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Programmreform: Deutschlandfunk setzt auf Tiefe statt Tempo

Der Deutschlandfunk erneuert sein Sendeschema. Ab 30. November prägen neue Hintergrund-Sendungen das Programm, die Informationsstrecken am Morgen, Mittag und Abend öffnen sich für eigene Recherchen aus den Fachredaktionen, der Dialog mit dem Publikum bekommt einen noch größeren Stellenwert und setzt auf neue Beteiligungsformen.

Deutschlandfunk (Dlf) Windschutz (Bild: © Deutschlandradio / David Kohlruss)
Deutschlandfunk (Dlf) Windschutz (Bild: © Deutschlandradio / David Kohlruss)

Digitale und lineare Angebote werden künftig immer zusammen entwickelt und verbreitet. Die Sendezeiten der reichweitenstarken Informationssendungen orientieren sich künftig stärker an der veränderten Mediennutzung. Die Reform setzt darauf, das besondere Profil des Deutschlandfunks zu stärken: Fachjournalistische und künstlerische Qualität, inhaltliche Tiefe, Analyse und Einordnung.

Programmschwerpunkte

Das neue Programmschema des Deutschlandfunks setzt klare Schwerpunkte. Zur vollen Stunde bietet das Programm mit zehnminütigen Nachrichten mehr Raum für Themenvielfalt und ist damit das umfangreichste Nachrichtenangebot im deutschsprachigen Radiomarkt. Die Informationsendungen am Morgen starten künftig ab 6.00 Uhr und werden bis 10.00 Uhr verlängert. Die Informationen am Abend sind künftig bereits ab 17.00 Uhr zu hören, dann wenn viele Menschen sich unterwegs informieren möchten. Die reichweitenstarken Informationssendungen am Morgen, Mittag und Abend werden dabei zum Schaufenster für die journalistischen Recherchen des Senders. Die „Informationen am Morgen“ setzen weiterhin auf ausführliche, kritische Interviews zum aktuellen Geschehen. Daneben wird mehr Platz sein für fachredaktionelle Beiträge aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Religion, Medien oder der Literatur.

Mehr Hintergrund

Ein Ziel der Reform ist der Ausbau der Hintergrundberichterstattung. Dreimal am Tag wird es künftig halbstündige Sendungen geben, die ein Thema oder eine Fragestellung in den Mittelpunkt stellen. Hier sollen die Fachredaktionen des Deutschlandfunks Raum für Vertiefung haben und verschiedene Perspektiven zu einem ausgesuchten Thema aufzeigen. Die Zahl der Hintergrund-Formate wird dabei verdreifacht.

Dialog

Neu hinzu kommt das werktägliche Sendeformat „Im Dialog“ am Vormittag ab 10.00 Uhr. Hier wird mit der Expertise der Deutschlandfunk-Fachredaktionen und im unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum ein Tagesthema erörtert. Das Spektrum umfasst sämtliche Themen aus den Fachredaktionen von Politik über Umwelt, Wirtschaft, Klima bis hin zu Sport, Medien, Kultur und Religion – und damit weit mehr als die bisherigen Call-In-Sendungen am Vormittag. Verantwortlich für die Themensetzung und den Inhalt des Formats sind die Fachredaktionen, die die Sendungen vorbereiten und mit ihren Fachjournalistinnen und Experten im Studio dabei sind. Am Nachmittag wird das Fachthema der Vormittagssendung in der neuen Sendung „Im Dialog kompakt“ noch einmal aufgegriffen, indem unter anderem Reaktionen auf den Vormittag mit eingebaut werden.

