Die geplante Neuausrichtung von WDR COSMO sorgt weiter für Widerstand. Kurz vor einer entscheidenden Sitzung des Rundfunkrats am 3. Juni hat sich eine Initiative mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt, den Sender in seiner bisherigen Form zu erhalten.

Der Protest gegen die Pläne ist nicht neu. Bereits vor rund einem Jahr hatten Unterstützer mit einer ersten Petition gegen Einschnitte bei COSMO mobil gemacht (RADIOSZENE berichtete). Damals wurden nach Angaben der Initiatoren innerhalb kurzer Zeit mehr als 55.000 Unterschriften gesammelt. Die Petition richtete sich gegen die befürchtete Schwächung des interkulturellen Radioprogramms und warnte vor einem Abbau mehrsprachiger Angebote.
Nach den aktuellen Plänen des Westdeutscher Rundfunk soll COSMO ab dem 1. April 2027 grundlegend umgebaut werden. Vorgesehen ist, das bislang mehrsprachige und interkulturell ausgerichtete Angebot in einen stärker auf junge Zielgruppen fokussierten Ableger von 1LIVE zu überführen. Im Mittelpunkt soll dabei ein Mainstream-Hip-Hop-Format stehen.
Kritiker sehen darin eine Abkehr vom bisherigen Programmauftrag. COSMO habe bislang ein altersübergreifendes Angebot mit internationaler Musik, journalistischen Inhalten und mehrsprachigen Sendungen geboten. Insbesondere die geplante Einstellung der muttersprachlichen Programme stößt auf Kritik. Betroffen wären unter anderem Sendungen in Italienisch, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Kurdisch. Auch Kooperationen mit mehrsprachigen Angeboten anderer ARD-Anstalten würden entfallen.
Die Initiative verweist darauf, dass diese Programme teilweise auf Strukturen zurückgehen, die seit mehr als sechs Jahrzehnten für Einwanderer-Communities aufgebaut wurden. Die vom WDR als „Weiterentwicklung“ bezeichnete Reform wird von den Unterstützern daher als inhaltlicher Rückbau bewertet.
Nach Angaben der Initiative haben inzwischen rund 70.000 Menschen eine Petition zum Erhalt von COSMO unterzeichnet. Unterstützung kommt auch aus Politik und Kultur – teils mit deutlichen Worten.
Musiker Herbert Grönemeyer bezeichnet COSMO als „Heimat für viele Kulturen in diesem Land“ und warnt angesichts eines zunehmenden Nationalismus davor, einen solchen Sender abzuschalten. Es brauche „viel mehr davon“ statt weniger.
Auch Trettmann kritisiert die geplante Neuausrichtung. Obwohl er selbst im Hip-Hop verortet sei, kenne er keinen anderen Sender, der ihm eine vergleichbare Mischung aus Musik, Journalismus und internationalen Perspektiven biete.
Aus der Politik kommt ebenfalls Widerspruch. Serap Güler sieht in der Einstellung mehrsprachiger Angebote „das falsche Signal“, gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis besonders wichtig seien.
Noch deutlicher wird Claudia Roth. Die ehemalige Kulturstaatsministerin spricht von einer „Mogelpackung“ und kritisiert, dass bei Sparmaßnahmen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk häufig zuerst diejenigen betroffen seien, die ohnehin zu selten vorkämen. Der Rundfunkrat müsse die Entscheidung stoppen.
Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal beschreibt COSMO als wichtige mediale Heimat für Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Besonders die muttersprachlichen Angebote hätten für viele Hörerinnen und Hörer eine emotionale Bedeutung: „Muttersprache ist Balsam für die Seele.“
Der WDR selbst hatte die Reform im Kontext einer strategischen Neuausrichtung seiner Radioprogramme angekündigt. Ziel sei es, jüngere Zielgruppen stärker anzusprechen und Inhalte klarer zu profilieren. Nach Darstellung des Senders sollen dabei auch digitale Angebote ausgebaut werden.
