
Vertraute Stimmen in den Medien sind zugleich Aushängeschilder der Sender wie auch Anker für Zuschauer und Hörer, an denen sie sich in der Flut des heutigen Angebots festhalten. Ein guter Sprecher sollte Talent haben, stets gut vorbereitet sein und über eine gewisse Bandbreite verfügen – darüber ist sich Franz Laake (72) im Klaren.
Unser ständiger Mitarbeiter Hendrik Leuker bat den versierten Vertreter seiner Zunft zum Interview im „Café Rico“, einem der Lieblingscafés Laakes in der Kölner Innenstadt.
Der Weg zum Radio
Sein Weg zum Radio baute auf Zufällen auf, die das Leben bisweilen bereithält. Nach der Mittleren Reife war Laake Beamter im mittleren Dienst der Deutschen Post. Das Einsatzgebiet war für den gebürtigen Düsseldorfer die Luftpostleitstelle am Flughafen seiner Heimatstadt. „Mit Anfang 20 habe ich dort in den Sack gehauen“, bekennt Laake. Er habe damals mit dem Beamtendasein aufgehört, um zu schauen, was das Leben ihm sonst noch zu bieten habe. Danach habe er einige Jahre gejobbt – in Restaurants, als Taxifahrer, in Chauffeurunternehmen und bei Tourneebegleitungen.
Freunde hätten ihn dann Ende der 1970er Jahre auf eine private Tanzparty mit brasilianischen Tänzen mitgenommen. Der Mann der Primaballerina dort, Henrik Koy, stellte sich als Sprecher der seinerzeit in Köln ansässigen Deutschen Welle heraus. Sie kamen ins Gespräch, und Laake fand den Job so interessant, dass er auf dessen Anraten hin Sprecherziehungsstunden nahm. Er wollte seine Stimme schulen lassen und diese beruflich einsetzen.
Seine Zeit bei der Deutschen Welle (DW)
Zunächst dachte er auch an Schauspielerei und nahm zwei Jahre Schauspielunterricht bei seinem privaten Mentor Koy. Schließlich entschied er sich beruflich gegen die Bühne und für das Radio: „Meine Mikrofonprobe war 1982 bei der Deutschen Welle. In kürzester Zeit, ab Januar 1983, wurde ich als Nachrichtensprecher eingesetzt. Auch haben sie mich bei Produktionen der Deutschen Welle beschäftigt. Zudem habe ich in der beliebten Hörerpostsendung die Hörerbriefe verlesen. Die Hörer dachten schon, ich wäre der Chefsprecher“, merkt Laake schmunzelnd an.

Stammhörern und Urlaubern liegen die stündlichen zehnminütigen Nachrichten der Deutschen Welle noch im Ohr. Welche Funktion hatten diese? „Der Sinn und Zweck davon war, als Rundfunkanstalt unseres Landes ein komplettes Bild Deutschlands – was vor allem Politik und Kultur betraf – in die Welt zu senden“, fasst Laake zusammen. Dazu hätten starke Kurzwellensender wie in Jülich, aber auch Relaisstationen etwa in Kigali (Ruanda) und in Antigua (Karibik) beigetragen. Das habe bis Ende 2012 gegolten. Das Deutsche Programm der mittlerweile aus Bonn sendenden Deutschen Welle wurde damals eingestellt: „Freie Mitarbeiter sind dann auf der Straße gestanden“, erinnert sich Laake. „Ich selbst hatte von 1985 bis 1990 eine feste halbe Stelle inne – das waren Zeitverträge.“ Für Laake selbst ging es bis zum Renteneintritt weiter mit dem Sprechen in Sendungen des deutschsprachigen Programms von DW-TV.
Hatte er Einfluss auf die Auswahl der Nachrichten? „Ich war Sprecher und habe die Nachrichten nur verlesen.“ Diese seien von Nachrichtenredakteuren zuvor aus Agenturmeldungen zusammengestellt worden. „Damals war ich in allen Programmstrecken der Deutschen Welle präsent“, fügt Laake hinzu. Das Angebot für eine Festanstellung habe er indes abgelehnt: „Zu dieser Zeit – Anfang der 1990er Jahre – war ich auch bei der ‚Tagesschau‘ in Hamburg im Sprecherteam.“
In der Hörerpostsendung seien Reaktionen aus aller Welt eingegangen. Es sei neben dem Inhalt der Sendungen oft auch um den nicht immer einfachen Empfang gegangen – darum etwa, dass man die Sprecher nicht immer gut verstehen konnte. „Hörer haben uns auch selbstverfasste Gedichte geschrieben“, nennt Laake eine willkommene Abwechslung. Unter den Hörern, die ihnen geschrieben hätten, seien welche gewesen, die dauerhaft aus Deutschland fortgezogen waren, wie auch Urlauber.
