hat sich immer auf die Seite des Fortschritts gestellt. Das bleibt auch in Zukunft so. Aber wir glauben daran, dass Fortschritt nicht verordnet werden muss. Wir lesen Tageszeitungen über das iPad, wir empfangen unsere E-Mails unterwegs auf dem Handy und wir studieren im Auto nicht mehr die Karte sondern verlassen uns auf das Navigationsgerät. Diese Technologien haben sich ganz ohne die Politik durchgesetzt. Es spricht vieles dafür, dass wir in zehn Jahren auch keine UKW-Radios mehr in den Autos finden werden. Der Weg dorthin sollte aber von den Verbrauchern bestimmt werden, nicht von der Politik.

Klaus Rickert ist medienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag

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Archivierte Kommentare

  1. Hendrik Dahlhoff

    02. Apr. 2011

    Auch ich werde mich ihren Thesen widersetzen müssen.

    Ich bin 17 Jahre alt – also Jugendlicher und habe mir gerade als Verbraucher für DAB entschieden, weil der Mobilfunk zurzeit 1. ihre Tarife sehr überteuert anbietet – das ist für viele Leute nicht bezahlbar bzw. sie treiben sich damit in die Schulden 2. ist der Mobilfunk oder auch UKW mobil einfach keine Freude.

    DAB bietet – wenn auch zurzeit nicht gerade viele – aber gute Programme, in einer Einwandfreien Qualität. In Baden-Württemberg kann man beispielsweise den Infosender vom SWR nur über Mittelwelle und DAB empfangen. Ich habe mir für unterwegs einen portablen Empfänger gekauft und war so überzeugt davon, dass ich mir für Zuhause auch noch einen Empfänger (komibiniert mit Internet) gekauft habe. Sobald die DAB+ Empfänger in Handys, Autos und anderen Geräten festgeschrieben wird, ist Digitaler Rundfunk über DAB endlich da. Und die Verbraucher werden es zu schätzen wissen. Das Jugendprogramm des SWR ist auch nur in einzelnen Städten über UKW empfangbar. Über DAB landesweit. Das lässt sich sehen.

    Und da die Liberalen (auch wenn es nicht ganz meine Gesinnung ist ;-)) sind doch von ihren Grundzügen her für mehr Wettbewerb. DAB wird auch das bieten. Diese UKW Planwirtschaft mit wenig bis gar keiner Konkurrenz tut auch der Radioszene nicht gut. Darüber beschweren sich auch die Verbraucher. Überall ist von Schrottsendern die Rede. Das wird der neue nationale Multiplex durchweg anbieten und endlich den Gebührenzahlern die Möglichkeit geben, ihre bezahltes Programm (Deutschlandradio) auch endlich in ganz Deutschland zu hören!

    Also ich sehe nur Vorteile. Manchmal muss die Politik (die doch Repräsentaten des Volkes sind) auch der Wirtschaft einen Anstoß zur Weiterentwicklung geben.

  2. Alain Wolf

    01. Apr. 2011

    Es überrascht nicht, dass der größte Widerstand aus der Medienwirtschaft selbst kommt. Das war auch hier in der Schweiz am Anfang so.

    Einer großer Vorteil von DAB+ wurde hier noch nicht erwähnt. Es können auf der selben Frequenz viele senden, wo heute nur einer kann. Es drängen mit DAB+ somit auch einige neue Teilnehmer in den Markt. Es wird enger für die bisher privilegierten mit den raren analogen UKW Frequenzen. Der Konsument bekommt über DAB+ die größere Auswahl an Sendern.

    Somit macht Herr Rickert vermutlich seinen Job als Medienpolitiker schon. Er verteidigt vermutlich die wirtschaftlichen Interessen der bestehenden UKW Sender.

  3. forelle

    31. Mrz. 2011

    Hallo,

    Nach dem lesen dieses Artikels von Klaus Rickert frage ich mich schon, wie man in Deutschland “Medienpolitiker” wird! So etwas kann man nur schreiben, wenn man keine Ahnung hat.

    Ich höre seit vielen Jahren nur noch DAB und seit wenigen Jahren DAB+ Radio. UKW mit seinem Rauschen und Prasseln kann man schlicht vergessen. DAB+ ist sowohl an der HiFi-Anlage aber auch mit mobilen Geräten ein Genuss, den ich nicht mehr missen möchte, allerdings nicht im DAB-Entwicklungsland Deutschland sondern in der Schweiz. So kann ich erstmals seit DAB+ auch im Ferienhaus in den Bündner-Bergen, wo es schlicht keinen UKW-Empfang gibt, störungsfreien Radioempfang geniessen dank DAB+.

    Bis zur Abschaltung des Schweizer-Telefonrundspruchs vor vielen, vielen Jahren war Radio in MONO über den Telefonrundspruch hörbar, nach dem Abschalten über UKW sanftes rauschen in STEREO ;) und seit der Einführung von DAB+ in allerbester STEREO Qualität!