Die Entscheidung des Rundfunkrats am 3. Juni gilt als richtungsweisend für die Zukunft von COSMO und die Rolle mehrsprachiger Angebote im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bereits die erste Petition aus dem Jahr 2025 hatte gezeigt, dass Veränderungen am Sender weit über die eigentliche Hörerschaft hinaus Aufmerksamkeit erzeugen.
Offener Brief der COSMO-Redaktion
Liebe Andrea, liebe Schiwa,
im Wellenplenum wurde die Irritation zum vorgesehenen Namen „1LIVE Street“ für den künftigen Hip Hop Sender bereits deutlich. Wir möchten die Gründe dafür nochmal deutlich spiegeln. Die Kritik richtet sich keineswegs gegen Veränderung. Den Wunsch nach Weiterentwicklung sehen und teilen wir. Es sollte jedoch eine Entwicklung sein, die glaubwürdig, authentisch und respektvoll mit den Menschen umgeht, die sie repräsentieren soll. Genau deshalb bereitet uns der geplante Name „1LIVE Street“ große Bauchschmerzen.
Das Feedback der letzten Tage und verschiedene Gespräche mit der Zielgruppe zeigen, dass der Name „1LIVE Street“ nicht jung und cool klingt, sondern wie eine Bezeichnung, die sich eine ältere Generation ausgedacht hat, um eine junge, migrantische, Hip Hop affine Zielgruppe zu beschreiben. Der Begriff „Street“ ist nicht neutral. Er trägt eine Geschichte in sich. Für viele Menschen steht er nicht für etwas Cooles oder Vermarktbares, sondern für Vorurteile, Ausgrenzung und Zuschreibungen, gegen die sie ihr Leben lang ankämpfen mussten. Viele von uns kennen Situationen, in denen sie als „zu Straße“, „zu migrantisch“, „zu laut“ oder „nicht professionell genug“ wahrgenommen wurden. Manche von uns haben gelernt, genau diesen Teil ihrer Identität am Arbeitsplatz zu verstecken, um ernst genommen zu werden. Deshalb wirkt es auf uns befremdlich, wenn unser öffentlich-rechtlicher Sender genau diesen Begriff nun als Marke für ein Angebot nutzt, das sich stark an Menschen mit Migrationsgeschichte richtet.
Viele Menschen, die diesen Brief unterschreiben oder die darin geäußerte Kritik teilen, wurden selbst schon als „zu Straße“ bezeichnet. Nicht als Kompliment, sondern als Abwertung. Viele haben diese Art von Rassismus erlebt und dadurch zu spüren bekommen, wie genau diese Zuschreibung genutzt wurde, um sie weniger kompetent erscheinen zu lassen. Wenn selbst diejenigen, die mit diesem Begriff markiert wurden, ihn häufig ablehnen oder kritisch sehen, stellt sich die Frage, wie ein Sender ihn authentisch repräsentieren soll.
Diese Perspektive teilen nicht nur freie und feste Mitarbeitende des WDR. Auch zahlreiche Menschen aus der Kultur selbst äußern ähnliche Bedenken. Darunter Akteure wie Leonidas Emre (Emo), Esra und Patrick Phul, Jilou Rasul (Deutsche Meisterin im Breaking) und weitere Personen, die die Hip Hop Kultur seit Jahren mitgestalten.
