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Kanada: 6 News- und Sportradios wurden abrupt die Stecker gezogen

Auf dem amerikanischen Kontinent sind die Mittelwellen-Rundfunkfrequenzen durchaus noch belebt und werden auch gehört, wenn auch kaum noch für Musik, sondern vor allem für Wortprogramme – insbesondere Talk- und Sportradio. Das Langwellenband ist auf dem amerikanischen Kontinent dagegen nicht dem Rundfunk zugeteilt. Doch auch auf Mittelwelle werden immer mehr Sender aufgrund der Stromkosten und der zurückgehenden Hörerzahlen abgeschaltet.7693eae407704505af255db0782407fc

Breaking News bei CBC (Bild: Screenshot)
Breaking News bei CBC (Bild: Screenshot)

Aktuell geschah dies besonders rabiat in Kanada. Rogers Media, das größte Medienunternehmen Kanadas, hat zwei große Nachrichten- und Sportsender in Calgary geschlossen und dabei nicht nur die AM-Sender auf 660 und 960 kHz abrupt abgeschaltet, sondern auch 230 Mitarbeiter in ganz Kanada ohne Vorwarnung entlassen.

Weitere Abschaltungen des Programms betreffen Vancouver, Halifax und Kitchener. Die Sendungen beider Sender in Calgary wurden am Dienstag mitten im laufenden Programm unterbrochen. Später hörten die Hörer zwischen längeren unmodulierten Passagen eine aufgezeichnete Durchsage, in der die Schließung angekündigt wurde. Am Nachmittag hatten beide Sender den Sendebetrieb bereits komplett eingestellt.

Rogers Sports & MediaEs geht insgesamt um die Sender Sportsnet 650 (CISL), News Radio 1130 (CKWX) in Vancouver, News Radio 660 (CFFR), Sportsnet 960 (CFAC) in Calgary, News Radio 95.7 (CJNI-FM) in Halifax und News Radio 570 (CKGL) in Kitchener.

Die AM-Sender kosteten bei einer Sendeleistung von 50 kW allein für den Strom etwa 1.000 US-Dollar pro Tag, waren jedoch mit einem Anteil von 18,6 Prozent an den Hörstunden bei Männern im Alter von 18 bis 34 Jahren sehr beliebt. Dies sagt allerdings nichts über die generellen Radiohörstunden in dieser Altersgruppe aus. DAB+ gibt es in Kanada nicht, doch auch das Internet war offensichtlich keine Alternative: Die Rentabilität des Radios ist in Kanada in den vergangenen neun Jahren um 90 Prozent gesunken und liegt nun nur noch bei zwei Prozent (vgl. Grafik von Steve Jones, Präsident von Stingray Radio, via LinkedIn).

Private radio profits are down 90 % in Canada (Grafik: Steve Jones via LinkedIn))

In Calgary ist das AM-Band nun weitgehend verstummt, denn auch dort wurden keine Musikprogramme mehr auf AM betrieben – bereits 2001 hatte man auf ein Sport-Wortprogramm umgestellt. Rogers Media erklärt, Podcasts seien schuld am sinkenden Ertrag der Stationen, obwohl Sportsender gerade von Live-Übertragungen leben – kaum etwas wäre so uninteressant wie ein Podcast eines Spiels vom Vortag. Reguläres Talkradio könnte tatsächlich in Podcasts abwandern, für Magazin- und Musikprogramme ist dies dagegen zumindest in Deutschland schon aufgrund der GEMA-Richtlinien nicht zu erwarten.

CBC-Video: „Rogers cuts hundreds of jobs, closes radio stations across Canada“

Hier klicken, um den Inhalt von www.cbc.ca anzuzeigen.

 

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