Weiß ein langjähriger Sprecher der Deutschen Welle auch, was Empfangsberichte und QSL-Karten sind? „Ehrlich gesagt, nein. Damit hatte ich nichts zu tun. Empfangsberichte haben wir an die Technik weitergegeben“, offenbart Laake eine Wissenslücke.
Zusätzlich beim Deutschlandfunk (DLF)
Im Juli 1984 wurde Laake vom damaligen Sendeleiter Siegfried Krause nach der obligatorischen Mikrofonprobe eingestellt: „Man kannte dort meine Stimme aber schon“, merkt Laake an. „In den Jahren 1984 bis 1990 habe ich mehr als die ursprünglich prognostizierten 107 Kalendertage im Jahr gearbeitet. Ich habe dort viel produziert und war auch oft live“, erinnert sich Laake.
Damals habe er im bundesweiten Programm, das anfangs nur im Köln/Bonner Raum über die UKW-Frequenz 89,1 MHz verfügte und ansonsten bundes- und europaweit über Mittel- und Langwelle verbreitet wurde, vor allem in den politischen Magazinen „Ost-West-Magazin“ und „Hintergrund Politik“ sowie in Sportsendungen Beiträge gesprochen.
Seit 1990 sei er bis heute im Rentenalter ausschließlich als Sprecher beim Deutschlandfunk tätig: „Beim WDR ist mit der Rente Schluss, nicht so aber beim Deutschlandfunk“, erklärt Laake. Die Prognoseregelung für freie Mitarbeiter sehe vor, an wieviel Tagen im Jahr der Sprecher eingesetzt werde. Anfang der 1990er Jahre habe er einen Vertrag über einen Einsatz von bis zu 160 Arbeitstage im Jahr beim Deutschlandfunk gehabt. Derzeit sei er vertraglich bis zu 127 Kalendertage im Jahr im Einsatz. Laake wird zu den Zeiten eingesetzt, in denen nicht selbst gefahren wird, sich also ein Techniker im Studio befindet: „Regelmäßig bin ich am Samstag von 17.45 Uhr bis Mitternacht und am Montagmorgen von 0 Uhr bis 5.45 Uhr zu hören“, weist Laake auf seine hauptsächlichen Sendezeiten hin.
Beim Sender Freies Berlin (SFB) war Laake im Jahr 1986 ein halbes Jahr lang ebenfalls unter anderem Nachrichtensprecher und Moderator der Hörerpostsendung. Im Jahr 1998 wirkte er im Hörspiel „Der Staub von Brandenburg“ unter der Regie von Joachim Staritz (DLF/SFB) mit – „unter jede Menge anderer Hörspiele“, ergänzt Laake, dem Hörspiele immer Spaß gemacht haben.
Auf den Sprecher kommt es an
Auf die Frage, was einen guten Sprecher ausmache, fallen Laake auf Anhieb preußische Tugenden ein: „Präzision, Pünktlichkeit und eine gute Vorbereitung.“ Ganz wichtig sei für ihn, dass ein Sprecher eine gewisse Bandbreite habe: „Kein Mensch kann alles – aber es gibt auch viele Schmalspurartisten“, merkt Laake an.
Was die korrekte Aussprache von Namen und Ortsnamen angehe, greife man inzwischen auf die ARD-Aussprachedatenbank (beim HR) zurück: „Früher haben wir zu diesem Zweck die Botschaften angerufen“, erinnert sich Laake. „Beim Deutschlandfunk habe ich sofort begonnen, die Nachrichten zu lesen. Heute werden junge Kollegen erst eingearbeitet und langsam herangeführt.“
Seit dem 1. Februar 2025 werden im Deutschlandfunk keine Verkehrsnachrichten mehr gesprochen. Das in den 1970er Jahren eingeführte Serviceangebot war in den letzten Jahren durch die omnipräsente Verfügbarkeit mobiler Navigationssysteme und Apps für die meisten Hörerinnen und Hörer überflüssig geworden. Kuriosum am Rande: Das bei den Verkehrsnachrichten früher oft verwendete Signal wird „Hinz-Triller“ genannt. „Hinz war Techniker – später Technischer Direktor – im Deutschlandfunk“, klärt Laake auf.
