Pünktlich um 5 Uhr ging am Morgen des 1. Juni 2026 mit dem Kooperationsprojekt von Südwestrundfunk (SWR), Hessischen Rundfunk (hr) sowie Saarländischen Rundfunk (SR) die neuformierte Jugendwelle DASDING auf Sendung. Die ARD-Anstalten bündeln mit diesem Schritt ihre bisherigen Angebote DASDING, YOU FM und UNSERDING zu einem gemeinsamen Angebot für „junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren.“
Damit entsteht ein Programm, das terrestrisch eine Hörerschaft von Kassel im Norden bis ins südliche Allgäu sowie in der Breite von Ulm an der Donau bis ins Saarland und die Eifel erreicht. Abdeckt werden hierbei die vier Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Ein in der Tat großflächiges Sendegebiet. Und „eine Kooperation die innerhalb der ARD als bislang einmaliges Projekt dieser Größenordnung“ betrachtet wird. SWR, hr und SR sehen in dieser Bündelung „eine Erfüllung zur Umsetzung ihres Reformauftrags nach mehr Zusammenarbeit und effizienterer Ressourcennutzung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“.
Teaser-Schleife bei YOU FM in Hessen vor der DASDING-Übernahme:
Das neue DING soll „Radio, Podcasts, Social Media und digitale Inhalte unter einer gemeinsamen Marke verbinden.“ Im Mittelpunkt stehen laut Senderangaben „aktuelle Musik, starke Persönlichkeiten, popkulturelle Themen und Inhalte, die nah an der Lebensrealität der Zielgruppe sind.“ Nun, ein von den bisherigen Konzepten abweichendes Musikformats ist beim Neustart kaum zu erwarten, spannender ist die Frage nach Umsetzung der redaktionellen Vorgaben, von Präsentation und Regionalität.
Das Programm entsteht standortübergreifend in Baden-Baden, Frankfurt und Saarbrücken. Regionale Perspektiven aus allen vier Bundesländern „bleiben fester Bestandteil – unter anderem durch eigene Nachrichtenangebote, regionale Storys und Inhalte aus den jeweiligen Lebenswelten.“ Die Federführung liegt beim SWR, verantwortlicher Programmleiter ist Max Lotter (39).

RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach zum DASDING-Sendestart in Hessen und im Saarland mit Programmchef Max Lotter über Struktur, Inhalte, Ausrichtung sowie Ziele des neuen Senders.
Wir haben nicht drei Programme zusammengeworfen, sondern gemeinsam ein neues gebaut
RADIOSZENE: Neues Konstrukt, vertrauter Name. Am 1. Juni 2026 DASDING startet eine bekannte Programmmarke für junge Hörer:innen im Südwesten unter neuer Trägerschaft. Wie sehr unterscheidet sich das neue Konzept vom bisherigen DASDING-Format?
Max Lotter: Mehr, als man vielleicht denkt. Wir haben nicht drei Programme zusammengeworfen, sondern gemeinsam ein neues gebaut. Mit einer klaren Frage im Kopf: Was brauchen junge Menschen heute wirklich von einem Audioangebot?
Am Ende ist dabei ein Programm rausgekommen, das näher an dem ist, was junge Menschen wirklich beschäftigt. Mehr Gesprächswert, mehr Persönlichkeit, mehr Mut zu Haltung – ohne dabei Leichtigkeit und Unterhaltung zu verlieren.
Und dadurch, dass Menschen aus Baden-Baden, Frankfurt und Saarbrücken gemeinsam daran arbeiten, kommen automatisch mehr Perspektiven zusammen.
RADIOSZENE: Welche neuen Impulse beinhaltet das Programm genau und wie bringen sich die Redaktionen der beteiligten Anstalten ein?
Max Lotter: Der größte Impuls ist wahrscheinlich gar nicht, was wir machen – sondern wie wir es machen. Wir haben die Struktur bewusst so gebaut, dass an möglichst allen Sendungen Menschen aus allen drei Standorten beteiligt sind. Nicht morgens SWR, nachmittags hr und abends SR – sondern ein gemeinsames Programm mit unterschiedlichen Perspektiven.
