Audioversum 2026: Neues aus den Hörwelten*

Audio ist und bleibt ein fest verankertes Alltagsmedium. Es begleitet durch den Tag – etwa mit dem Lieblingsradioprogramm, der Lieblingsmusikplaylist, dem Lieblingspodcast oder dem Lieblingshörbuch. Dabei eröffnet Audio über den Tag hinweg unterschiedliche Hörwelten, an die die Nutzerinnen und Nutzer je nach Situation verschiedene Anforderungen stellen. Zugleich zeigt sich, dass die Formen der Audionutzung immer vielfältiger werden: Inzwischen prägen inhaltliche Vielfalt, neue Endgeräte und flexible Nutzungsmöglichkeiten das Audiorepertoire. Die „Audioversum“-Studie der ARD MEDIA untersucht die Nutzung von Radio, Musik, Podcasts und Hörbüchern und ermöglicht damit einen umfassenden Blick auf den Audiomarkt sowie auf das Verhältnis der einzelnen Angebote zueinander.

Studie: Audioversum 2026
Studie: Audioversum 2026

Im Zentrum der Untersuchung steht die Abfrage der Audio-Nutzungsvorgänge im Tagesverlauf. Ergänzt werden die Nutzungsvorgänge um die genutzten Endgeräte. Zusätzliche Fragen zu Plattformen und Angeboten ermöglichen eine detaillierte Analyse der Werberelevanz. Die Studie zeigt insgesamt, dass die Hördauern im Audiomarkt stabil bleiben, während sich die genutzten Audioangebote und die technischen Nutzungsmöglichkeiten weiter ausdifferenzieren.

Quelle: Audioversum 2026

Audio hat einen hohen Stellenwert im Alltag. Diese Bedeutung spiegelt sich in der Hördauer wider, die aus dem abgefragten Tagesverlauf abgeleitet wird. Die Befragten hören im Durchschnitt dreieinhalb Stunden beziehungsweise 216 Minuten pro Tag Audios. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung bleibt die durchschnittliche tägliche Hördauer damit konstant. Betrachtet man die unterschiedlichen Audioformen Radio, Musik, Podcasts und Hörbücher, entfallen von den täglich 216 mit Audioinhalten verbrachten Minuten 63 Prozent auf Radio; das entspricht 136 Minuten. Damit macht Radio mit mehr als zwei Stunden täglich weiterhin den größten Anteil der täglichen Audionutzung aus. Mit deutlichem Abstand folgt die Musiknutzung mit 60 Minuten pro Tag. Podcasts (12 Minuten) und Hörbücher (8 Minuten) werden in deutlich geringerem Umfang genutzt.

Während sich die gesamte Audionutzung zwischen den Altersgruppen vergleichsweise wenig unterscheidet -sie reicht von 227 Minuten täglich bei den 50- bis 69-Jährigen bis zu 189 Minuten täglich bei den über 70-Jährigen -, zeigen sich bei den genutzten Audioformen deutliche Unterschiede. Bei den Altersgruppen ab 30 Jahren entfällt der größte Teil der Audionutzung auf Radio; dieser Anteil steigt zudem in den Altersgruppen ab 30 Jahren kontinuierlich an, während die Anteile von Musik, Podcasts und Hörbüchern mit zunehmendem Alter zurückgehen. Anders stellt sich die Nutzung bei den 14- bis 29-Jährigen dar: In dieser Altersgruppe entfällt der größte Teil der Audionutzung auf Musikangebote. Radio bleibt jedoch auch hier relevant: Knapp ein Viertel der Nutzung (52 Minuten) entfällt täglich auf Radio. Damit ist Radio bei den 14- bis 29-Jährigen die am zweithäufigsten genutzte Audioform.

Quelle: Audioversum 2026

Die Verteilung der einzelnen Audioformen innerhalb der gesamten Audionutzung verdeutlicht, dass Radio trotz der Präsenz neuerer und stärker personalisierter Audioangebote wie Musikstreaming oder Podcasts weiterhin die meistgenutzte Audioform bleibt. Diese Angebote erweitern das Spektrum der Audionutzung, verschieben den Schwerpunkt der Gesamtnutzung bislang jedoch nur schrittweise. Zugleich ist Radio selbst Bestandteil neuer Nutzungsformen, etwa bei der Nutzung über Internetstreams oder über Smartphones.

Auch die Reichweite zeigt, wie fest Audio im Alltag verankert ist. Nahezu alle Befragten (99 %) nutzen zumindest gelegentlich eines der abgefragten Audioangebote. Auch in der Tagesbetrachtung erreicht Audio einen großen Teil (86 %) der Bevölkerung. Damit zeichnet sich Audio nicht nur durch eine hohe Nutzungsdauer aus, sondern auch durch eine breite Verankerung in der Bevölkerung.

Digitalisierung der Audionutzung

Die Digitalisierung schreitet auch im Audiomarkt weiter voran. Dabei zeigt sich insbesondere bei der Radionutzung, dass neue Technologien etablierte Nutzungsweisen bislang nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in der aktuellen Studie wider: Audio wird zunehmend internetbasiert genutzt, und das Smartphone gewinnt als Audiogerät weiter an Bedeutung. In der Studienreihe „Audioversum“ wird zwischen dem Verbreitungsweg Internet und allen anderen Verbreitungswegen unterschieden. Zum Verbreitungsweg Internet zählen alle Nutzungsvorgänge, die über einen Stream oder einen direkten Download aus dem Internet erfolgen. Unter den übrigen Verbreitungswegen werden Nutzungsvorgänge zusammengefasst, die über UKW, DAB+ oder auch Tonträger stattfinden.