    Warum soll Deutschland das nicht können, was die kleine Schweiz und auch GB bestens können – Landesweiter DAB+ Empfang. Geiz ist Geil hat noch nie jemandem etwas gebracht, seit den letzten Wahlen in BW auch der FDP nicht.

    Von einem Land, das wirtschaftlich in der Spitzenklasse mitmischt, sollte man doch etwas mehr Innovationsfreude erwarten können, inkl. eine rasche Einführung von DAB+.

    Freundliche Grüsse aus der Schweiz, DAB+ hörend ;).

  4. Jean-Pierre Wüthrich

    29. Mrz. 2011

    Hallo,

    Ich möchte aus der Schweiz auch noch einen guten Kommentar abgeben. Ich habe die ganze DAB+-Digitalisierung seit längerer Zeit mitverfolgt.
    Dazu möchte ich folgendes sagen.

    Warum sollte DAB+ in Deutschland nicht auch noch einen Erfolg werden wie in der Schweiz.

    Ab 1. 4. 2011 wird es in der Deutschweiz 28 Programme auf DAB/DAB+, darunter auch diverses Spartenprogramme wie http://www.drsmusikwelle.ch, die seit der Abschaltung des Landessender Beromünster per 28. 12. 2008 nur noch über DAB/DAB+, Kabel, Satellit und Internet empfangbar ist und http://www.eviva.ch ist jetzt auch auf DAB+.

    Dual ist ja jetzt auf der Digitalplattform eingestiegen und die werden die günstigen, sehr guten DAB+-Geräte, darunter auch das DUAL DAB CAR 1, anbieten, die bereits seit 2009 erfolgreich bei einem Grossverteiler in der Schweiz angeboten wird.

    Laut Aussage von SRG kostet eine Uebertragung eines DAB+-Sender 15 % Kosten gegen über UKW-Uebertragung, also spart also die öffentlichen-rechtlichen Sender an Gelder und auch die privaten Sender.

    In der Schweiz ist die Abdeckung von DAB/DAB+ sogar besser als UKW.

    So viel ich weiss, wie ich gelesen haben auf http://www.rein-hoeren.de gibts ein Radio für Euro 50.00

    http://www.rein-hoeren.de/content/50-euro-buntes-dabplus-radio-aus-d%C3%A4nemark

    Sogar in der Schweiz gibts jetzt Autoradio mit DAB+ zu einem Schlagerpreise. Preis-/Leistungsverhältnis ist perfekt. Mit 100 Euro ist man dabei. MPman Autoradio CMU 70 DAB+ mit SD-Karten-Leser, MP3-CD-Leser, USB-Anschluss und Aux-IN. Was will man noch mehr.
    http://arm.in/pba

    Gruss vom DAB+-Autoradio-Experte, wie mich die Deutschen nennen.

  5. Radiocat

    28. Mrz. 2011

    Schön, wenn jemand Argumente bringt, die so einfach zu entkräften sind.

    Ich gehe mal der Reihe nach durch:
    Zur Marktthese: Das sagt gar nix. Wir hatten vor wenigen Jahren noch soundsoviele Millionen analoge Sat-Receiver, wir hatten anno 1990 noch so und so viele Wählscheibentelefone. Einmal wird immer der Anfang gemacht. Recht hätte er, wenn er anführte, dass bislang DAB schlecht und falsch auf den Weg gebracht (bzw. nicht gebracht) wurde.

    Zum vielgepriesenen Webradio: Richtig, die Vielfalt ist gross. Abgesehen von der Frage, wie man die Übersicht behält oder ob die Angebote jenseits der parallel dort ausgestrahlten UKW-Programme so toll sind, sind die begrenzenden Faktoren: Serverakapzität und mobile Verfügbarkeit. Und beides lässt momentan noch keinen Massenkonsum zu.

    Zu den Kosten? Ein Autoradio für 40 Euro? Wer bitte kauft sich so etwas. Ich kenne niemanden. Die meisten Wagen werden heute mit eingebauten Geräten ausgestattet. Der Nachrüstermarkt für Autoradios ist im Verschwinden begriffen.
    Ein DAB+-Empfangsteil ist in die Geräte wesentlich einfacher zu integrieren als ein Mobilfunkteil zum mobilen Webradio-Empfang.
    DAB+ wird sich genau dann durchsetzen, wenn die Autohersteller Geräte mit DAB+-Empfang ordern. Andere mobile Empfangsgeräte sind bereits günstig erhältlich. Es hängt jetzt nur noch von der Programmvielfalt ab (das bundesweite Paket lässt hoffen) und von der Vermarktung.

    Und was das Diktieren angeht: Auch UKW löste irgendwann mal die Mittelwelle ab. Und natürlich wird die Politik es mitbestimmen, denn die lässt sich die Hoheit über den Rundfunk doch nicht nehmen. Insofern vergleicht Herr Rickert Äpfel mit Birnen, wenn er Rundfunk mit Navigationssystemen oder ipads vergleicht. (Abgesehen davon besitzt die Masse der Bevölkerung kein ipad, und noch nicht einmal ein sog. Smartphone. Ich übrigens auch nicht)