Von Michael Louis
Was als „Konsolidierung des Südtiroler Radiomarkts“ verkauft wird, ist tatsächlich ein schwerer Schlag gegen die Meinungsvielfalt. Das übermächtige Verlagshaus Athesia hat mit dem Kauf der Antenne Südtirol, Radio 2000 und Radio Edelweiß sein Imperium weiter ausgebaut. Zur Athesia gehören ja bereits Südtirol 1 und Radio Tirol und im Printsektor die Tageszeitungen Dolomiten und Alto Adige, der Nachrichten-Dienstleister RMI, diverse Online-Informationsseiten und vieles mehr.
Der aktuelle Zukauf bedeutet zunächst mal eine Verbesserung bzw. Ausweitung der UKW-Verbreitungswege von Südtirol 1 und Radio Tirol. Gerade letzterer Sender war bisher im Pustertal nicht zu hören. Das wird sich bald ändern. Was mit den übrigen Frequenzen passiert, wird sich zeigen. Gut denkbar ist, dass man ein Schlager-/Volksmusikradio wie Radio 2000 aufrecht erhält. Was passiert mit den Mitarbeitern der Sender? Die Standorte Lana und Bruneck werden langfristig sicher aufgegeben, da man sämtliche Marken unter dem Dach des Funkhauses in Bozen bündeln möchte. Wer dort dann weiterbeschäftigt wird, steht in den Sternen. Vor geraumer Zeit – beim Kauf von Tele Radio Vinschgau (TRV) – beteuerten die neuen Betreiber (Athesia), man wolle möglichst viele TRV-Mitarbeiter behalten. Übrig geblieben ist kein einziger. Und über die Antennen von TRV läuft heute Südtirol 1, das vor dem Kauf im Vinschgau kaum zu hören war. Warum sollte es diesmal anders laufen?
Zurück zur Meinungsvielfalt. Das Südtiroler Kartellamt ist mal wieder nicht eingeschritten, und so kommt es nun zu einer wohl einzigartigen Medienkonzentration. Als sicher gilt, dass auf den neuen Athesia-Stationen schon bald die Nachrichten der RMI laufen werden. Damit ist in der deutschsprachigen Privatradiolandschaft Südtirols Radio Sonnenschein in Lana der einzige Sender, der noch eigene Nachrichten ausstrahlt. Auf allen anderen Sendern ist das Südtirol-Journal der RMI zu hören.
Von dieser Medienkonzentration kriegt ein Großteil der Südtiroler gar nichts mit, weil man sich recht selten mit Programm-Details beschäftigt. Er liest also einen Artikel in der Tageszeitung „Dolomiten“, im Südtirol-Journal im Radio hört er dann einen Beitrag mit identischer Ausrichtung. Die Folge: Der unbedarfte Medien-Konsument denkt sich, „wenn das so in der Zeitung steht, und die im Radio dasselbe sagen, dann muss es wohl richtig sein“.
Die Athesia hat es nun geschafft, sich bis auf das deutsche Programm der öffentlich-rechtlichen RAI und Radio Sonnenschein alle Sender einzuverleiben. Eine Komplettübernahme von Radio Holiday in Bruneck dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Hier von einer „Konsolidierung“ zu reden, ist eindeutig die falsche Wortwahl.

Michael Louis ist gelernter Zeitungsredakteur und arbeitete viele Jahre lang für den „Münchner Merkur“. Radio war immer sein Steckenpferd. Aufgewachsen mit SDR3, Ö3 und AFN, war er später selbst für Radio M1, Hitwelle Erding, Radio Sonnenschein, Radio Grüne Welle (beide in Südtirol) und noch einige andere Stationen tätig. Zudem hat er mehrere Webseiten ins Leben gerufen: uhini.de mit der Geschichte der Privatradios in München und Südtirol sowie Erinnerungen an AFN Munich, die Erinnerungsseite sdr3-history.de und rbiradio.eu. Michael Louis lebt heute mit seiner Familie in Südtirol nahe Meran.