Natürlich gibt es Verantwortlichkeiten für bestimmte Flächen und Themenfelder. Aber Ideen, Themen, Reporter:innen und Produktionen entstehen standortübergreifend. Das Ziel ist am Ende ziemlich simpel: Junge Menschen sollen nicht hören, aus welchem Funkhaus etwas kommt – sondern dass wir ein Programm machen, das für sie relevant ist.
RADIOSZENE: Laut Ankündigung soll die Koordination beim SWR liegen. Über welche Organisationsstrukturen ist das Programm aufgestellt?
Max Lotter: Die Programmleitung – also meine Rolle – liegt organisatorisch beim SWR. Inhaltlich verantworte ich aber das gemeinsame Programm über alle drei Häuser hinweg. Dafür haben wir bewusst keine zentrale Großredaktion gebaut. Es gibt eine gemeinsame Programmleitung für die strategische Richtung und Standortleitungen in Baden-Baden, Frankfurt und Saarbrücken, die das Programm und ihre Teams vor Ort organisieren und führen.
Gleichzeitig war uns ehrlich gesagt ziemlich wichtig, dass nicht drei Programme nebeneinander entstehen. Deshalb haben wir die Struktur so gebaut, dass an möglichst allen Sendungen Menschen aus allen drei Standorten beteiligt sind.
Auch fachliche Verantwortung ist verteilt: Der größte Teil der Musikredaktion und die Teamleitung sitzen beim SWR. OnAir-Promotion und die Planungsverantwortung liegen im hr. Der SR übernimmt unter anderem die Teamleitung für Wort und Planung am Nachmittag und Abend – eine Rolle, die man früher vielleicht klassisch als Wortchef bezeichnet hätte.

RADIOSZENE: Aus den drei bisherigen Gebieten wird nun ein deutlich größerer Senderaum als bisher. Wie wollen Sie die heterogenen Ansprüche in einem Programm bündeln? Sie senden ja künftig von Kassel bis ins Allgäu – ein landmannschaftlich nicht unerheblicher Spagat…
Max Lotter: Klar, erstmal denkt man sich wahrscheinlich: Wie soll das funktionieren? Gleichzeitig merken wir aber, dass junge Menschen heute oft weniger in Landesgrenzen denken als früher. Wer 24 ist und in Saarbrücken lebt, stellt sich oft ähnliche Fragen wie jemand in Freiburg oder Kassel: Wie finde ich bezahlbaren Wohnraum? Was mache ich nach dem Job? Welche Musik höre ich gerade? Und oft lachen am Ende auch alle über dieselben TikTok-Trends.
Trotzdem war für uns nie die Idee, Regionalität wegzunehmen. Gerade im Saarland spielt regionale Identifikation eine große Rolle – das nehmen wir ernst. Deshalb bleiben regionale Informationen und regionale Perspektiven Teil des Programms. Dazu gehört auch, dass der SR am Nachmittag weiterhin eine eigene Strecke für das Saarland sendet.
Unser Anspruch ist am Ende, dass sich das Programm überall nach DASDING anfühlt – ohne dabei regionale Perspektiven zu verlieren.
Unser Anspruch ist am Ende, dass sich das Programm überall nach DASDING anfühlt – ohne dabei regionale Perspektiven zu verlieren
RADIOSZENE: Beschreiben Sie das genaue Musikformat und die redaktionellen Inhalte!
Max Lotter: Musikalisch setzen wir auf aktuellen Pop, Hip-Hop und EDM. Gleichzeitig wollen wir schneller auf neue Trends reagieren und auch mal früher bei Themen und Songs sein – ohne jedem Hype hinterherzulaufen.
Inhaltlich glauben wir nicht an die Trennung zwischen „wichtigen“ und „leichten“ Themen. Wenn junge Menschen darüber sprechen, ist es für uns erstmal relevant.
Manchmal ist das ein neues Album. Manchmal die Frage, warum man trotz Job keine Wohnung findet. Und manchmal einfach ein Reel, über das gerade alle lachen.
RADIOSZENE: Wird DASDING die bisherigen Musikspecials am Abend beibehalten?
