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Die letzten UKW-Inseln: Campusradios und andere Anbieter drängen auf DAB+

Sie gehören zu den letzten Bastionen des analogen Hörfunks: Regionen und Programmveranstalter, die ausschließlich über UKW empfangbar sind. Dazu zählen Campusradios, nichtkommerzielle Lokalradios, fremdsprachige Angebote und Militärsender. Während in einigen Bundesländern mittlerweile sämtliche UKW-lizenzierten Programme auch digital über DAB+ verbreitet werden, fehlt anderen Anbietern bislang die Möglichkeit, mit ihren Wettbewerbern gleichzuziehen.

Wann starten CampusRadios NRW auf DAB+?

Zwar treiben zahlreiche Landesmedienanstalten den Umstieg auf   DAB+ als digitalen Nachfolgestandard der Ultrakurzwelle voran, doch der Transformationsprozess verläuft nicht überall gleich schnell. Wie langwierig die Einführung sein kann, zeigt das Beispiel der Campusradios in Nordrhein-Westfalen.

Bereits am 1. Oktober 2018 startete die Landesanstalt für Medien NRW eine Bedarfsabfrage zur Einführung von DAB+. Eine Woche zuvor hatte Prof. Dr. Klaus Goldhammer von der Goldmedia GmbH Strategy Consulting ein Evaluationsgutachten zur Zukunft der Hörfunkverbreitungswege vorgestellt. Darin wurde prognostiziert, wie stark die UKW-Nutzung innerhalb der kommenden zehn Jahre zurückgehen könnte. Sämtliche Szenarien gingen von einer sinkenden Nutzung der analogen Verbreitung aus (vgl. auch Tobias Schmid: „Konkurrenzdruck auf klassischen UKW-Hörfunk wird steigen“).

Prof. Dr. Klaus Goldhammer. Geschäftsführer der Goldmedia GmbH Strategy Consulting, präsentierte am 25. September 2018 in Düsseldorf die Studie "Zukunft des Hörfunks in Nordrhein-Westfalen 2028" (Foto: Medienanstalt NRW)
Prof. Dr. Klaus Goldhammer. Geschäftsführer der Goldmedia GmbH Strategy Consulting, präsentierte am 25. September 2018 in Düsseldorf die Studie „Zukunft des Hörfunks in Nordrhein-Westfalen 2028“ (Foto: Medienanstalt NRW)

An der Bedarfsabfrage beteiligten sich die Campusradios aus Bochum, Dortmund, Essen, Meschede und Münster. Die im Verein organisierten Vorstände der Campusradios NRW erarbeiteten im März 2019 ein Positionspapier, in dem sie den Bedarf zusätzlicher Verbreitungswege neben UKW formulierten und DAB+ ausdrücklich als Zukunftsoption benannten.

Paul-Sattler (Bild: Campusradios NRW)„Zu diesem Zeitpunkt stand die Einführung von DAB+ in NRW auf dem Plan, sodass es auch bei den Campusradios Thema wurde. Die zunächst enormen Kosten haben aber die Campusradios im Weiteren davon abgehalten, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen“, erläutert Paul Sattler vom Vorstand der CampusRadios NRW.

In Nordrhein-Westfalen wurden Regionalmultiplexe ausgeschrieben. Die jährlichen Kosten für einen Sendeplatz wurden zunächst auf rund 33.000 Euro geschätzt. In topografisch anspruchsvollen Regionen verdoppelten sich die Kosten aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen flächendeckenden Versorgung der Lokalradios. Für die überwiegend ehrenamtlich betriebenen Campusradios sind solche Summen kaum zu stemmen.

Hinzu kommt, dass viele Hochschulradios ihre UKW-Antennen auf Liegenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen betreiben, häufig direkt auf dem Campusgelände. Zum Zeitpunkt des Positionspapiers waren noch 13 Campusradios in NRW aktiv. Nach dem Wegfall von radioFH! in Meschede sind es heute noch zwölf Stationen, die perspektivisch eine Aufschaltung auf DAB+ anstreben.

„Im Laufe der Zeit haben sich die konkreteren Überlegungen verfestigt und die Idee von Small-Scale bzw. Open-Source-DAB+ wurde aufgegriffen. Als Beispiel diente dabei unter anderem LOHRO aus Rostock. Somit eröffnete sich ein realistischer Weg eine Verbreitung auf DAB+ zu erreichen, die auch mit begrenzten Mitteln durchführbar ist“, erläutert Sattler.

Grundsätzlich haben alle Campusradios Interesse, über DAB+ zu senden.

Langfristig könnte UKW weiter an Bedeutung verlieren. Deshalb sehen die Campusradios die Nutzung von DAB+ als wichtigen Baustein ihrer Zukunftsstrategie.

