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Das sind die Hörerzahlen ohne die Kyle & Jackie O-Morningshow

Letzte Woche wurden neue australische Hörerzahlen veröffentlicht. Es ist die erste Erhebung, die keine Werte von der Morningshow mit Kyle & Jackie O bei KIIS mehr enthält – entsprechend spannend ist die Lektüre.

KIIS 106.5 SydneyIn Sydney ist, wie zu erwarten, die Frühsendung von KIIS regelrecht abgestürzt: von einer durchschnittlichen Viertelstundenreichweite (AQH) von 91.000 (Welle 3/2025) auf nur noch 62.000 (Welle 3/2026). Das hat auf LinkedIn zahlreiche selbstsichere Schreibtisch-DJs dazu veranlasst, zu behaupten, die Leute hätten einfach das Radio ausgeschaltet. Das stimmt allerdings nicht.

Hier sind alle Viertelstundenreichweiten (Quelle: GfK/CRA):

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Unten habe ich alle Werte zusammengerechnet. (Das GfK-Tagebuch, das ich mir vor ein paar Wochen angeschaut habe, weist die Befragten ausdrücklich an, „innerhalb von 15 Minuten jeweils nur einen Sender als gehört zu notieren“, und die Schwelle liegt ohnehin bei 8 Minuten – ich halte das also für statistisch belastbar.) Man sieht: Das gesamte Sydney-Frühstücksradio-Publikum ist im Jahresvergleich um 3 % gestiegen. Mehr Menschen hören Radio, nicht weniger.

Nebenbei: Die Gesamt-Viertelstundenreichweite sollte ohnehin im Jahresvergleich steigen, denn Sydneys Bevölkerung wächst um etwa 1,2 % pro Jahr. Hier haben wir aber einen Anstieg, der doppelt so hoch ausfällt.

Tatsächlich entspricht die Gesamt-Viertelstundenreichweite für Sydneys Frühsendung, 652.000, exakt dem Wert aus Welle 1/2026 – also der Zeit, als Kyle Sandilands noch sein besonders infantiles, erbärmlich-dürftiges Geschwafel verbreitete. Interessant ist allerdings, dass das Publikum von KIIS keine offensichtliche neue Heimat gefunden hat – es hat sich vielmehr auf die übrigen kommerziellen Musiksender verteilt. Im Vergleich Welle 1 zu Welle 3 legte Triple M von 39.000 auf 48.000 zu, GOLD stieg von 47.000 auf 55.000, Smooth von 78.000 auf 86.000 und NOVA von 65.000 auf 72.000. Ausgerechnet der Sender, dem man am ehesten Zugewinne zugetraut hätte, 2DAY, hat sogar Publikum verloren.

Ich muss gestehen, dass ich die Viertelstundenreichweite (AQH) bisher nie wirklich genutzt habe (in den britischen Daten taucht diese Kennzahl gar nicht auf). Dabei ist sie recht nützlich – denn anders als der Marktanteil liefert sie eine absolute Zahl. Und sie steht außerdem in direktem Zusammenhang mit der Hördauer. Ich ärgere mich schon ein bisschen, diese Werte bisher ignoriert zu haben.

Ein weiterer interessanter Vergleich zwischen Welle 1 und Welle 3 kommt aus Melbourne: Der Abgang von Kyle & Jackie O hatte – etwas überraschend – überhaupt keine Auswirkung auf die Hörerzahlen. Welle 1/2026, also K&Js letzte vollständige Erhebung, kam auf eine Viertelstundenreichweite von 37.000; in Welle 3/2026 ist der Wert exakt derselbe.

In Perth hat der Wechsel von AM auf FM bei ABC Radio Perth dem Sender einen Marktanteilszuwachs gebracht (in Welle 3 von 6,3 auf 7,1 im Jahresvergleich). Das ist ermutigend – wenn auch nicht der große Sprung, auf den man wohl gehofft hatte.


Update vom 20. Juni

Kyle Sandilands: Was als Nächstes kommt

Die eine Hälfte des Kyle & Jackie O-Duos, Kyle Sandilands, hat sich mit seinem früheren Arbeitgeber ARN auf einen Vergleich geeinigt – und sein neues Medienprojekt angekündigt.

Kyle hatte ursprünglich 85 Millionen Dollar gefordert, erhält nun aber 12 Millionen – was immer noch keine Kleinigkeit ist. Drei Millionen fließen bereits nächsten Monat, danach folgen monatliche Zahlungen von 275.000 Dollar bis Juni 2029. Bis März 2027 darf er nicht für andere Radiosender tätig werden – wobei diese ihn ohnehin kaum haben wollen dürften. „Mr. Sandilands und seine verbundenen Unternehmen werden ARN künftig in keiner Funktion mehr Dienstleistungen erbringen“, stellt die Börsenmitteilung klar – wohl als Beruhigungssignal für Marken, die jede Verbindung zum Schockmoderatorvermeiden wollen, oder als Friedensangebot an MFW.