Die Verknüpfung von Migration, Hip Hop und „Street“ reproduziert ein Bild, das viele Menschen seit Jahren zu überwinden versuchen. Sie reduziert vielfältige Lebensrealitäten auf ein Klischee. Als wären Menschen mit Migrationsgeschichte automatisch Straße. Als wären sie automatisch sozial benachteiligt. Als wären sie automatisch Teil einer bestimmten Lebenswelt. Wie wir wissen, sind migrantische Communities genauso vielfältig wie jede andere Gruppen auch. Diese Vielfalt verschwindet hinter einem Begriff, den viele von uns und auch aus der Hip Hop Bubble nie selbst wählen würden: Hip Hop ist nicht gleich Straßenrap. Hip Hop war schon immer mehr als ein einziges Narrativ. Wer die Kultur auf „Street“ reduziert, verkürzt sie. Und wer glaubt, dass sich Menschen aus der Kultur automatisch in diesem Begriff wiederfinden, unterschätzt ihre Vielfalt. Eine Bezeichnung wie „Street“ reproduziert eine exotisierte Sicht auf Menschen mit Migrationsgeschichte. Das verstärkt internalisierte rassistische Strukturen, was gerade in der heutigen Zeit mit Blick auf die Politik sehr gefährlich ist. Wenn der mehrheitlich weiße WDR sich ein Label wie „Street“ gibt, aber nicht dieselbe Realität widerspiegelt oder echte Diversität und Repräsentation innerhalb der Redaktion abbildet, wirkt das unglaubwürdig. Es verstärkt den Eindruck der kulturellen Aneignung, da „Street“ als Marketing-Tool benutzt wird.
Besonders schmerzhaft finden wir die symbolische Ebene. Wenn das Hauptprogramm „1LIVE“ heißt, während das stärker migrantisch geprägte Angebot „1LIVE Street“ genannt wird, entsteht unweigerlich die Frage: Wer ist hier eigentlich die Norm und wer die Abweichung davon? Die Menschen, die wir erreichen möchten, wollen nicht nur eine „Straße“ im 1LIVE-Kosmos sein. Sie verdienen ein ganzes Viertel. Vielleicht sogar eine ganze Stadt. Einen Ort, an dem unterschiedliche Lebensrealitäten nebeneinander existieren können, ohne auf Klischees reduziert zu werden. Einen Ort, an dem Menschen nicht erst durch die Brille von Herkunft, Milieu oder Zuschreibungen betrachtet werden. Einen Ort, an dem Vielfalt nicht bedeutet, Menschen in Schubladen einzuordnen, sondern ihnen die Freiheit zu geben, selbst zu definieren, wer sie sind.
Was uns außerdem beschäftigt, ist die Frage der Authentizität. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht die Straße. Und er muss sie sich auch nicht aneignen. Seine Stärke war immer, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Doch ein Label wie „Street“ suggeriert eine Nähe zu einer Lebensrealität, die sich nicht einfach durch einen Namen herstellen lässt. Wir bezweifeln, dass man den Namen positiv aufladen kann. Denn er triggert direkt tief sitzende negative Erfahrungen. Um einen Sender für die Hip Hop Culture aufzubauen, erfordert es Sensibilität und Glaubwürdigkeit. „1LIVE Street“ ist nicht sensibel, es ist offensive. Es reduziert das Genre und seine Akteure auf die „Straße“. Es macht negative Konnotationen auf zu Kriminalität, Drogen und Gewalt. Es reduziert die Kultur auf Stereotype, statt die Vielfalt anzuerkennen und zu feiern.
Unser Ziel ist es nicht, eine Veränderung zu verhindern. Der Zug fährt bereits. Aber wir wünschen uns, dass er in die richtige Richtung fährt, damit er auch ankommt. Wir sind uns sicher, dass sich ein Name finden lässt, der die weiterentwickelte Identität besser widerspiegelt. Sinnvoll ist unserer Meinung nach die ernsthafte Prüfung alternativer Namen. Vorschläge wie „1LIVE Culture“ oder „1LIVE Corner“ würden die kulturelle Vielfalt des Angebots betonen, ohne Menschen auf stereotype Bilder zu reduzieren. Denn am Ende geht es nicht nur um einen Namen. Es geht um die Frage, welche Geschichten wir erzählen. Und welche Menschen sich darin wiederfinden möchten.
