Radio Luxemburg: Besteigung der 215 m hohen Sendemasten in Junglinster

Schon vor gut einem Jahr hatte Radio Tele Luxemburg mitgeteilt, dass die drei Antennentürme in Junglinster abgerissen werden sollen. Nun teilte ein RTL-Sprecher dem Luxemburger Wort mit, dass dies konkret in diesem Herbst geschehen soll, wenn auch nicht vor Anfang Oktober, weil noch nicht alle Genehmigungen vorliegen. Mit Denkmalschutz ließ sich dies nicht verhindern: Die Anlage erhielt ihn nicht. Damit verschwindet nach knapp hundert Jahren eine Landmarke von Junglinster.

Durchfuxt, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Ehem. Sendemasten von Radio Luxemburg in Junlinster (Bild: Durchfuxt, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

330a902f9f1e4a87b1fb90a246b350c9Die drei 215 m hohen Stahlmasten stehen seit 1932. Einst war die Sendeanlage der stärkste Langwellensender Europas, der ab dem 15. März 1933 ein französisches Programm auf Langwelle abstrahlte. Die Antennen wurden in den 1950er- und 1980er-Jahren umgebaut und sind seit 2023 nicht mehr in Betrieb. Auf dem Gelände rund um die heutigen Sendemasten soll stattdessen ein Wohngebiet für mehr als 1000 Einwohner entstehen.

Geschichte von RTL in einer Stunde Aufstieg erzählt

Das heißt allerdings nicht, dass RTL seine Vergangenheit nicht zu schätzen weiß. Der Erhalt der nicht mehr genutzten Sendemasten ist lediglich zu aufwendig. Sehenswert ist dieser „PISA“-RTL-Fernsehbeitrag: Hier besteigt Moderator Olivier Catani die Türme und berichtet über deren Geschichte. Auch ein Sendetechniker erzählt von der Technik der Station seit ihren Anfängen.

RTL-Antennemast-Besteigung in Junglinster / Luxemburg (Bild: © PISA / RTL Today)
RTL-Antennemast-Besteigung in Junglinster / Luxemburg (Bild: © PISA / RTL Today)

Der Sender verfügte über eigene Dieselgeneratoren, weil das Luxemburger Stromnetz nicht zu jeder Tageszeit ausreichend leistungsfähig war. In der Mittagszeit, wenn gekocht wurde, mussten die Generatoren hochgefahren werden, um den Sendebetrieb zu sichern. Bei feuchtem Wetter konnte man die Sendungen sogar in den Telefonen der Umgebung hören.

Noch vor einigen Jahrzehnten war Radio Luxemburg einer der größten Sender des Kontinents und stand mit seinem damals avantgardistischen Programm und einer herausragenden Moderatorenriege in direkter Konkurrenz zur British Broadcasting Corporation (BBC). Doch wie kam es dazu?

Auch in Luxemburg begann alles im Dachgeschoss

Beeindruckt von der neuen Erfindung Radio installierten François und Marcel Anen im Herbst 1923 einen selbstgebauten Sender auf dem Dachboden ihres Hauses in der Rue Beaumont 28 in Luxemburg-Stadt. Innerhalb eines Jahres produzierten die Brüder regelmäßige Sendungen, in denen sie Nachrichten und Sportberichte in mehreren Sprachen kombinierten, darunter Luxemburgisch, Deutsch, Englisch und Französisch.

1928 gründeten die Brüder Anen offiziell die „Association Radio Luxembourg“, und über den Dächern der Rue Beaumont wurde eine selbstgebaute Sende- und Empfangsantenne installiert.

Die Sendeleistung war bereits 1926 auf 125 W erhöht worden; nach weiteren Verbesserungen stieg sie 1928 auf 250 W, nachdem die Association Radio Luxembourg vom luxemburgischen Staat einen Zuschuss erhalten hatte.

