Systemreform 2026: NRW-Lokalfunk stellt sich zukunftsfähig auf

Der NRW-Lokalfunk richtet sich strukturell neu aus. Auf einer Konferenz des NRW-Lokalfunks in Dortmund wurde am vergangenen Samstag der Startschuss für eine Systemreform 2026 gegeben. Diese hat das Ziel, die Leistungsfähigkeit des gesamten Lokalradio-Verbunds nachhaltig zu stärken, Verantwortlichkeiten klarer zu ordnen, Mehrfacharbeiten zu reduzieren und zentrale Zukunftsaufgaben schneller, effizienter und mit höherer fachlicher Verbindlichkeit umzusetzen.

SYSTEMREFORM 2026 (RADIO NRW)
SYSTEMREFORM 2026 (RADIO NRW)

Das Leitbild der neuen Struktur folgt einem einfachen Prinzip: Alles, was lokale Nähe braucht, bleibt in den Regionen. Alles, was zentral besser, schneller und sinnvoller für das Gesamtsystem geleistet werden kann, wird gebündelt. Damit soll die lokale Identität der Sender gestärkt und langfristig wirtschaftlich abgesichert werden.

Systemreform 2026: Neue Struktur soll lokale Radiomarken sichern, Aufgaben zentralisieren und Wettbewerbsfähigkeit steigern

„Wir müssen Komplexität verringern und weg von einer Struktur, in der zu viele Stellen parallel gleiche Aufgaben lösen müssen“, sagt Uwe Peltzer, Vorsitzender des Verbands der Betriebsgesellschaften NRW (BG-Verband). „Künftig sollen Kompetenzen dort gebündelt werden, wo sie für das Gesamtsystem den größten Nutzen entfalten. Das ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, Effizienz bzw. Tempo zu erhöhen und damit im Wettbewerb handlungsfähig zu bleiben.“

Elisabeth Mayers-Beecks, Vorstand Verband Lokaler Rundfunk in NRW (VLR), Uwe Peltzer, Vorsitzender des Verbands der Betriebsgesellschaften NRW (BG-Verband), Marco Morocutti, Geschäftsführer RADIO NRW, Matthias Schlettert, Vorstand VLR, Timo Naumann, Geschäftsführer VLR und Carsten Dicks, Geschäftsführer BG-Verband. (Bild: RADIO NRW)
Elisabeth Mayers-Beecks, Vorstand Verband Lokaler Rundfunk in NRW (VLR), Uwe Peltzer, Vorsitzender des Verbands der Betriebsgesellschaften NRW (BG-Verband), Marco Morocutti, Geschäftsführer RADIO NRW, Matthias Schlettert, Vorstand VLR, Timo Naumann, Geschäftsführer VLR und Carsten Dicks, Geschäftsführer BG-Verband. (Bild: RADIO NRW)

Die geplante Reform sieht vor, zentrale fachliche Verantwortlichkeiten für die wesentlichen Zukunftsbereiche der Lokalradio-Gruppe zu schaffen. Dazu gehören insbesondere Programm und Produktentwicklung, Technik und Digitalinfrastruktur, Marke und Marketing sowie Vermarktung. In diesen Bereichen sollen künftig übergreifende Strategien entwickelt, gemeinsame Standards etabliert und systemweite Projekte verbindlicher gesteuert werden. Gleichzeitig bleiben lokale Aufgaben und lokale Nähe weiterhin wesentliche Bestandteile des Modells.

So soll z. B. eine gemeinsame strategische Ausrichtung der Programme erfolgen, technische und digitale Infrastruktur vereinheitlicht und zentral gebündelt, Marke und Marketing künftig systemischer gedacht und eine gemeinsame Vertriebsstrategie entwickelt werden.

Thomas Kroemer, Vorsitzender des Vorstands Verband Lokaler Rundfunk in NRW (VLR), verweist darauf, wie wichtig eine gut verzahnte Zusammenarbeit im Lokalfunk für den gemeinsamen Erfolg ist: „Lokale Vielfalt braucht heute ein stärkeres gemeinsames Fundament. Wenn wir Programm, Produkt, Reichweite, Vermarktung, Technologie und Markenführung nicht konsequenter zusammendenken, verlieren wir an Geschwindigkeit und Kraft. Wenn wir diese Aufgaben aber richtig bündeln, stärken wir das gesamte System – und damit auch die Qualität der lokalen Angebote.“

