Mit Mut fällt Dein Spot aus dem Werbeblock

jan kus 61s3Z6AD33Y unsplash fb

Von Jürgen Noppel

Radio geht ins Ohr. Aber bleibt auch jeder Spot im Kopf? Technisch können Radiospots 2026 fast alles. Nur eines schaffen viele nicht mehr: aus dem Werbeblock zu fallen. Anfang der 90er Jahre ging es für mich zu Radio Untersberg.

Wir hatten einen eigenen Texter, eine eigene Produktion und die Freiheit, Ideen schnell umzusetzen. Damals musste eine Idee noch keine sieben Abstimmungsrunden, eine Emotionsanalyse und drei Rechtsabteilungen überstehen. Wir produzierten einfach. Manche Spots waren schräg, manchmal grenzwertig. Aber sie wurden gehört. Ich erinnere mich bis heute an Frey Lodenhosen aus den Westpark Studios: „Der Eunuch, der Hodenxlose, trägt vom Frey die Lodenhose.“

Würde dieser Satz heute noch gesendet werden? Vermutlich nicht. Aber welche ebenso starke Idee würde ihn ersetzen. Oder dem Schokocrossi. Es ging um ein Münchner Bräunungsstudio. Gesprochen wurde der Spot von der deutschen Synchronstimme von Eddie Murphy. Nach Sekunden hast Du die Figur im Kopf. Man sah förmlich, wie er weiß hineinging und knackig braun wieder herauskam. Die Stimme las keinen Text. Sie formte das Produkt.

Bevor der Eindruck entsteht, früher sei alles besser gewesen: Darum geht es mir nicht. Auch heute gibt es gute Ideen. Was aber häufig fehlt, ist der Mut, sie frech und unverwechselbar umzusetzen. Und wenn eine alte Idee aus guten Gründen heute nicht mehr funktioniert, dann muss eben eine neue her. Aber bitte eine, die genauso stark ist.

Auch heute gibt es Spots, die auffallen. Seitenbacher zum Beispiel. Der Spot nervt viele Menschen. Doch nach Sekunden weiß jeder, welche Marke spricht. Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass am Ende nicht nur der Spot hängen bleibt, sondern auch die Marke. Darin ist Seitenbacher verdammt konsequent. Viele Spots tun niemandem weh. An erstaunlich viele erinnert sich danach allerdings auch niemand. Dann wären da Edeka, Rewe und all die Händler, die im Radio vor allem eines kommunizieren: den Preis. Natürlich kann Radio gut verkaufen. Aber Zahlen bleiben beim Hörer nur schwer im Kopf.

Die Banane verkauft sich deshalb meiner Meinung nach besser als ihr Preis. Sie ist gelb, krumm und fällt schon der Natur aus der Reihe. Warum darf sie dann im Spot nicht auch eine eigene Haltung haben. Vielleicht ist Sie beleidigt, weil alle nur über ihren Preis reden. Vielleicht streitet sie sich mit dem Apfel oder hat Angst vor dem Mixer. Und irgendwo in dieser Geschichte darf natürlich auch der Preis vorkommen. Aber zuerst verkauft die Banane die Idee. Dann verkauft die Idee den Preis. Und am Ende hoffentlich auch den richtigen Supermarkt.

Also: „Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf“. Ein großartiger Satz! Nur muss der Spot dort eben auch etwas hinterlassen. Was braucht also für mich ein guter Radiospot? Eine Stimme, die das Produkt formt. Eine Geschichte, die ein Bild im Kopf erzeugt. Und den Mut, anders zu klingen als Werbung. Denn nur mit Mut fällt Dein Spot aus dem Werbeblock.


Jürgen Noppel
Jürgen Noppel

Jürgen Noppel ist Marketing- und Medienberater sowie Inhaber der Agentur NOPPEL4MEDIA. Der gelernte Mediaberater verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Hörfunk, Online-Marketing und Crossmedia. Zu seinen beruflichen Stationen zählen unter anderem Radio Alpenwelle sowie die Entwicklung digitaler Medienkonzepte und Vermarktungsstrategien. Darüber hinaus war er als Gastreferent an der Universität Passau und in der Aus- und Weiterbildung tätig.

 

Radio AI ContentVoiceCreator
Adbnlocker erklannt

Anzeigen sind manchmal lästig – wir wissen das...

Aber der Betrieb von RADIOSZENE wird ausschließlich durch Werbung finanziert. Nur so können wir die Plattform kostenlos anbieten und die laufenden Kosten decken. Deshalb möchten wir dich darum bitten, deinen Adblocker für diese Seite zu deaktivieren. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Ich habe meinen Adblocker jetzt deaktiviert