Streaming überholt Radio beim täglichen Musikhören in den USA

„Radio ist nach wie vor der Ort, an dem Menschen neue Musik entdecken“ – diesen Satz hört man in der Radiobranche immer wieder. Doch neue Zahlen von Edison Research zeigen, dass sich die Verhältnisse in den USA inzwischen verändert haben: Musik-Streaming erreicht täglich mehr Menschen als das klassische Radio.

James Cridland (Bild: © Tor Erik Schrøder)
James Cridland (Bild: © Tor Erik Schrøder)

James Cridland hält diese Entwicklung für ein wichtiges Signal. Seiner Ansicht nach ist Musik längst nicht mehr der entscheidende Grund, warum Menschen Radio einschalten. Das sei zwar keine besonders populäre Meinung, schreibt Cridland in seinem aktuellen Newsletter „Radioland”. Die neuen Zahlen zeigten jedoch, dass Radiounternehmen, die Musik weiterhin als ihr „Alleinstellungsmerkmal“ betrachten, zunehmend auf Zeit spielen.

„Die Geheimwaffe des Radios sind unsere Menschen“, betont Cridland. Genau darauf werde er auch in seiner Eröffnungs-Keynote bei den Radiodays Asia eingehen.

Streaming erreicht täglich mehr Menschen als Radio

Edison Research verweist zunächst auf die nach wie vor enorme Bedeutung von Musik: 87 Prozent der US-Amerikaner ab 13 Jahren hören täglich in irgendeiner Form Musik. Die Untersuchung „Share of Ear®“ von Edison Research und SSRS zeigt, über welche Plattformen die Menschen Musik hören und wie sich deren Reichweite im Laufe der Zeit verändert hat. Bei den ersten Erhebungen von „Share of Ear“ war das klassische Radio der mit Abstand wichtigste Weg, Musik zu hören. Diese Dominanz ist im Laufe der Jahre jedoch deutlich zurückgegangen.

Streaming Music Now Has Highest Daily Music Reach

2015 gaben noch 61 Prozent der US-Amerikaner ab 13 Jahren an, an ihrem jeweiligen Nutzungstag Musik über Radio oder Radio-Streams gehört zu haben. Damals kamen Streaming-Dienste wie Spotify oder andere Online-Musikangebote lediglich auf 27 Prozent. Das Radio lag damit bei der täglichen Musiknutzung noch deutlich vorne.

Inzwischen hat sich das Verhältnis gedreht. Im zweiten Quartal 2026 erreichten Musik-Streaming-Angebote täglich 46 Prozent der US-Amerikaner ab 13 Jahren. Das Radio kam auf 43 Prozent. Damit liegt Streaming erstmals bei der täglichen Reichweite für Musik vor dem klassischen Radio.

Für Werbekunden sieht das Bild allerdings anders aus

Für die Radiobranche ist allerdings eine weitere Zahl besonders interessant. Denn ein großer Teil der Musiknutzung über Streaming findet inzwischen über kostenpflichtige, werbefreie Angebote statt. Wer einen Streamingdienst im Abo nutzt, hört seine Musik häufig ohne Werbeunterbrechungen.

Betrachtet man deshalb ausschließlich die Reichweite werbefinanzierter Musikangebote, liegt das Radio weiterhin deutlich vorne.

Radio und Radio-Streams erreichen in dieser Betrachtung 43 Prozent der US-Amerikaner ab 13 Jahren. Werbefinanzierte Musikangebote der Streaming-Dienste kommen dagegen nur auf 19 Prozent. Das Radio erreicht bei werbefinanzierter Musik also mehr als doppelt so viele Menschen.

Für Werbekunden ist dieser Unterschied entscheidend: Zwar erreicht Musik-Streaming insgesamt inzwischen mehr Menschen als das Radio. Bei der tatsächlich werbefinanzierten Musiknutzung hat das Radio jedoch weiterhin einen erheblichen Reichweitenvorsprung.

Die „Share of Ear“-Studie betrachtet dabei nicht nur Radio und Streaming, sondern die gesamte Audiolandschaft. Erfasst wird die tägliche Nutzung der verschiedenen Plattformen und Angebote, über die Menschen Audio und Musik konsumieren.

Die Musik allein ist kein ausreichendes Argument mehr

Für James Cridland bleibt deshalb eine zentrale Erkenntnis: Wenn Radio seine Zukunft vor allem mit der Musik begründet, die es spielt, wird diese Position zunehmend schwieriger zu verteidigen. Denn dieselbe Musik ist heute auf zahlreichen anderen Plattformen jederzeit verfügbar – und Streaming erreicht inzwischen sogar mehr Menschen als das Radio.

Der entscheidende Wettbewerbsvorteil des Radios könnte deshalb an anderer Stelle liegen: bei den Menschen hinter dem Mikrofon. Moderatoren, Persönlichkeiten, Geschichten, lokale Inhalte und die unmittelbare Verbindung zum Publikum sind Eigenschaften, die sich nicht so einfach durch einen Streamingdienst ersetzen lassen.

Oder, wie Cridland es zusammenfasst: „Die Geheimwaffe des Radios sind seine Menschen“.

Medientage München 2026 - Tickets (Contentbanner)
Adbnlocker erklannt

Anzeigen sind manchmal lästig – wir wissen das...

Aber der Betrieb von RADIOSZENE wird ausschließlich durch Werbung finanziert. Nur so können wir die Plattform kostenlos anbieten und die laufenden Kosten decken. Deshalb möchten wir dich darum bitten, deinen Adblocker für diese Seite zu deaktivieren. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Ich habe meinen Adblocker jetzt deaktiviert