Unterzeichnet von:
Amy Zayed
André Mamengui
Anna Kravčíková
Anne Lorenz
Aria Fard
Benedict Haupt
Büsra Tasdemir
Dilara Doğan
Esra Phul
Jan Kawelke
Jilou Rasul (Deutsche Meisterin im Breaking)
Joyce Lok-Teng Lee
Keno Mescher
Lenny Rothenberg
Leonidas Emre (Emo)
Leyli Sahin
Lilover Laylany
Maike de Buhr
Minh Thu Tran
Mirxan-Can Keleş
Negisa Blumenstein
Noelle O’Brien-Coker
Nora Wilker
Omeima Garci
Pardis Shafein
Parnie Soufiani
Patrick Phul
Patrick Wira
Pegah Tajalli
Rayan Djima (Blumengarten)
Rebecca Nowak
Selin Amil
Shanli Anwar
Vassili Golod
Vincent Lindig
Update vom 3. Juni 2026
WDR-Rundfunkrat billigt umstrittene Neuausrichtung von COSMO
Der Rundfunkrat des WDR hat in seiner heutigen Gremiensitzung am 3. Juni 2026 dem Relaunch von COSMO und 1LIVE DIGGI zugestimmt – wenn auch mit knapper Mehrheit. Das bedeutet ab 2027: Easy Listening bei „1LIVE LOUNGE“ und Hip-Hop bei „1LIVE STREET“.
So hat die Initiative zum Erhalt von COSMO nach der Entscheidung reagiert:
Danke, Cosmoland. Was gestern passiert ist – und was jetzt kommt.
Zunächst eines: Danke. Von ganzem Herzen.Danke für jede Unterschrift, jedes geteilte Statement, jeden Kommentar – und ganz besonders danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, eine persönliche E-Mail an die Mitglieder des WDR-Rundfunkrats zu schreiben. Diese Mails haben etwas bewirkt. Sie wurden gestern in der Sitzung mehrfach erwähnt.
Rundfunkratsmitglieder berichteten, manche hätten bis zu 1.000 Mails erhalten – und betonten ausdrücklich, dass es keine Standardmails waren, sondern differenzierte, persönliche, leidenschaftliche Stellungnahmen. Genau das hat dazu beigetragen, dass sich die Zahl unserer Unterstützerinnen und Unterstützer im Rundfunkrat von 2 auf 20 erhöht hat.
Jetzt das Ergebnis: Der WDR-Rundfunkrat hat gestern der Reform zugestimmt.
25 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen, eine Enthaltung.
Das ist die knappste Entscheidung dieser Art beim WDR-Rundfunkrat seit mindestens zehn Jahren. Ein Gremium, das Reformen normalerweise mit großer Mehrheit durchwinkt, war gestern fast gespalten.
20 von 46 Mitgliedern haben Nein gesagt – das ist kein kleines Signal, das ist ein starkes Zeichen. Und das in einem Gremium, in dem die fast 30 Prozent Menschen mit Migrationsgeschichte in diesem Land leider nicht annähernd repräsentiert sind. Umso bedeutsamer ist dieses Ergebnis.
Es hat nicht gereicht, um COSMO zu retten.
Das müssen wir klar sagen, und das tut weh.
Aber der Rundfunkrat hat der WDR-Leitung Hausaufgaben mitgegeben – vier offene Fragen, die ausdrücklich als verbindliche Leitplanken für den weiteren Prozess formuliert wurden:
- Wie werden interkulturelle Themen künftig in der Breite des WDR-Programms aufgegriffen – altersübergreifend und für alle?
- In welcher Form werden mehrsprachige Angebote weitergeführt, und welche Sprachen bleiben erhalten?
- Wie wird die einzigartige Musikfarbe von COSMO – eine musikalische Vielfalt, die es im deutschen Radio kein zweites Mal gibt – in den WDR-Programmen erhalten?
- Wie wird die interkulturelle Kompetenz der COSMO-Mitarbeitenden für das gesamte WDR-Programm nutzbar gemacht?