„Auch wenn Studien zur Mediennutzung, wie die ARD-ZDF-Medienstudie zeigen, dass 14-29 Jährige deutlich seltener lineare Angebote nutzen, bleiben die Nutzer linearer Angebote auch in diesem Alter relevant. Ein Umstieg auf nicht-lineare Verbreitung kann nur begleitend über die Zeit geschehen. Noch ist die lineare Verbreitung zu wichtig, sodass ein Umstieg einen zu hohen Reichweiten- und Relevanzverlust bedeuten würde“, so Sattler.

Als Vorteile von DAB+ nennen die Campusradios insbesondere die Unabhängigkeit von Apps und Plattformen sowie die bessere Auffindbarkeit durch die lineare Verbreitung. „Die Menschen schalten zufällig ein und werden dadurch zum Hören oder Mitmachen gewonnen“, ist Sattler überzeugt. Die bestehende UKW-Verbreitung soll dabei nicht ersetzt, sondern zunächst parallel fortgeführt werden. Zum Jahreswechsel legten die Campusradios der Landesanstalt für Medien NRW ein Konzept vor, das eine wirtschaftlich tragfähige DAB+ Verbreitung ermöglichen soll.

„Grundsätzlich haben alle Campusradios Interesse, über DAB+ zu senden. Die Umsetzung wird aber zu unterschiedlich starken finanziellen Belastungen führen“, antwortet Sattler auf Anfrage von RADIOSZENE. Derzeit wird die finanzielle Machbarkeit geprüft. Zudem müssen die erforderlichen Frequenzen durch die Bundesnetzagentur koordiniert werden. Die Campusradios hoffen auf eine Umsetzung im Jahr 2027.

Bereits am 12. Juni entscheidet die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW über die Beantragung der erforderlichen Übertragungskapazitäten für Hochschulradios in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen eines Pilotversuchs soll die DAB+ Verbreitung erprobt werden. Das Landesmediengesetz NRW ermöglicht Pilotprojekte zur Einführung und Weiterentwicklung digitaler terrestrischer Übertragungstechniken. Bei späteren Zuordnungsverfahren sind neben den üblichen Kriterien auch die Ergebnisse solcher Pilotversuche sowie die dafür getätigten Investitionen zu berücksichtigen.

Campusradios in Nordrhein-Westfalen erhalten ihre Zulassung für einen örtlich begrenzten Bereich – in der Regel für den Campus einer Hochschule. Die Sendelizenz wird Hochschulangehörigen für maximal vier Jahre erteilt. In Städten mit mehreren Hochschulen kooperieren diese häufig miteinander und können so die Reichweite ihres Programms deutlich erweitern.

Blick ins Studio von CT das radio (Bild: CT das radio, 2018)
Blick ins Studio von CT das radio (Bild: CT das radio, 2018)

Den Anfang machte im November 1997 CT das radio in Bochum. Das Gemeinschaftsprojekt von vier Hochschulen war das erste Campusradio Nordrhein-Westfalens und ebnete den Weg für zahlreiche weitere Hochschulradios. Die Sender verstehen sich bis heute als Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung. Sie berichten über Themen, die im kommerziellen Hörfunk oft wenig Beachtung finden, fördern lokale Bands und bieten Nachwuchskünstlern eine Plattform.

deutschland nur ukw programme c marek schirmer

Berlin/Brandenburg

In Berlin werden derzeit noch fünf, in Brandenburg zwei Radioprogramme ausschließlich über UKW verbreitet. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat inzwischen die Weichen für einen umfassenden Umbau der digitalen Hörfunklandschaft in der Hauptstadtregion gestellt.

Spätestens bis September 2028 soll der im März dieses Jahres gestartete mehrstufige Transformationsprozess weiteren Programmanbietern den Umstieg auf DAB+ ermöglichen. Gleichzeitig soll die Verbreitung in ein stärker regional differenziertes System überführt werden.

Bayern

In Bayern ist lediglich das amerikanische Militärprogramm AFN Bavaria bislang nicht über DAB+ empfangbar. Alle übrigen Anbieter senden entweder parallel analog und digital oder ausschließlich digital.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz warten insbesondere die Lokalradios der Radio Group weiterhin auf eine digitale Verbreitung. Hintergrund ist das Fehlen geeigneter regionalisierter DAB+ Kapazitäten.

Tim Lauth (Bild: ©The Radio Group)„Die eingeschränkten Verbreitungsmöglichkeiten im Flächenland Rheinland-Pfalz stellen für uns seit Jahren einen Wettbewerbsnachteil dar“, teilte das Unternehmen im März mit. Weiter heißt es: „in absehbarer Zeit wird es keinen privaten Multiplex in Rheinland-Pfalz geben. Wir setzen künftig auf eine regionalisierte DAB+ Verbreitung mit dem SWR“, so Tim Lauth, CEO & Programmdirektor.

Von den insgesamt neun Lokalprogrammen der Radio Group wird derzeit lediglich Antenne Bad Kreuznach über DAB+ verbreitet – und zwar in einem lokalen Multiplex für den Raum Bad Kreuznach/Bingen.

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