Ziele der Programmreform

Mit der Reform setzt der Deutschlandfunk auch die Vorgaben des Reformstaatsvertrags der Länder um. Dort werden unter anderem die Bedeutung des Austauschs mit dem Publikum und die Ansprache auch jüngerer Zielgruppen hervorgehoben. Das neue Sendeschema berücksichtigt auch eine zunehmend veränderte Mediennutzung durch zeitsouveränes Hören sowie das messbare Interesse an Podcasts. Besonders beliebte Podcasts wie „Der Tag“ und der „Politikpodcast“ sind künftig auch im linearen Programm zu hören. Die neue Programmstruktur soll Entlastung für die Redaktionen und mehr Freiraum für Recherchen schaffen. Die Programm-Mittel bleiben vollständig erhalten.

Über die geplante Reform informierten am 2. Juli 2026 im Rahmen eines Pressegesprächs unter anderem Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue, die Programmdirektorin der Deutschlandfunk-Programme Jona Teichmann, die Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Susanne Schwarzbach, sowie Matthias Gierth, Hauptabteilungsleiter Kultur Deutschlandfunk.

Jona Teichmann Deutschlandradio März 2022 (Bild: © Deutschlandradio / Jann Höfer)Programmdirektorin Jona Teichmann: „Der Deutschlandfunk bleibt, was er ist: Journalistisches Leitmedium mit Tiefe, Analyse und Einordnung. Ein Angebot zum gemeinsamen Nachdenken, das überrascht und einlädt zum Weiterhören. Mit der Reform stellen wir sicher, dass wir diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden können.“

Matthias Gierth, Hauptabteilungsleiter Kultur Deutschlandfunk: „In den letzten Monaten hat ein großes Team aus allen Redaktionen diese Reform vorbereitet. Es wurden Ideen gesammelt, verworfen, weiterentwickelt – ein Prozess, der viel abverlangt, der aber für den Deutschlandfunk so wichtig wie unumgänglich ist. Auch wenn die Hörerzahlen für den Deutschlandfunk seit Jahren sehr gut sind, können wir nicht die Augen vor der Realität verschließen: Viele unserer Hörerinnen und Hörer sind älter, wir müssen auch für die nachfolgenden Generationen ein qualitativ hochwertiges, attraktives Programm machen. Und zu wichtigen Tageszeiten bleibt der Deutschlandfunk weit unter seinen Möglichkeiten, auch das zeigen die MA-Zahlen. Auch hier wollen wir künftig besser werden.“

Quelle: Deutschlandfunk

Weiterführende Informationen


Update vom 10.07.2026

DJV zur DLF-Reform: Orientierung statt Reichweite um jeden Preis

DJV logo smallZusammen mit mehreren anderen Organisationen aus Zivilgesellschaft, Journalismus, Wissenschaft, Verbraucher-, Klima- und Umweltschutz fordert der Deutsche Journalisten-Verband Änderungen an der geplanten Programmreform beim Deutschlandfunk.

In einem Offenen Brief an DLF-Intendant Stefan Raue und Programmdirektorin Jona Teichmann äußern die Verbände ihre Sorge, „dass Themenvielfalt, Fachlichkeit und publizistische Tiefe an Raum verlieren“.

Es bestehe die Gefahr, „dass für die vertiefte journalistische Einordnung künftig weniger Raum bleibt und komplexe Zusammenhänge hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten“ und „dass etablierte Fachkompetenz und redaktionelle Kontinuität an Bedeutung verlieren und dadurch die Qualität der Berichterstattung leidet“.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe einen besonderen Auftrag: „Er soll nicht nur Reichweite erzeugen, sondern Orientierung geben, unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven und Zielkonflikte sichtbar machen und den demokratischen Diskurs stärken.“

In dem Offenen Brief appellieren die Organisationen deshalb an den Intendanten, „die Reform so auszugestalten, dass die besondere Stärke des Deutschlandfunks erhalten bleibt: fachliche Expertise, Themenvielfalt, vertiefende Recherche und Raum für Themen jenseits des unmittelbaren Nachrichtenzyklus“. Dazu gehöre auch, die Expertise der Umweltjournalistinnen und -journalisten einzubeziehen und ihre Arbeit langfristig abzusichern.

Der Offene Brief an den Deutschlandfunk ist auf der DJV-Homepage
nachzulesen.

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