„Echte Radio-Erfolgsgeschichte“: Bremen Eins wird 25

Die Macher von Radio Bremen hatten jeher ein besonderes Händchen für kreativ gemachte Unterhaltung. Trotz vergleichsweise bescheidener Etats hieß die Devise stets: klein, aber sexy. Und verdammt erfolgreich. Es war schon beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit des Seins die kleinste ARD-Anstalt beispielsweise TV-Formate wie den „Beatclub“, das Folgekonzept „Musikladen“, „Loriot“, diverse Sendungen von Rudi Carrell oder „Total Normal“ mit Hape Kerkeling als Quotenhits im Fernsehen aus dem Zylinder zauberte. Alle zur ihrer damaligen Zeit sehr mutige, innovative Unterhaltungskonzepte. Getragen von einem Erfindergeist, den wir heute doch so sehr vermissen.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

Das Pendent im Hörfunk war von 1946 bis 2001 die Radio Bremen 1 Hansawelle. Ein Leuchtturm oben im Norden, der mit den Überreichweiten seiner Mittelwelle – auch im benachbarten Niedersachsen (und selbst in Hamburg) – eine vergleichsweise sehr hohe Hörerschaft an sich binden konnte. Es war eben die besondere Note aus launiger Moderation, regionaler Identifikation und einem hohen Musikanteil, mit denen man selbst dem großen Norddeutschen Rundfunk den einen oder anderen Hörer abspenstig machte. Da der  NDR  bis 1981 keine Hörfunkwerbung ausstrahlen durfte, war die Hansawelle bis zu diesem Zeitpunkt für die Werbewirtschaft sehr bedeutend als der größte Radio-Werbeträger in Norddeutschland.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

In 2001 dann der große Umbruch im Bremer Radioland: den damaligen Sparzwängen geschuldet, fusionierten am 30. April die Hansawelle und das (hauseigene) bis dahin eher glücklos vor sich hin sendende Schlagerformat Radio Bremen Melodie. Aus diesem Zusammenschluss ging das heutige Bremen Eins hervor, das sich mit einer intensiven Ansprache an die Hansestadt und deren Region sowie mit einem Musikformat aus Oldies und zeitgemäßem Softpop an Hörer „ab 45 Jahren“ richtet.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

In diesen Tagen feiert das Programm nun seinen 25. Geburtstag. RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach zum Senderjubiläum mit Bremen Eins-Programmchef Martin Haferkorn, Tanja Ötvös (CvD Musik) und der Programmmarketing-Beauftragten Julia Klün.


„Den Move vom klassischen Magazinradio mit täglich wechselnder Moderation zum infotainigen, verlässlichen Tagesbegleiter mit viel Nähe zum Publikum, interaktiven Themen-Drehs und klarem Fokus aufs Regionale hat das Team mit Bravour gemeistert“

RADIOSZENE: Bremen Eins wird 25 Jahre alt. Wie zufrieden blicken Sie auf die letzten Jahre zurück?

Martin Haferkorn (Bild: Radio Bremen / Andres Weiss

Martin Haferkorn: Die Antwort wird sie nicht überraschen: sehr zufrieden. Der Weg bis zum heutigen Bremen Eins ist eine echte Radio-Erfolgsgeschichte. Der Sender hat sich stetig weiterentwickelt: Musikalisch haben wir uns schon vor 13 Jahren auf den Weg gemacht und sind jetzt ein zeitgemäßes, Pop-Rock-basiertes Greatest Hits-Format. Auch inhaltlich hat sich vieles verändert. Den Move vom klassischen Magazinradio mit täglich wechselnder Moderation zum infotainigen, verlässlichen Tagesbegleiter mit viel Nähe zum Publikum, interaktiven Themen-Drehs und klarem Fokus aufs Regionale hat das Team mit Bravour gemeistert. Die Welle ist im Land Bremen mit einer Ausnahme seit 20 Jahren Marktführer.

RADIOSZENE: Das Programm verfügt im Sendegebiet über ein hohes Maß an regionaler Verankerung. Wie viel Bremen und Bremerhaven stecken tatsächlich in Bremen Eins?

Martin Haferkorn: Ziemlich viel. Als ARD-Landesprogramm sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe an, über das Geschehen in Bremen und Bremerhaven umfassend zu berichten. Fest verankert sind zum Beispiel fünf Mal am Tag die buten un binnen kompakt-Blöcke mit Nachrichten aus der Region. Aber auch in der Programmfläche räumen wir regionalen Themen den meisten Platz ein. Das wird in der Hörerschaft auch wahrgenommen, das attestiert uns eine aktuelle Studie aus dem April.

RADIOSZENE: Liegt das Erfolgsgeheimnis auch im territorial eher überschaubaren Sendegebiet – zuletzt konnten Sie bei den Tageshörern ja deutlich zulegen?

Martin Haferkorn: Das ist richtig. Wir schaffen es immerhin, 45 Prozent unserer Hörer im Weitesten Hörerkreis, einem Wert aus der Nutzungsumfrage Media-Analyse, zum täglichen Einschalten zu bewegen. Das ist ein ziemlich guter Wert, den man nur mit einer starken Bindung zwischen Publikum und Programm erreicht. Damit die entstehen kann, braucht es neben guten Ideen, viel Herzblut und ein Team mit dem richtigen Gespür für sein Publikum.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

Natürlich schadet auch ein kohärentes Verbreitungsgebiet nicht. Allerdings leben wir hier nicht auf einer einsamen Insel der Glücksseligen. Alle niedersächsischen Programme überstrahlen das Land Bremen. Anscheinend gehört es aber immer noch zum guten Ton, als Bremer auch regelmäßig mindestens ein Programm von Radio Bremen zu hören. 