Die WDR-Leitung hat sich dazu bekannt, an diesen Punkten zu arbeiten. Wir werden als saveCOSMOradio-Initiative ganz genau darauf schauen, ob und wie diese Versprechen eingelöst werden. Wir werden berichten, nachfragen und – wenn nötig – wieder laut werden.
Die Geschichte von COSMO ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Sie geht in eine neue Phase.
Danke, dass ihr dabei seid.
Team saveCOSMOradio
Fatales Signal an die kurdische Gemeinschaft in Deutschland
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert die Entscheidung des WDR-Rundfunkrates, dem Aus für Cosmo und damit auch der wöchentlichen einstündigen kurdischsprachigen Sendung zuzustimmen, scharf. „Die Entscheidung des WDR, die kurdische Sendung einzustellen, sendet ein fatales Signal an eine Minderheit, die in ihren Heimatländern verfolgt wird und auch in Deutschland Ausgrenzung erlebt“, betont der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido. Die GfbV fordert den WDR und andere Verantwortliche auf, die Entscheidung zu überdenken und eine andere Heimat für die kurdische Sendung zu finden.
Aufgrund der Unterdrückung der kurdischen Sprache in der Türkei, in Syrien, im Iran und im Irak haben kurdische Sendungen im Ausland eine wichtige Bedeutung für den Erhalt der Sprache. „Der Vorschlag von Programmdirektorin Andrea Schafarczyk, dass anderssprachige Menschen heute problemlos Inhalte aus ihrem Heimatland nutzen können, blendet aus, dass kurdische Medien in der Türkei, im Irak, in Syrien und im Iran oft von Parteien oder den Regierungen kontrolliert werden. Ein in Deutschland produziertes Programm ist auch deshalb wichtig, weil es kurdischsprachigen Menschen ein offenes, demokratisches Forum und verlässliche Informationen bietet“, sagt der Nahostreferent Sido.
In Deutschland leben mittlerweile mindestens eine bis zwei Millionen Kurdinnen und Kurden. Viele besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft und beteiligen sich aktiv am politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben.
Die Entstehung kurdischer Sendungen in Deutschland war ein mühsamer Prozess und stieß auf Widerstand der türkischen Regierung und ihrer Lobby in Deutschland. Der engagierte Dortmunder Rundfunk- und Fernsehjournalist Jürgen Hoppe (1938–2019) war maßgeblich dafür verantwortlich, dass in Deutschland überhaupt eine kurdische Radiosendung entstand. Diese ging 1987 als erstes öffentlich-rechtliches kurdisches Radioprogramm von Radio Dortmund (WDR) mit der Stimme der damals 16-jährigen Kurdin Cinur Ghaderi auf Sendung. Es waren damals nur 15 Minuten pro Woche. Später wurden es 20 und schließlich 30 Minuten.
In einem Artikel berichtete Hoppe, wie der türkische Staat und türkische nationalistische Verbände eine Hetzkampagne gegen ihn und die kurdische Sendung begannen. Hoppe gab dem Druck des türkischen Staates und seiner Unterstützer bei den deutschen Behörden jedoch nicht nach. Die kurdische Sendung wurde zunächst unter dem Titel „Bernama Kurdi” im Funkhaus Europa, später Cosmo, in Köln ausgestrahlt. Nun soll die kurdische Sendung von einem öffentlich-rechtlichen Sender, die aktuell „COSMO KURDΓ heißt, für immer schweigen.
Update vom 11. Juni
Nach WDR-Beschluss: Mouse on Mars geben 1LIVE Krone aus Protest gegen COSMO-Aus zurück
Die Elektronik-Pioniere reagieren mit einer drastischen Maßnahme auf das Aus des interkulturellen Senders. Sie solidarisieren sich mit der Initiative #SaveCOSMOradio, deren Petition bereits über 100.000 Unterschriften zählt.
