Der größte US-Radiokonzern iHeartMedia setzt seinen umfassenden Stellenabbau fort. Betroffen sind nach übereinstimmenden Berichten zahlreiche Moderatoren und Programmverantwortliche an Sendern im gesamten Land – darunter viele Radiomacher mit jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit.
Entlassungen bei iHeartMedia treffen erfahrene Moderatoren und Programmchefs
Nach Informationen von RADIOWORLD reicht die aktuelle Entlassungswelle von großen Radiomärkten wie Denver, Houston, Miami und St. Louis bis hin zu zahlreichen mittelgroßen und kleineren Standorten. Zu den Betroffenen zählen unter anderem Moderatoren und Programmchefs mit 20 bis über 40 Jahren Erfahrung bei ihren jeweiligen Sendern.
Der US-Branchenbeobachter Lance Venta von RadioInsight bezeichnet das Ausmaß der Einschnitte als historisch. Seiner Einschätzung nach werde diese Entlassungswelle „als die schlimmste Entlassungsrunde in der Geschichte des Radios in die Annalen eingehen“. Sie dürfte sogar die einschneidenden Sparmaßnahmen der Jahre 2009 und 2020 übertreffen.
Venta sieht zudem Anzeichen für einen grundlegenden Strategiewechsel im Unternehmen. iHeartMedia scheine „bei vielen seiner Sender verstärkt auf zentral produzierte Inhalte setzen zu wollen“, erklärte er. Dies deute auf eine stärkere Zentralisierung des Programms hin.
Vor allem in kleineren Märkten verschwinden nach und nach lokale Moderatoren, deren Sendungen durch syndizierte Programme oder Voicetracking aus größeren Radiomärkten ersetzt werden. Zudem werden Musikprogramme zunehmend zentral erstellt, anstatt sie von lokalen Musikredaktionen zusammenzustellen.

Auslöser der Maßnahmen ist offenbar eine umfassende Umstrukturierung des Unternehmens. In einem internen Schreiben, über das mehrere US-Medien berichten, erklären Multiplatform-Group-Chefin Ann Marie Licata und Programmdirektor Tom Poleman, iHeartMedia halte an seinem Versprechen fest, auf menschliche Moderatoren und Persönlichkeiten zu setzen, und wolle zugleich neue Möglichkeiten für seine bekanntesten Talente schaffen.
Gleichzeitig räumen sie ein: „Während wir neue Aufgaben schaffen, um unsere künftigen Anforderungen zu erfüllen, müssen wir leider auch anerkennen, dass einige Kolleginnen und Kollegen sowie bestehende Stellen von diesen Veränderungen betroffen sein werden.“
Bereits im Mai hatte iHeartMedia angekündigt, durch Technologie und den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz zusätzliche 50 Millionen US-Dollar pro Jahr einsparen zu wollen. Hinzu kommen bereits zuvor angekündigte Einsparungen von 100 Millionen US-Dollar, von denen rund 28 Millionen US-Dollar ausdrücklich durch Personalabbau erzielt werden sollen.
Obwohl der Konzern seinen Umsatz im ersten Quartal um 9,6 Prozent auf 884 Millionen US-Dollar steigern und den Nettoverlust reduzieren konnte, belastet weiterhin ein Schuldenberg von rund fünf Milliarden US-Dollar das Unternehmen. Allein die Zinszahlungen werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 440 Millionen US-Dollar betragen.
Als Hintergrund für den verschärften Sparkurs gilt neben der hohen Verschuldung des Unternehmens auch die schwierige Entwicklung des US-Werbemarktes. Nach Einschätzung des niederländischen Branchenmagazins RadioWereld.NL könnten dabei zunehmend auch KI-gestützte Mediaplanungssysteme eine Rolle spielen.
Immer mehr Mediaagenturen setzen Künstliche Intelligenz ein, um Werbebudgets automatisch auf verschiedene Mediengattungen zu verteilen. Da diese Systeme überwiegend mit im Internet verfügbaren Kampagnendaten trainiert werden, seien Radio- und TV-Werbewirkungsdaten häufig unterrepräsentiert. Dies könne dazu führen, dass Audiomedien bei der automatisierten Budgetverteilung schlechter bewertet werden.
RadioWereld.NL verweist darauf, dass die Werbeerlöse in einzelnen US-Radiomärkten bereits Anfang 2025 um bis zu 35 Prozent zurückgegangen seien, obwohl die Hörerzahlen weitgehend stabil geblieben seien. Die sinkenden Einnahmen gelten als einer der Gründe für die angekündigten Einsparungen von insgesamt 150 Millionen US-Dollar.
Parallel zu den Personalkürzungen setzt iHeartMedia offenbar verstärkt auf eine Zentralisierung seiner Programme.
iHeartMedia betreibt rund 860 UKW- und Mittelwellensender in den USA und ist damit der größte private Radiobetreiber des Landes.



