Die KI spricht Ihren Werbespot – was Sie jetzt wissen sollten

KI im Werbespot (Bild: callme / unsplash)

Von Jürgen Noppel

Ein Radiospot lässt sich heute in kurzer Zeit produzieren, verändern und in unterschiedlichen Varianten ausspielen. Seit 2. August 2026 gelten allerdings neue Transparenzpflichten des EU AI Acts. 

Je nachdem, wie eine Stimme oder ein Audioinhalt mit KI erzeugt oder verändert wurde, können Kennzeichnungspflichten entstehen. Insbesondere bei KI-Audio, das täuschend echt wirkt, sollte genau geprüft werden, welche Vorgaben gelten.

Wer gegen die Transparenzpflichten verstößt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Möglich sind Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro oder bis zu drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. (Achtung das ist die gesetzliche Obergrenze) 

Für Sie als Werbekunde heißt das: Klären Sie mit ihrer Agentur, Radiosender, oder Vermarkter, wie die KI-Stimme entstanden ist, welche Rechte vorliegen und ob eine Kennzeichnung notwendig ist.

Mein Tipp: Lassen Sie sich vor Freigabe des Spots schriftlich bestätigen, wie die KI-Stimme entstanden ist, dass die notwendigen Rechte vorliegen und ob eine Kennzeichnung erforderlich ist. Das ersetzt keine rechtliche Prüfung, schafft aber für Sie als Werber Klarheit und ist zugleich eine kleine Dokumentation. 

Was mir als Werber allerdings noch mehr Kopfzerbrechen machen würde, ist eine andere Frage:  

Womit wurde diese KI-Stimme eigentlich trainiert?

Viele synthetischen Stimmen basieren auf Sprachaufnahmen echter Menschen, die zum Training, oder zur Nachbildung von Stimmen genutzt werden. Genau darum wird aktuell in der Sprecherbranche heftig gestritten. Der Verband Deutscher Sprecher: innen fordert mehr Kontrolle über die Nutzung von Stimmen für KI Training und digitale Nachbildungen. Das sollte man als Werber durchaus bedenken, wenn man sich kostengünstig an einer KI-Stimme bedient. 

Meine Empfehlung: Nutzen Sie weiterhin einen professionellen Sprecher, denn dieser liefert nicht nur Klang. Er bringt Timing, Haltung, Wärme, Ironie und Emotion in Ihren Spot. Das kann Gott sei Dank noch keine Maschine. 

Bedenken Sie: Die KI wird mit menschlichen Stimmen trainiert, bis sie den Menschen irgendwann wirtschaftlich ersetzt. 

Technisch faszinierend. 

Aber bei aller Begeisterung für die KI sollte man eines nicht vergessen, was es für diejenigen bedeutet, mit deren Stimmen diese Systeme trainiert wurden. Denn nicht jeder Sprecher dürfte geahnt haben, dass seine Stimme irgendwann dabei hilft, ihn selbst überflüssig zu machen. 


Jürgen Noppel
Jürgen Noppel

Jürgen Noppel ist Marketing- und Medienberater sowie Inhaber der Agentur NOPPEL4MEDIA. Der gelernte Mediaberater verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Hörfunk, Online-Marketing und Crossmedia. Zu seinen beruflichen Stationen zählen unter anderem Radio Alpenwelle sowie die Entwicklung digitaler Medienkonzepte und Vermarktungsstrategien. Darüber hinaus war er als Gastreferent an der Universität Passau und in der Aus- und Weiterbildung tätig.

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