Das international renommierte Elektronik-Duo Mouse on Mars gibt seine im Jahr 2000 gewonnene 1LIVE Krone an den WDR zurück. Jan St. Werner und Andi Toma protestieren damit scharf gegen den jüngsten Beschluss des WDR-Rundfunkrats, den einzigartigen interkulturellen und mehrsprachigen Sender COSMO im April 2027 einzustellen und durch das Format „1LIVE Street“ zu ersetzen.
Die Rückgabe der Auszeichnung erfolgt am Tag der Veröffentlichung eines offenen Briefes von inzwischen mehr als 500 Organisationen an die ARD-Intendanzen. Gemeinsam mit Akteurinnen aus Kultur, Wissenschaft und Medien wehrt sich die postmigrantische Zivilgesellschaft in beispielloser Geschlossenheit gegen die Streichung der muttersprachlichen Programme und den damit einhergehenden Verlust vielfältiger Lebensrealitäten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Mit dem Aus von COSMO droht zudem die wichtigste deutsche Plattform für Global Pop und seine einzigartige, diverse Musiklandschaft aus dem Äther zu verschwinden. Die Initiative #SaveCOSMOradio fordert, den Beschluss zu revidieren und COSMO stattdessen zu einem starken, bundesweiten Gemeinschaftsprogramm auszubauen. Die zugehörige Petition auf innn.it hat inzwischen die Marke von über 100.000 Unterzeichnerinnen überschritten.
Verheerender Rückschritt in Zeiten reaktionären Denkens
Zur Begründung ihrer Rückgabe erklären Mouse on Mars: „Wir haben die 1LIVE-Krone für Innovation erhalten. In Zeiten eines immer reaktionäreren und völkischeren Denkens in Deutschland ist die Abwicklung von COSMO ein verheerender Rückschritt. Sie ist ein klares Zeichen dafür, dass der WDR nicht für Zukunft und Weltoffenheit einsteht. Deshalb geben wir die 1LIVE-Krone zurück.“
Die Band hat ihre Beweggründe zudem in einem persönlichen Videostatement erläutert. Das Video wird am heutigen Donnerstag auf dem Instagram-Kanal der Initiative @savecosmoradio veröffentlicht. Der Protest reiht sich ein in eine Welle prominenter Kritik, unter anderem von Jan Böhmermann und Herbert Grönemeyer, die dem WDR eine fatale Missachtung seines gesetzlichen Programmauftrags vorwerfen.
Jan St. Werner und Andi Toma bilden seit den 1990er Jahren das Projekt Mouse on Mars. Sie zählen zu den international bekanntesten und einflussreichsten Vertretern der deutschen elektronischen Musik und stehen seit Jahrzehnten für musikalische Innovation und weltweite Vernetzung.
SZ: Das war’s mit Cosmo
Der WDR beschließt, einen sprachlich und kulturell einzigartig vielfältigen Sender einzustampfen: Cosmo soll sich unter dem Namen 1Live Street nun auf Hip-Hop konzentrieren. Schlechter kann man nicht sparen. – Kommentar von Aurelie von Blazekovic in der Süddeutschen Zeitung
taz: Ende von Radiosender Cosmo: Nicht schön, nicht geil und nicht mehr laut
Mit dem Multikulti-Sender Cosmo ist ab 1. April 27 Schluss. Er wird in der 1live-Markenfamilie versteckt und heißt 1liveStreet. Keine gute Idee, findet taz-redakteur Steffen Grimberg.
DWDL: Aus für mehrsprachiges Angebot – „Mogelpackung“: Widerstand gegen die Einstellung von Cosmo
Am Mittwochnachmittag diskutiert der WDR-Rundfunkrat über die geplante Neuaufstellung der jungen Radioangebote des WDR – und damit die Einstellung von Cosmo. Der WDR spricht von Weiterentwicklung, Kritiker von einer Mogelpackung. Kommentar von Uwe Mantel.