„Wir schaffen es immerhin, 45 Prozent unserer Hörer im Weitesten Hörerkreis, zum täglichen Einschalten zu bewegen“

RADIOSZENE: Das Motto des Musikprogramms lautet „Der Sound meines Lebens“. Mit welchen konkreten „Soundmix“ wenden Sie sich dabei an Ihr Publikum? Der überwiegende Teil der Musik stammt ja aus den 1970er- bis 1990er-Jahren – mit einem hörbaren Kern an 80er-Hits…

Tanja Ötvös: „Der Sound meines Lebens“ ist ein bewusst kuratierter Mix aus den prägenden Jahrzehnten der 70er, 80er und 90er – mit einem klaren Schwerpunkt auf den 80ern, weil diese Zeit musikalisch für viele bis heute emotional aufgeladen ist. Gleichzeitig setzen wir ganz bewusst Akzente mit aktuellen Hits und starken Songs aus den letzten 25 Jahren.

Tanja Ötvös (Bild: © Radio Bremen / Inès Schumann
Tanja Ötvös (Bild: © Radio Bremen / Inès Schumann

Diese Titel fügen sich gezielt in den Gesamtklang ein und sorgen dafür, dass das Programm nicht nur nostalgisch ist, sondern auch im Hier und Jetzt verankert bleibt. Wichtig ist mir dabei die Balance: vertraute Songs, die sofort ein Gefühl auslösen, treffen auf überraschende, modernere Momente, die das Programm lebendig halten. Der ‚Soundmix‘ richtet sich an ein Publikum, das mit dieser Musik aufgewachsen ist oder sie neu für sich entdeckt – und das sich ein Programm wünscht, das sie durch den Tag begleitet, Erinnerungen anspricht und gleichzeitig nicht stehen bleibt.

RADIOSZENE: Im Vergleich zu vielen anderen Programmen sind umfangreiche musikredaktionelle Inhalte feste Bestandteilte bei Bremen Eins. Also Rubriken wie etwa der „Beat-Club“, der schon bei der Hansawelle ein beliebter Programmpunkt war, oder Livemitschnitte und die Vorstellung legendärer Alben. Wie wichtig sind diese Programmangebote für die Hörerbindung?

Tanja Ötvös: Diese musikredaktionellen Inhalte sind ein zentraler Baustein für die Hörerbindung, weil sie uns klar von reinen Musikrotationen abheben. Formate wie der „Beat-Club“, Livemitschnitte oder Albumvorstellungen bieten Hintergrund, Geschichten und echte Einordnung. das schafft eine tiefere Verbindung zur Musik und zum Programm.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

Ein weiteres starkes Element ist auch unsere Sendung „Wünsche und Musik“, wahrscheinlich Deutschlands älteste Musik- und Grußsendung, die wir montags bis samstags von 18 bis 20 Uhr senden. Hier werden die Hörer selbst Teil des Programms – das sorgt für eine sehr persönliche Bindung. Insgesamt sind diese Angebote stark nachgefragt und profilbildend: Sie sprechen ein Publikum an, das bewusst zuhört und mehr erwartet als eine reine Abspielstation.

„Musikredaktionelle Inhalte sind ein zentraler Baustein für die Hörerbindung, weil sie uns klar von reinen Musikrotationen abheben“

RADIOSZENE: Welche besonderen Herausforderungen kommen auf Bremen Eins und die gesamte Radiolandschaft in den kommenden Jahren zu?

Martin Haferkorn: So einige. Für die klassischen regionalen Radiomarken wird der Weg steinig, fürchte ich. Die Hauptmitbewerber für die Gattung Radio sind inzwischen die bekannten amerikanischen Tech-Giganten. Immer mehr Werbebudgets wandern ins Digitale. Auch im Radiomarkt sehen wir einen stetig zunehmenden, fragmentierten Wettbewerb durch die zahlreichen bundesweiten DAB+ Programme. Und wir leben in sehr bewegten Zeiten.

25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)
25 Jahre Bremen Eins (Bild: © Radio Bremen / Tammo Jans)

Das erfordert sicher auch mal einen neuen, frischen Blick auf die eigene Rolle in Bezug auf die Zielgruppe. Mit dem Einstieg ins KI-Zeitalter steigt gleichzeitig der Bedarf nach verlässlichen und glaubwürdigen Informationsquellen. Hier sehe ich eine Chance für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine weitere liegt darin, Kräfte zu bündeln und digital auffindbar zu bleiben. Daher wird auch Bremen Eins im Sommer in die neue, gemeinsame ARD Sounds-App umziehen und seine eigene App aufgeben.

RADIOSZENE: Mit welchen Events und Aktionen feiern Sie dieses besondere Jubiläum?  

Julia Klün: Wir setzen voll auf Dialog und laden unsere Hörerinnen und Hörer zu einem „Geburtstag der offenen Tür“ ins Funkhaus ein. Dabei sehen sie nicht nur, wo und wie ihr Lieblingsprogramm entsteht, sondern sie kommen beim Speed-Dating auch mit dem Moderations-Team ins Gespräch. Und natürlich darf auch das gemeinsame Tortenessen und Anstoßen mit dem Team nicht fehlen. Und abends wurde auf der MS Oceana auf der Weser weitergefeiert mit DJ Roland Kloos.

Julia Klün (Bild: © Radio Bremen / Andreas Weiss)
Julia Klün (Bild: © Radio Bremen / Andreas Weiss)

Weiterführende Informationen

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