In der aktuellen Studie macht der Verbreitungsweg Internet erstmalig mehr als die Hälfte der gesamten Audionutzung aus. Von den täglich gehörten 216 Audiominuten entfallen 114 Minuten (53 %) auf den Verbreitungsweg Internet, während 102 Minuten (47 %) auf die übrigen Verbreitungswege entfallen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Audioformen: Musik, Podcasts und Hörbücher werden überwiegend über das Internet genutzt. So findet die Musiknutzung zu 93 Prozent über den Verbreitungsweg Internet statt und nur ein geringer Anteil entfällt auf Tonträger. Radio hingegen wird weiterhin überwiegend (71 %) über klassische Verbreitungswege wie UKW oder DAB+ gehört. Gleichwohl erfolgen inzwischen bereits 29 Prozent der Radionutzung über das Internet.

Quelle: Audioversum 2026

Eng mit dem Verbreitungsweg verbunden ist auch das Endgerät, über das Audionutzung erfolgt. Grundsätzlich zeigt die Studie, dass die Ausstattung der Haushalte mit internetfähigen Endgeräten weiter zunimmt. Insbesondere Smartphones (94 %) und PCs beziehungsweise Notebooks (91 %) sind in mehr als neun von zehn Haushalten vorhanden. Aber auch Autoradios (83 %) und klassische Radiogeräte (68 %) bleiben in vielen Haushalten verfügbar. Die Ausstattung mit Smartspeakern steigt im Vergleich zur letzten Erhebung ebenfalls um rund 6 Prozentpunkte auf 29 Prozent. 

Betrachtet man die täglich für Audio aufgewendeten Minuten nach Gerät, zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Das klassische Radiogerät erzielt mit 70 Minuten weiterhin die längste tägliche Audionutzungsdauer. Das Smartphone wird im Durchschnitt 54 Minuten pro Tag für Audios genutzt, das Autoradio 38 Minuten. Damit entfällt ein großer Teil der Audionutzung weiterhin auf das klassische Radiogerät. Gleichzeitig zeigt der Vergleich zur letzten Erhebung, dass die Audionutzung über klassische Radiogeräte um 17 Minuten zurückgeht, während das Smartphone weiter an Bedeutung gewinnt (+ 15 Minuten).

Quelle: Audioversum 2026

Hohe Relevanz von Radio im Markt werberelevanter Audioinhalte

Von den in der Studie erhobenen durchschnittlich 216 Minuten täglicher Audionutzung sind 63 Prozent werberelevant; dies entspricht 135 Minuten. Demgegenüber stehen 80 Minuten (37 %) werbefreie Nutzung. Die werbefreie Audionutzung setzt sich vor allem aus der werbefreien Musiknutzung (43 Minuten) und werbefreier Radionutzung (27 Minuten) zusammen. Der Hörbuchmarkt ist stark von kostenpflichtigen Abo- und Kaufmodellen geprägt, sodass die gesamte Hörbuchnutzung (8 Minuten) dem werbefreien Bereich zugeordnet ist. Podcastnutzung erfolgt anteilig zur gesamten Podcastnutzung zu etwa 21 Prozent (3 Minuten) werbefrei. 

Ein Blick auf die werblich belegbare Audionutzung zeigt die hohe Relevanz von Radio im Werbemarkt. Von den 135 Minuten werberelevanter Audionutzung entfällt mit 109 Minuten der größte Anteil auf Radio. Weitere 16 Minuten entfallen auf Musikstreaming, 10 Minuten auf Podcasts.

Quelle: Audioversum 2026

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die reine Nutzung von Audioinhalten nicht mit der werblichen Erreichbarkeit von Zielgruppen über Audio gleichzusetzen ist. Dies gilt insbesondere für die unter 30-Jährigen: Ihre Audionutzung erfolgt zunehmend online, ist aber nicht automatisch werblich belegbar. Besonders deutlich wird dies bei der Betrachtung der werberelevanten Anteile der Audionutzung nach Altersgruppen. Von den 224 Audiominuten, die 14- bis 29-Jährige täglich nutzen, sind nur 40 Prozent beziehungsweise 89 Minuten werberelevant. Bei den 30- bis 49-Jährigen und den über 70-Jährigen liegt der Anteil werberelevanter Nutzung jeweils bei 64 Prozent, bei den 50- bis 69-Jährigen sogar bei 74 Prozent der gesamten Audionutzung.

Die 14- bis 29-Jährigen sind damit die Altersgruppe mit dem geringsten Anteil werberelevanter Audionutzung. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den hohen Anteil der Musiknutzung in dieser Altersgruppe, die vorwiegend über Musikstreaming und damit verbundene kostenpflichtige, aber werbefreie Abonnements genutzt wird. Die jüngste Altersgruppe ist somit zwar sehr audioaffin, in Teilen ihrer Audionutzung jedoch nicht werblich über den meistgenutzten Kanal erreichbar.

Quelle: Audioversum 2026

*) gefunden in Media Perspektiven 17/2026

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