Schwierige Lage der Musikbranche wird Thema bei der „Giovanni Zarrella Show“

Radio Regenbogen Inititiative "Music Made in Germany"Ausverkaufte Arenen, große Namen, Millionen Streams – und trotzdem wird es für Künstlerinnen und Künstler immer schwieriger, ihre Live-Shows wirtschaftlich zu stemmen. Ticketpreise steigen, Produktionskosten explodieren, gleichzeitig müssen viele Menschen genauer überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Die Krise im Livegeschäft beschäftigt längst nicht mehr nur Newcomer oder kleinere Acts. Sie trifft die gesamte Musikbranche – und ist auch international ein Thema.

Music Made in Germany, die Musikinitiative für die deutsche Künstlerszene, hat genau diese Entwicklung bei der aktuellen Ausgabe der „Giovanni Zarrella Show“ zum Thema gemacht. Als Partnerradio der Giovanni Zarrella Show war „Music Made in Germany“ auch bei der großen Sommerparty auf dem Mainzer Lerchenberg mit einem eigenen Interview- und Podcast-Setting vor Ort.

Miriam Audrey Hannah im Gespräch mit Giovanni Zarella (Bild: © Audiotainment Südwest)
Miriam Audrey Hannah im Gespräch mit Giovanni Zarella (Bild: © Audiotainment Südwest)

Musikjournalistin und Moderatorin Miriam Audrey Hannah sprach mit deutschen und internationalen Stars über eine Frage, die die Branche derzeit massiv bewegt: Was passiert mit der Livekultur, wenn Konzerte für Künstler immer teurer zu produzieren und für Fans immer schwieriger zu finanzieren werden?

In Gesprächen hinter der Bühne waren unter anderem Adam Lambert, Giovanni Zarrella, Frida Gold, Vanessa Mai und Kerstin Ott.


Es ist gerade schwierig – überall auf der Welt
(Adam Lambert)

Adam Lambert, der bei der großen Sommerparty der Giovanni Zarrella Show einen emotionalen Auftritt hinlegt und gemeinsam mit Giovanni Zarrella auf der Bühne steht, spricht im Interview mit Music Made in Germany ungewöhnlich offen über die wirtschaftliche Situation internationaler Liveproduktionen.

Adam Lambert und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)
Adam Lambert und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)

Auf die Fragen wie er die aktuellen Schwierigkeiten deutscher Künstler beim Ticketverkauf wahrnimmt, antwortet Lambert „Ich glaube, das ist überall so.“ Und erklärt: „Es ist gerade überall auf der Welt schwierig, Es kostet einfach so viel, diese Shows auf die Beine zu stellen. Deshalb muss man eine bestimmte Anzahl an Tickets verkaufen, damit man die Show überhaupt finanzieren kann. Es ist sehr schwierig.“

Selbst die amerikanische Künstlerszene kämpfe derzeit mit demselben Problem: „Dasselbe passiert gerade mit dem Künstlerszene in den USA. Auch dort haben sie große Schwierigkeiten, Tickets zu verkaufen, weil sie zu teuer sind. Aber solange wir nicht all die Kosten senken können, werden auch die Ticketpreise nicht sinken. Es ist also eine schwierige Situation.“

Lambert verweist dabei auch auf einen entscheidenden Unterschied zwischen Ländern, in denen Kultur staatlich stärker unterstützt wird, und seiner Heimat: „In manchen Ländern gibt es staatliche Förderung. In den USA wird das so schnell nicht passieren.“

Damit bekommt die Diskussion, die die deutsche Musikbranche seit Monaten beschäftigt, eine internationale Dimension: Zu hohe Produktionskosten führen zu überhöhten Ticketpreisen – und genau diese Ticketpreise können sich immer weniger Menschen regelmäßig leisten.