Doch das Ganze wurde den beiden Brüdern schließlich zu groß. In den 1930er-Jahren wurde die CLR (Compagnie Luxembourgeoise de Radiodiffusion) gegründet, die sich rasch zu einem europäischen Vorreiter des mehrsprachigen Rundfunks auf derselben Frequenz entwickelte.

Symphonieorchester und Rock ’n’ Roll

Am 15. März 1933 wurde von Junglinster aus die erste Sendung von Radio Luxembourg ausgestrahlt. Zunächst sendete man auf Französisch, später auch auf Deutsch und Englisch. Es dauerte allerdings noch 25 Jahre, bis auch Sendungen für das eigene Land, also auf Luxemburgisch, ausgestrahlt wurden.

Der enorme Erfolg von Radio Luxemburg in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Belgien schockierte die Konkurrenz, insbesondere die BBC. Dank seines leistungsstarken Senders konnte Radio Luxemburg in ganz Großbritannien empfangen werden und stellte damit das Monopol der BBC infrage. Im Gegensatz zu seinen konservativen Konkurrenten spielte Radio Luxemburg zudem Rock ’n’ Roll.

Die Werbeeinnahmen waren seinerzeit so hoch, dass Radio Luxemburg 1933 sogar das Radio-Luxemburg-Sinfonieorchester gründen konnte. Heute ist es als Orchestre Philharmonique du Luxembourg bekannt.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Rundfunkbetrieb zwischen 1939 und 1945 eingestellt. Der Sender wurde jedoch von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke genutzt. Die berühmten ersten Worte von Radio Luxembourg am 12. November 1945 lauteten: „Bonjour le Monde, ici Radio Luxembourg.“ Der Sender war wieder auf Sendung und baute seine Reichweite nun rasch aus. In Dudelange begann der Bau eines Fernsehsenders, und aus der CLR wurde die CLT (Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion).

Erfolg in England

Radio Luxembourg wurde bekannt für sein unterhaltsames Programm, seine witzigen Moderatoren und seine außergewöhnlichen Gäste – sogar die Beatles traten im Pariser Büro des Senders auf. Ab 1955 wurden dort erstmals auch private kommerzielle Fernsehsendungen produziert, und berühmte Musikstars drehten Musikvideos in den Studios von RTL.

Mit dem Aufkommen von ITV und Radio Caroline, dem britischen Piratensender vor der Küste, verlor Radio Luxembourg in England an Popularität. Am 30. Dezember 1991 stellte Radio Luxembourg den Sendebetrieb ein; anschließend verlagerte sich das Unternehmen auf ein nur bedingt hochwertiges Fernsehprogramm. RTL+, damals noch als RTL plus geschrieben, handelte sich in Deutschland statt der Abkürzung für Radio Tele Luxembourg die spöttische Deutung „Rammeln Töten Lallen“ ein. Diese „Programmtradition“ wird bis heute von RTL Zwei – inzwischen wieder ausgeschrieben – fortgeführt. Beim Radio versucht man derzeit erneut einen Relaunch, nun unter dem Namen RTL RADIO „Feel Good Music“.

Ende Gelände

Und wenn das alles so erfolgreich war, warum verschwinden dann die Sendemasten? Weil heute kaum noch jemand Langwelle hört, auch wenn sie für Notfälle durchaus nützlich wäre. Doch bevor die Masten gesprengt werden, können wir uns bequem im Sessel noch einmal den einstündigen Aufstieg von Moderator Olivier Catani auf die 215 m hohen Sendemasten ansehen.

Zumindest einer der 285 m hohen Sendemasten im Süden Luxemburgs, in Dudelange/Ginsterberg, bleibt bis auf Weiteres erhalten. Von dort werden Fernsehen (DVB-T2), DAB+ und UKW-Radio ausgestrahlt.

Der Beitrag zeigt, dass RTL seine Geschichte durchaus kennt und schätzt, auch wenn heute nur noch wenig davon geblieben ist.

Weiterführende Informationen

 

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