Der Hörfunkrat von Deutschlandradio macht Druck bei der geplanten Reform des Deutschlandfunks: Für die im Herbst erwarteten Programmänderungen fordert das Gremium erstmals klar definierte und messbare Qualitätskriterien.
In seiner Sitzung am 18. Juni 2026 in Köln unterstützte der Hörfunkrat zwar grundsätzlich die strategische Neuausrichtung – insbesondere die stärkere Verzahnung von linearem Programm und digitalen Angeboten sowie den Ausbau dialogorientierter Formate. Gleichzeitig machte die Vorsitzende Katrin Hatzinger deutlich, dass die Reform nur dann akzeptabel sei, wenn ihre Wirkung transparent überprüfbar werde.
Im Zentrum steht dabei die Sicherung der publizistischen Qualität. Der Deutschlandfunk müsse seine „einzigartige DNA“ bewahren, insbesondere in den Bereichen Tiefe, Fachlichkeit und Vielfalt. Gerade die Verbindung von Aktualität und Hintergrund gilt weiterhin als zentrales Alleinstellungsmerkmal.
Für die Radiopraxis relevant ist vor allem der geplante Steuerungsansatz: Programmveränderungen sollen künftig stärker anhand definierter Kriterien evaluiert werden. Parallel dazu wird bereits die Angebotskontrolle ausgebaut – zunächst am Beispiel ausgewählter Kulturformate von Deutschlandfunk Kultur, die extern überprüft werden sollen.
Auch technologisch stellt sich Deutschlandradio neu auf. Der Hörfunkrat sieht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf einem „guten Weg“, betont aber klare Anforderungen: KI müsse transparent gekennzeichnet sein und den journalistischen Standards entsprechen.
Weitere Themen der Sitzung:
- Die Reichweitenentwicklung bleibt stabil positiv, rund drei Millionen Menschen nutzen täglich die Deutschlandradio-Programme. Im Podcast-Bereich zeigen einzelne Formate hohe Abrufzahlen, was die Bedeutung non-linearer Angebote unterstreicht.
- Zudem baut Deutschlandradio seine Aktivitäten in der Medienkompetenz aus – ein Auftrag, der seit dem Reformstaatsvertrag Ende 2025 fest verankert ist.
- Strukturell stellt sich das Haus ebenfalls neu auf: Mit der Einführung eines Direktoriums wird die Führungsebene erweitert. Die Wahl einer neuen Intendantin oder eines neuen Intendanten ist für den 3. Dezember 2026 angesetzt.