Max Lotter: Ja – Musikspecials bleiben ein wichtiger Teil des Programms. Besonders am Wochenende soll man hören, dass Wochenende ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die WORLD CLUB DOME Radioshow am Samstagabend: Sechs Stunden lang übernehmen internationale DJs und Artists und geben dem Abend genau dieses Gefühl zwischen Warm-up, Autofahrt und Vorglühen.
RADIOSZENE: Gibt es stündliche Auseinanderschaltungen für regionale Informationen beziehungsweise Sendezeiten – oder Werbung?
Max Lotter: Es wird auch künftig regionale Elemente geben, aber deutlich weniger, als man vielleicht erwarten würde.
Unser Anspruch war von Anfang an, ein gemeinsames Programm zu bauen und nicht drei Programme mit gemeinsamem Logo. Deshalb laufen große Teile des Angebots gemeinsam.
Regional unterscheiden wir nur dort, wo es für die Menschen vor Ort wirklich einen Unterschied macht – zum Beispiel bei Nachrichten und Informationen, die vor Ort relevant sind. Alles andere soll sich bewusst wie ein gemeinsames DASDING anfühlen – egal, ob man in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder im Saarland hört.
RADIOSZENE: Die bisherigen Programme waren auch im Off-Air-Sektor – beispielsweise mit zahlreichen Events und Konzerten – präsent. Werden Sie diese Praxis auch künftig fortführen?
Max Lotter: Absolut. Für uns endet DASDING nicht beim Radioprogramm. Zum Angebot gehören genauso unsere digitalen Kanäle auf Instagram und TikTok, unsere Web-Videoformate „SONG TINDERN“ und „BRUST RAUS“ und natürlich Podcasts wie „Adoptivbrüder“ oder „TNTea“. Unser Anspruch ist, junge Menschen dort zu erreichen, wo sie gerade sind – und nicht darauf zu warten, dass sie das Radio einschalten.
Gleichzeitig bleiben Events, Konzerte und Festivals ein wichtiger Teil der Marke. Gerade dort entstehen oft die Momente, über die man am nächsten Tag wieder spricht.
Zum Start begleiten wir die Kooperation unter anderem mit unserer gemeinsamen Programmaktion „DASDING liebt euch“. Das ist nicht nur unser neuer Claim, sondern gleichzeitig die erste große Aktion des neuen Programms. Die Aktion ist bereits in den bisherigen Programmen gestartet und läuft jetzt gemeinsam weiter.
Wir verlosen Tickets für fette Festivals wie das Southside, Events wie den World Club Dome und jeder Menge Konzerte – und machen darüber gleichzeitig erlebbar, dass aus drei Angeboten ein gemeinsames DASDING geworden ist.
Unser Anspruch ist, junge Menschen dort zu erreichen, wo sie gerade sind – und nicht darauf zu warten, dass sie das Radio einschalten
RADIOSZENE: Mit dieser Südwestschiene wird eines der reichweitenstärksten deutschen Jugendradios entstehen. Allerdings stehen Sie in der Region auch im Wettbewerb mit eingeführten Radiomarken wie BigFM. Gibt es Charakteristika, mit denen Sie sich von der privaten Konkurrenz abheben?
Max Lotter: Sind wir doch mal ehrlich: Junge Menschen entscheiden sich nicht für ein Angebot, weil öffentlich-rechtlich oder privat draufsteht. Sondern eher, weil sie den Titel feiern, der gerade läuft, oder weil das Thema gerade für sie relevant ist.
Unser Anspruch ist deshalb nicht, möglichst laut oder möglichst beliebig zu sein. Wir wollen Moderator:innen, die man mag – oder vielleicht auch mal nicht mag, weil sie Haltung zeigen. Menschen mit eigener Meinung, eigener Perspektive und dem Mut, nicht immer allen gefallen zu wollen.
Wir glauben daran, junge Menschen mit mehr als nur Leichtigkeit zu erreichen. Wenn ein Thema relevant ist, haben wir keine Angst vor schwereren Themen – aber so erzählt, dass junge Menschen verstehen, warum das Thema für ihr Leben überhaupt wichtig ist. Und am Ende soll DASDING ein Ort sein, an dem junge Menschen etwas finden, das sie woanders nicht kriegen.
Aircheck von YOU FM / DASDING am 1. Juni zwischen 5 und 7 Uhr:











