Europa: Jetzt sinkt auch die Radionutzung der Senioren

Europas Radionutzung verliert weiter an Boden – und erstmals bröckelt auch die lange stabile Hörerschaft der über 60-Jährigen. Das ist die zentrale Erkenntnis des neuen Berichts „Audience Trends Radio 2026“ der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Nachdem sich die Nutzung in den vergangenen Jahren teilweise stabilisiert hatte, setzt sich der Abwärtstrend 2025 sowohl bei der gesamten Bevölkerung als auch bei den jungen Zielgruppen wieder deutlicher fort.

Audience Trends Radio 2026 (Bild: © EBU)

Besonders hervor hebt die EBU, dass nun auch die bislang vergleichsweise stabile Altersgruppe der Senioren (60+) an täglicher Hörzeit verliert. Während die durchschnittliche Radionutzung der Gesamtbevölkerung bereits seit 2008 kontinuierlich sinkt, hatten ältere Hörer ihre Nutzungsdauer bis etwa 2020 weitgehend konstant gehalten. Diese Entwicklung ist nun beendet. Zwischen 2015 und 2025 ging die tägliche Hörzeit der Senioren um 16 Prozent zurück. Bei den 35- bis 59-Jährigen beträgt das Minus 23 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen 31 Prozent und bei den 15- bis 24-Jährigen sogar 34 Prozent. Seit Anfang der 2000er-Jahre hat sich die tägliche Radionutzung der Jugendlichen nahezu halbiert. Nach einer kurzen Phase der Stabilisierung setzt sich dieser Rückgang inzwischen wieder fort.

Die Radionutzung sinkt weiter kontinuierlich: Der Rückgang bei jungen Hörern setzt sich fort, und auch die bislang stabile Nutzung der Senioren bricht ein. (Bild: © EBU)
Die Radionutzung sinkt weiter kontinuierlich: Der Rückgang bei jungen Hörern setzt sich fort, und auch die bislang stabile Nutzung der Senioren bricht ein. (Bild: © EBU)

Im Jahr 2025 hörten Europäerinnen und Europäer im Durchschnitt noch 2 Stunden und 10 Minuten Radio pro Tag. Das sind vier Minuten weniger als im Vorjahr und 15 Minuten weniger als noch 2020. Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren kamen auf durchschnittlich 1 Stunde und 10 Minuten täglich – drei Minuten weniger als 2024 beziehungsweise 13 Minuten weniger als vor fünf Jahren.

Die Wochenreichweite des Radios bleibt in Europa mit 81,3 Prozent weiterhin hoch. Deutlich stärker als in der Gesamtbevölkerung sinkt jedoch die Reichweite bei den 15- bis 24-Jährigen. (Bild: © EBU)
Die Wochenreichweite des Radios bleibt in Europa mit 81,3 Prozent weiterhin hoch. Deutlich stärker als in der Gesamtbevölkerung sinkt jedoch die Reichweite bei den 15- bis 24-Jährigen. (Bild: © EBU)

Trotz rückläufiger Nutzungsdauer bleibt Radio ein Massenmedium. Die durchschnittliche Wochenreichweite lag 2025 in den untersuchten europäischen Märkten bei 81,3 Prozent der Bevölkerung. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang um 1,2 Prozentpunkte. Deutlich stärker fällt der Rückgang bei den jungen Hörern aus: Ihre Wochenreichweite sank innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozentpunkte auf 70,9 Prozent. Damit vergrößert sich der Abstand zwischen der Gesamtbevölkerung und den jungen Zielgruppen weiter.

Auch die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme verloren 2025 weiter an Reichweite. Ihre durchschnittliche Wochenreichweite sank auf 41,6 Prozent, der tägliche Marktanteil auf 36,4 Prozent – jeweils der niedrigste Wert im betrachteten Fünfjahreszeitraum. Bei den 15- bis 24-Jährigen stabilisierte sich der Marktanteil allerdings zuletzt leicht auf 23,8 Prozent, nachdem er in den Vorjahren deutlich zurückgegangen war. Ungeachtet der rückläufigen Entwicklung bleiben öffentlich-rechtliche Programme in vielen Ländern Marktführer: 47 Prozent der Hauptprogramme sind die jeweils meistgehörte Radiostation ihres Landes.

Ein Überblick über die Entwicklung der Radionutzung in Europa (Grafik: © EBU)
Ein Überblick über die Entwicklung der Radionutzung in Europa (Grafik: © EBU)

Für den Bericht wertete die EBU offizielle Radio-Audience-Measurement-Daten aus den Mitgliedsländern aus und verglich die Entwicklung der Radionutzung zwischen 2020 und 2025. Langfristige Zeitreihen zur Hörzeit reichen teilweise bis ins Jahr 2003 zurück.

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