„Wir reagieren mit dieser Reform nicht auf ein kurzfristiges Problem, sondern auf eine langfristige strukturelle Veränderung des Marktes, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit des NRW-Lokalfunksystems erheblich beeinträchtigt“, sagt Marco Morocutti, Geschäftsführer von RADIO NRW. „Unser Anspruch ist, auch künftig ein starkes, relevantes und wirtschaftlich stabiles Lokalradio-Angebot zu ermöglichen. Dafür brauchen wir eine Organisation, die klarer, schneller und in einem deckungsgleichen Mindset handelt.“

Die nächsten Schritte betreffen die detaillierte Ausarbeitung der künftigen Struktur, die personelle Zuordnung zentraler Verantwortlichkeiten, die Ausgestaltung gemeinsamer Dienstleistungen, die Weiterentwicklung von Anreiz- und Vergütungsmodellen Gemeinsam mit den zuständigen Gremien werden diese Themen bis zum Sommer weiter konkretisiert. Die technischen Systemvereinheitlichungen sollen bis spätestens Ende 2027 umgesetzt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zunächst auf der Bündelung der Bereiche Studio- und Sendetechnik sowie Digitalinfrastruktur unter einheitlicher fachlicher Führung.

Die NRW-Lokalradios gehen mit dieser umfassenden Systemreform 2026 den nächsten entscheidenden Schritt, um ihre Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Das Konzept für die anstehende Reform wurde gemeinsam vom Verband der Betriebsgesellschaften, dem Verband Lokaler Rundfunk sowie RADIO NRW entwickelt und vorangetrieben. Zugleich wurden von RADIO NRW und den Chefredakteuren in einem Workshop-Prozess gemeinsame Programm-Leitlinien erarbeitet. Neben dem Strukturreformprozess, den die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) im Jahr 2022 initiiert hatte, ist die Systemreform 2026 ein weiterer zentraler Baustein im wichtigen Change-Prozess der Lokalradiogruppe.

Quelle: RADIO NRW

Weiterführende Informationen


DJV-NRW begrüßt Strukturreform für NRW-Lokalfunk

„Trotz aller Synergien den Fokus auf Berichterstattung von vor Ort legen“

Der Deutsche Journalisten-Verband in NRW (DJV-NRW) begrüßt, dass die Verantwortlichen des NRW-Lokalfunks mit einer am Samstag beschlossenen Strukturreform das System langfristig aktiv absichern wollen. „Ein guter Entschluss, denn wir brauchen den Lokalfunk in NRW“, betont DJV-NRW-Geschäftsführer Volkmar Kah. „Doch so richtig es ist, mehr Synergien bei den Sendern zu nutzen: Der intensive Fokus einer sinnvollen Reform muss eine Berichterstattung von vor Ort bleiben.“

Volkmar Kah (Bild © Karsten Schöne / DJV-NRW)
Volkmar Kah (Bild © Karsten Schöne / DJV-NRW)

Der DJV in NRW wird die Weiterentwicklung des publizistischen Erfolgsmodells auch weiterhin konstruktiv begleiten – immer mit dem besonderen Blick auf die vielen Kolleg:innen, die fest und frei hier eine hervorragende Arbeit leisten, aber auch aus Sicht der Bürger:innen für die ein gutes lokaljournalistisches Angebot demokratiesichernd ist.

Für guten Lokaljournalismus braucht es in den 44 Lokalsendern auch weiterhin ausreichend kompetente und motivierte Mitarbeiter:innen, sagt Volkmar Kah. „Wir setzen darauf, dass die Arbeitgeber in den im Juni anstehenden Tarifgesprächen mit uns Wege gehen, die den Kolleg:innen in Zukunft Wertschätzung und Sicherheit garantieren.“

Bei einer Konferenz in Dortmund hatten am Samstag der Verband der Betriebsgesellschaften, der Verband Lokaler Rundfunk und der Mantelprogrammanbieter Radio NRW die „Systemreform 2026“ beschlossen. Mit diesem neuen Leitbild wollen sie die wirtschaftliche und digitale Zukunftsfähigkeit der Lokalradios im Land sichern. Strategische Kernbereiche wollen die Verantwortlichen dabei bündeln, vor allem die Entwicklung von Programm und Produkten, die Digital- und Sendetechnik sowie Marketing und die überregionale Vermarktung.

Quelle: Pressemeldung des DJV-NRW vom 2. Juni 

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