Online darf Sandilands hingegen aktiv werden – im Text als „unabhängige Medienprojekte“ bezeichnet. In einem exklusiven Interview im Podcast Game Changers Radio (absolut hörenswert, nebenbei gesagt) hat er angekündigt, werktäglich zwischen 6 und 10 Uhr morgens eine kostenpflichtige Online-Show zu produzieren – in Audio und Video. Und mehr noch: ARN wird die Show mit einem Marketingbudget von 1,5 Millionen Dollar bewerben und dafür 19,9 Prozent der Einnahmen erhalten – nach Überschreiten eines anfänglichen Schwellenwerts.

Für ARN ist das ein erstaunlich guter Deal – finanziell tragbar, aber mit erheblichem kommerziellem Aufwärtspotenzial.

Sandilands ist damit vorerst aus dem UKW-Radio verbannt und wird stattdessen live online senden. Ich will mich ja nicht als Radio-Futurologe bezeichnen, aber genau diese Idee habe ich bereits im Oktober letzten Jahres vorgeschlagen – und wurde damals von Kommentatoren und Podcastern allerorten abgetan. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird sein Abodienst tatsächlich funktionieren?

Die Radiobranche ist voll von Moderatoren, die den kommerziellen Funk verließen und – von der eigenen Bedeutung überzeugt – einen Abodienst starteten. Hier nur ein Beispiel aus dem Jahr 2005. Das ist ein schwieriges Terrain – nicht zuletzt wegen der Musikrechte, die laut Sandilands Teil der Show sein sollen. Howard Stern schaffte den Sprung vom UKW-Radio zum Satellitenradio; aber er war ein Sender unter 150.

Sandilands gibt an, 50.000 zahlende Abonnenten zu benötigen, um die Kosten zu decken. Den geplanten Abopreis kennen wir nicht – bei 4,99 Dollar wären das (in australischen Dollar) rund 250.000 Dollar. Die Show soll zudem werbefrei sein, was allerdings Sponsoring oder andere Markenaktivitäten nicht ausschließt.

Zusammengerechnet hatten KIIS in Sydney und Melbourne jeweils 1,1 Millionen Hörer pro Woche zur Frühstückszeit. Kyles Show bei KIIS kam online auf 96.000 Hörer wöchentlich. Würde die Hälfte davon für Kyles neues Angebot zahlen? Würden auch einige der 291.000 Podcast-„Hörer“ abonnieren? (Seine Investoren glauben offenbar, er könnte 500.000 oder sogar eine Million Abonnenten gewinnen.)

Würde ARNs iHeartRadio als Plattform zum Hören oder Schauen genutzt – wenn ARN ohnehin 20 Prozent der Einnahmen erhält? Und ist die US-amerikanische App überhaupt in der Lage, ein maßgeschneidertes Aboprodukt für eine Bevölkerung zu stemmen, die kleiner ist als die von Texas?

Sandilands versteht es wie kein anderer, für Gesprächsstoff zu sorgen – ich war in den letzten zwei Tagen zweimal als Radiokommentator in der Sendung TODAY auf Nine (Donnerstag zum ARN-Vergleich und hier ein kurzes Gespräch über Kyle vom Freitagmorgen). Zuletzt hat er auch noch seine Sympathie für One Nation bekundet, die populistische, weit rechts stehende und von Hass getriebene australische Partei, die hauptsächlich von Millionären finanziert wird. Abgesehen vom reinen Aufmerksamkeitswert steckt dahinter womöglich der Wunsch, eben jene Millionäre als Geldgeber für sein neues Projekt zu gewinnen – und vielleicht auch die Erkenntnis, dass rechtsorientierte Medien in Australien und anderswo offenbar besser funktionieren (George Orwells „Zwei-Minuten-Hass“ wäre genau die Art von Segment, die man sich bei 2GB vorstellen könnte). Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Marken, die bereit wären, Geld mit jemandem wie Kyle zu machen, dieselben sind, die One Nation finanzieren würden.

Die australische Medienbehörde ACMA gibt an, dass nur 8 Prozent der Australier Streaming-Radio hören. Wird Sandilands derjenige sein, der das ändert? Das bleibt abzuwarten.


(Auszug aus Radioland: James Cridland’s radio newsletter vom 15. und 20. Juni 2026 und übersetzt mit Hilfe von Claude.)

James Cridland (Bild: © Tor Erik Schrøder)
James Cridland (Bild: © Tor Erik Schrøder)

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine, berät eine Vielzahl von Radiosendern und veröffentlicht den täglichen Podcast-Newsletter podnews.net.

James hat über 30 Jahre bei Radiosendern in Großbritannien, Australien und Kanada gearbeitet; bei Virgin Radio UK entwickelte er die weltweit erste Radio-Streaming-App. Er lebt in Brisbane, Australien. https://james.cridland.net

 

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