Auf ein Konzert zu gehen ist ein wirkliches Investment
(Frida Gold)

Frida Gold und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)
Frida Gold und Miriam Audrey Hannah (Bild: Audiotainment Südwest)

Wie konkret sich diese Entwicklung auf die deutsche Musikszene auswirkt, beschreibt auch Andi Weizel von Frida Gold: Dass die eigene Herbsttour nahezu ausverkauft sei, empfinde die Band in der aktuellen Situation keineswegs als selbstverständlich: „Es ist ein Problem, das in der ganzen Branche da ist. Menschen haben im Alltag weniger Geld zur Verfügung für ein Luxusprodukt wie Musik. Das kann man ja so sagen. Wir alle brauchen es natürlich, weil wir es lieben – aber auf ein Konzert zu gehen ist ein wirkliches Investment.“

Weizel kennt die Rechnung auch aus der Perspektive eines Konzertbesuchers: „Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann kaufe ich zwei Tickets, wir fahren hin, wir trinken was, wir brauchen einen Babysitter – und dann macht man das nicht fünf, sechs, sieben, acht Mal. Wenn man dann die großen Konzerte mit den US-Touren hat, geht es schnell in die Hunderte von Euro. Das ist dann fast ein halber Urlaub, den man da investiert.“

Besonders hart treffe diese Entwicklung kleinere Acts: „Kleinere Künstler werden dann halt einfach – da werden die Touren häufig nicht voll.“

Frida Gold will deshalb bewusst nicht weniger, sondern mehr Präsenz zeigen: „Ich glaube, dass Kontinuität ein Schlüssel ist. Also nicht zu sagen, wir machen weniger, sondern eigentlich zu sagen, wir machen mehr. Dass man den Menschen zeigt: Ihr könnt euch auf uns verlassen, wir sind für euch da.“

Und Weizel richtet einen konkreten Gedanken an Musikfans: „Vielleicht dann ein Jahr mal nicht das eine große Konzert, sondern lieber zu sagen: Wir gehen vier, fünf Mal auf ein Clubkonzert.“

Denn genau dort werde Unterstützung unmittelbar spürbar: „In dem Moment, wo man zu Konzerten von Künstlern in den Club geht, unterstützt man wirklich da, wo es gebraucht wird.“

Natürlich will jeder Künstler Tausende Menschen vor sich haben
(Vanessa Mai)

Auch Vanessa Mai kennt die veränderte Situation. Fans müssen sich heute bewusster entscheiden, für welches Konzert sie Geld ausgeben. „Es ist einfach eine krasse Zeit. Das macht sich überall bemerkbar. Deswegen schätze ich auch umso mehr, wenn die Leute wirklich Geld ausgeben, um zu einer Show zu kommen und Tickets zu kaufen, um die Zeit mit einem zu verbringen.“

Mai selbst geht bewusst mit einer Clubtour in kleinere Locations – ohne darin einen Rückschritt zu sehen. „Wir haben echt schöne kleine Clubs. Ich freue mich so krass drauf. Ich mache aus jedem und allem immer etwas Besonderes.“

Natürlich bleibe auch der Traum von den ganz großen Bühnen: „Natürlich will jeder Künstler Tausende Menschen vor sich haben. Und natürlich halte ich auch immer noch daran fest: Irgendwann darf ich vielleicht wieder in eine Arena oder sowas. Und wenn nicht, dann geht es mir auch gut.“ Für sie liegt ein entscheidender Teil einer langen Karriere darin, Veränderungen nicht zu ignorieren: „Wir machen immer das Beste aus allem und versuchen uns eigentlich nicht zu beschweren, sondern versuchen immer, so wie es gerade ist, uns anzupassen.“

Dabei korrigiert sie sich bewusst: Es gehe nicht darum, sich als Person anzupassen, sondern auf neue Bedingungen reagieren zu können. „Ich passe mich ja auch nicht an. Ich gehe ja meinen Weg. Aber angepasst an die sich verändernde Zeit – kann ich nur jedem raten.“

Auch bei mir gibt es Shows, die nicht gut verkauft sind
(Kerstin Ott)