Abstecher zum WDR-Fernsehen
Über eine Kollegin bei der Deutschen Welle, die auch Fernsehansagerin war – Brigitte Oessling –, kam Laake 1985 zum WDR-Fernsehen. „Sie fragte mich, ob ich nicht in einem Fernsehbeitrag vor der Kamera mitwirken wollte. Es ging um eine Gegendarstellung, die möglichst von einer Frau und einem Mann gesprochen werden sollte“, erinnert sich Laake.
Damit hatte er einen Fuß in der Tür beim WDR-Fernsehen. Es folgten Beiträge für die bis heute beliebte Regionalfernsehsendung „Aktuelle Stunde“: „Dort geht es um Nachrichten und Beiträge aus Nordrhein-Westfalen und solche aus aller Welt, die für NRW relevant sind“, erklärt Laake. Damals lief die Sendung von 19 Uhr bis 19.30 Uhr und leitete zur „Lokalzeit“ der kleinen Regionalstudios über. Heute läuft sie von 18.45 Uhr bis 19.30 Uhr. Die Sendung gibt es seit 1982 und lief nur in den ersten beiden Jahren eine volle Stunde lang, wie es der Name vorgibt.
„Außerdem war ich Nachrichtensprecher bei ‚West 3 Aktuell‘ (heute: WDR Aktuell), leitete oft zu mitternächtlicher Stunde zu ‚Domian‘ über – einer Telefon-Talk-Sendung mit Ratgebercharakter von WDR-Fernsehen und 1LIVE – und kam auch am Nachmittag zum Einsatz“, ergänzt Laake.
Sprecher bei der Tagesschau
Mit der Zeit wird man als Sprecher selbstbewusster. Im Jahr 1987 schrieb Laake einen Brief an den „Tagesschau“-Chef Karl-Heinz Köpcke, in dem er seine Sprechererfahrungen herausstellte. Nach einigen Wochen wurde er gegen 10 Uhr nach einem Nachtdienst bei der Deutschen Welle zuhause vom Telefonläuten überrascht. Als er den Hörer abhob, war zunächst nur ein Rauschen zu hören. Dann rief jemand: „Ist da wer?“ Der müde Laake entgegnete energisch: „Wer ist denn da?“ Nach einem erneuten Rauschen vernahm Laake: „Das ist mir jetzt zu bunt. Hier war Köpcke von der Tagesschau!“
Geistesgegenwärtig rief Laake durchs Telefon: „Halt!“ Die Sache mit der Müdigkeit nach dem Nachtdienst klärte sich schnell auf: „Sch… Nachtdienst!“ pflichtete Köpcke ihm bei. Er bat um Übersendung einer Kameraprobe möglichst auf einer Beta-Kassette. Laake nutzte seine Kontakte aus der Zeit beim WDR-Fernsehen zu freien Filmteams und zur Maske im WDR. In Aachen konnte alsbald eine Kameraprobe aufgezeichnet werden – allerdings auf einer VHS-Kassette. Diese schickte Laake zum NDR nach Hamburg.
Dann meldete sich Köpcke und bestätigte den Eingang der Kassette. Er gehe aber jetzt in den Urlaub und werde sich daher erst später melden können. Das stellte sich als unwahr heraus – Köpcke ging vielmehr in den Ruhestand. Statt seiner meldete sich Werner Veigel, der Nachfolger Köpckes, mit den Worten: „Sie sind als Altlast auf meinen Schreibtisch gelandet. Die Kassette finde ich leider nicht mehr.“ Daraufhin schickte Laake eine Kopie nach Hamburg.

Veigel lud Laake zu einer Live-Kameraprobe ein, einige Tage vor Weihnachten 1987. Mit ihm bewarb sich ein erfahrener Off-Sprecher der Tagesschau um den vakanten Sprecherposten im On. „Ich dachte daher, ich sei nur ein Zählkandidat“, bekennt Laake. Doch er setzte sich durch und sprach am 4. Januar 1988 erstmals vor der Kamera die „Tagesschau“: „Ich wurde in allen Ausgaben eingesetzt bis auf die 20-Uhr-Hauptausgabe im On. Oft nach dem Spätfilm zu mitternächtlicher Stunde, vor Kulenkampffs ‚Nachtgedanken‘.“ Die 20-Uhr-Hauptausgabe sei den sogenannten festen Freien vorbehalten gewesen.
