Beim Münchner Privatsender Charivari 95.5 verdichten sich die Hinweise auf einen umfassenden Stellenabbau. Nach Informationen aus dem Sender, die durch einen Bericht der Süddeutsche Zeitung gestützt werden, wurden zahlreiche Kündigungen ausgesprochen, die Redaktion, Produktion und Online betreffen.
Geschäftsführer Till Coenen bestätigte personelle Einschnitte, nannte jedoch keine konkrete Zahl. Zur Begründung verwies er auf „vor allem wirtschaftliche und strategische Gründe“. Innerhalb der Belegschaft sorgen die Maßnahmen für Unruhe. Mitarbeitende berichten, die Kündigungen seien „komplett überraschend“ gekommen; noch kurz zuvor seien intern positive Entwicklungen kommuniziert worden.
Kritik richtet sich vor allem auf mögliche inhaltliche Folgen. Beschäftigte befürchten einen Verlust lokaler Kompetenz. „Die ganzen lokal geprägten Inhalte, das war ja eigentlich unsere Stärke“, heißt es aus dem Team. Nach SZ-Informationen prüfen Betroffene zudem juristische Schritte.
Die Geschäftsführung verweist auf strukturelle Anpassungen: Künftig solle stärker mit externen Zulieferern und Kooperationen gearbeitet werden, etwa mit der BLR. Details zur künftigen Programmstruktur bleiben offen.
Eine Programmkooperation zwischen 95.5 Charivari und Radio Arabella steht aber bereits auf der Tagesordnung der 20. Gremiensitzung der BLM am 30. April 2026.
Der Fall unterstreicht den wirtschaftlichen Druck auf private Radiosender, die mit rückläufigen Werbeeinnahmen, wachsender Plattformkonkurrenz und steigenden Kosten konfrontiert sind (vgl. Werbekrise trifft Privatradios und erzwingt neue Strategien).

Nach Angaben des BJV könnten etwa die Hälfte der rund 40 Beschäftigten betroffen sein, überwiegend aus dem journalistischen Bereich. Auch das Moderationsteam solle deutlich verkleinert und der Live-Anteil reduziert werden. Vor dem Hintergrund des erst kürzlich gefeierten 40-jährigen Jubiläums des Senders bewertet der Verband die Entwicklung als besonders einschneidend. „Live und lokal zu berichten ist das Rezept des Radios gegen die KI-Konkurrenz“, sagt die stellvertretende BJV-Vorsitzende Andrea Roth. „Ausgerechnet hier den Rotstift anzusetzen, ergibt keinen Sinn.“