Besonders offen spricht Kerstin Ott über die Situation. Trotz großer Hits und jahrelanger Erfolge sagt sie: „Auch bei mir gibt es Shows, die nicht gut verkauft sind. Es ist eine Krisenzeit. Es ist teurer geworden. Man sollte da offen mit umgehen. Ich brauche mich nicht hinstellen und sagen: Bei mir ist immer alles ausverkauft.“

Für Ott liegt ein Grund auf der Hand: „Die Leute haben wenig Geld im Portemonnaie. Viele sparen sich das zusammen.“ Gleichzeitig habe sich das Geschäftsmodell für Musikerinnen und Musiker grundlegend verändert. Einnahmen, die früher durch Tonträger entstanden seien, fehlen heute.

„Heute ist eine CD oder ein Album ein Live-Ticket. Das ist auch wirklich schwierig geworden.“

Besonders schwer hätten es junge Künstler: „Ich glaube, ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so große Hits haben durfte und dadurch auch Einnahmen gesichert sind. Wenn du heute als Newcomer kommst und mit einem Song, der schon ein Hit ist, da kannst du nicht mehr deinen Kühlschrank monatelang von voll machen. Davon sind wir mittlerweile weit entfernt.“

Deshalb unterstützt Ott bewusst Nachwuchskünstler und nimmt auch weniger bekannte Acts mit auf Tour.

Unsere Aufgabe ist es, den Menschen Liebe nach Hause zu schicken
(Giovanni Zarrella)

Dass all diese Gespräche ausgerechnet bei einer großen, emotionalen Samstagabendshow stattfinden, ist kein Widerspruch. Im Gegenteil: Für Giovanni Zarrella ist genau diese Verbindung aus Musik, Gemeinschaft und einem Moment des Abschaltens Teil der Aufgabe von Unterhaltung.

Giovanni Zarrella und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)
Giovanni Zarrella und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)

Er beschreibt die große Sommerparty als einen Abend, an dem zum fünfjährigen Jubiläum „alle Superkräfte“ zusammengekommen seien. „Wir wollen die Menschen zusammenbringen. Wir wollen sie glücklich nach Hause schicken. Wir wollen sie unterhalten für drei Stunden. Wir wollen sie auch ein bisschen ablenken vom Alltag. Denn der kann manchmal sehr hart sein, sehr anstrengend, sehr zäh.“

Und Zarrella formuliert, worum es ihm dabei letztlich geht: „Unsere Aufgabe ist es als Unterhalter, den Menschen Liebe nach Hause zu schicken.“ Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten härter und der Umgang miteinander rauer werde, sieht der Entertainer darin eine besondere Verantwortung:

„Es braucht einfach viel mehr Liebe. Es kostet wirklich nichts, zu jemandem nett zu sein oder jemandem ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Mehr davon, bitte.“


Giovanni Zarrella und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)
Giovanni Zarrella und Miriam Audrey Hannah (Bild: © Audiotainment Südwest)

Die „Giovanni Zarrella Show – Die große Sommerparty“ wird am Samstag, 29. August 2026, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Bei der Open-Air-Sommerparty auf dem Mainzer Lerchenberg treffen internationale Stars, große Namen der deutschen Musikszene und Newcomer aufeinander.

Die Interviews erscheinen im Rahmen der „Music Made in Germany“-Radiosendung sowie des Podcast am Freitag, den 28.August 2026. Die Ausstrahlung im Radio ist am Samstag, den 29.August 2026 von 18.00 – 20.00 Uhr bei RADIO REGENBOGEN, auf RPR1. am Sonntag, den 30.August 2026 von 16:00 Uhr – 19:00 Uhr und am Montag, den 31.August 2026 von 19:00 Uhr – 22:00 Uhr.

RADIO REGENBOGEN und RPR1. sind Marken der Audiotainment Südwest.

Quelle: Audiotainment Südwest

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