Er verlas bis Oktober 1993 die Meldungen in der „Tagesschau“. Dann geschah folgendes: „Ich war für einen Kollegen für die Frühsendung eingesprungen. In meiner Hamburger Pension gab es nur zwei Zimmer mit Externanschlüssen, die beide damals nicht zur Verfügung standen. So stellte ich mir zwei Wecker und bat an der Rezeption um einen Weckdienst. Sowohl Wecker als auch Weckdienst versagten, sodass ich verschlief. Die Frühsendung musste schließlich der Kollege aus dem Off verlesen. Bei der ‚Tagesschau‘ war man ungehalten. Ich schrieb noch einen Entschuldigungsbrief, in dem ich erklärte, was vorgefallen war. Aber vergebens. Ich wurde zwar nicht offiziell gekündigt, man ließ mich aber austrocknen“, schildert Laake, als ob es ihm erst neulich passiert wäre.
Als er einige Jahre später eine Annonce in einer Fachzeitschrift las, wonach die „Tagesschau“ Sprecher suchte, probierte er es erneut und kontaktierte den damaligen Chefsprecher. Dieser konnte sich an Laake noch gut erinnern, wollte eine erneute Einstellung aber von der Zustimmung des Sprecherensembles abhängig machen: „Da wusste ich schon, dass daraus nichts werden konnte, da sich die Tagesschau-Sprecher eher als Konkurrenten betrachten“, merkt Laake an.
Im Jahr 1999 unterzog sich Laake Schönheitskorrekturen an den Augenlidern und am Kinn. Die Boulevardpresse und die Zeitschrift „Bunte“ stellten den Sachverhalt so dar, als sei er durch die Eingriffe entstellt und habe daher bei der „Tagesschau“ nicht mehr vor die Kamera treten dürfen: „Erstens kann von Entstellung keine Rede sein, und zweitens liegen zwischen den Schönheitskorrekturen und meinem Ausscheiden bei der ‚Tagesschau‘ sechs Jahre“, gibt Laake zu bedenken.
Radio oder Fernsehen?
Was macht Laake lieber? „Radio und Fernsehen – ich mache beides gern“, hat Laake dabei keine Präferenz. Oftmals gilt Fernsehen als komplizierter, weil Menschen um einen herum wuseln. Laake braucht auch im Radio Assistenz: „Ich bin kein Selbstfahrer. Ich brauche einen Techniker im Studio. Auf dem linken Auge bin ich heute sehbehindert“, gibt Laake zu bedenken.
Zukunft der Medien
Vor allem die Art der Rezeption der Medien ändere sich gerade und werde sich in Zukunft noch weiter ändern: „Ich bin nicht technikaffin. Aber die Zukunft des Fernsehens liegt im Streaming. Radio hat noch eher eine Zukunft. Erste Einsätze von Künstlicher Intelligenz gab es zwar schon bei Wetter und Verkehr beim WDR-Hörfunk. Bei uns im Deutschlandfunk ist das nicht der Fall. Ich sehe aber nicht, dass KI eine ausgebildete menschliche Stimme ersetzen kann. Diese klingt mit KI – zurzeit jedenfalls – nicht vorteilhaft.“
Hobbys, Hör- und Sehgewohnheiten
Laakes leidenschaftliches Hobby ist das Theater: „Entweder gehe ich ins Theater oder spiele selbst kleine Rollen – auf kleinen Bühnen und im Regietheater.“ Durch das Schauspielcoaching hat Laake hierfür das nötige Rüstzeug erworben.
Der extrovertierte Sprecher pflegt auch gerne Freundschaften und knüpft bisweilen neue: „Durch das Theaterspielen haben wir – meine Kollegin Katia Franke und ich – Emanuel kennengelernt, gleichsam unseren Adoptivsohn. Einen hierzulande examinierten Altenpfleger aus Uganda.“ Dieser sei gut integriert und habe ihm auch schon beim Umzug geholfen.
Im Radio höre er WDR 2, oft „Das Morgenmagazin“: „Da läuft Musik, die ich mag, und Informationen, die ich brauche“, begründet Laake seine Auswahl. Im Fernsehen und im Kino sehe er am liebsten gut gemachte Filme – allen voran James-Bond-Filme (derzeit bei VOX und RTL Nitro zu sehen) und Science-Fiction wie „Star Trek“ (Raumschiff Enterprise/ZDFneo). Tolle Schauspielleistungen wie in den Filmen „Die Brücken am Fluss“ (Clint Eastwood/Meryl Streep), „Die Queen“ (Helen Mirren) und in den Harry-Potter-Filmen (u. a. von der verstorbenen Maggie Smith) beeindrucken ihn stets aufs Neue.
Franz Laake lebt in Köln.











