Während der Radiodays Europe fiel mir besonders Radioplayer auf, die in der Ausstellungshalle sehr präsent waren – unter anderem mit einem XPENG-Auto – und zudem mehrere Sessions veranstalteten. Dazu gehörte auch eine Präsentation von Radioplayer mit klarem Fokus auf das Nutzungserlebnis im Auto. Gezeigt wurde ein unterhaltsames Video, es gab ein Gespräch mit jemandem von der BBC, und anschließend sprach Rune Hafskjær, Chief Digital Officer von Norwegens P4.

Rune eröffnete seinen Vortrag mit einem Zitat von mir – einem Zitat über Notfall-Radiokommunikation in Australien, die nur funktioniert, wenn die Menschen überhaupt Radiogeräte besitzen (und man wäre überrascht, wie wenige Menschen tatsächlich noch ein Mittelwellen-Radio haben). Es ist durchaus ein besonderer Moment, ein eigenes Zitat auf einer großen Leinwand zu sehen – vor allem, wenn man nichts davon wusste.
Anschließend ging Rune auf Vertragsdetails von TuneIn ein. Er hob hervor, dass TuneIn Werbung ausspielt und nicht verpflichtet ist, diese Einnahmen zu teilen (was sie, wie ich später erfuhr, allerdings doch tun), und dass TuneIn von Sendern verlangt, die Rechte an ihren Inhalten „im gesamten Universum“ zu besitzen. Das war durchaus ein unterhaltsamer Teil der Präsentation.

Danach zeigte Rune eine Grafik, in der er darlegte, welche Funktionen eine Radio-App seiner Ansicht nach unbedingt bieten sollte – und wie verschiedene Aggregator-Apps dabei abschneiden. Auffällig ist: TuneIn weist mehr „grüne Felder“ auf als Radioplayer, mit Ausnahme der Kategorie „gute Absichten“. Hier unterstellt Rune TuneIn Defizite, während er Radioplayer positiv bewertet – eine Einschätzung, der ich heute nicht mehr uneingeschränkt zustimmen würde, zumal inzwischen sowohl Radioplayer als auch TuneIn im Besitz von Radiounternehmen sind.
Viele Sender, darunter auch P4, haben sich aufgrund solcher Überlegungen entschieden, ihre Programme von TuneIn zu entfernen. Und natürlich würde ich gerne jemandem zustimmen, der mich in seiner Präsentation zitiert.
Aber: Die P4-eigene App – „Lyden av Norge“ – wird zweifellos das beste Nutzungserlebnis für P4-Hörer bieten. Sie hat Zugriff auf umfangreichere Metadaten des Senders, auf grafische Elemente und Now-Playing-Informationen, die speziell für diese App entwickelt wurden. Sie lässt sich personalisieren und liefert wertvolle Daten darüber, wie Menschen hören. Für bestehende P4-Hörer ist sie der ideale Zugang – und genau so sollte es auch sein.
Nur: Diese App wird ausschließlich von Menschen heruntergeladen, die P4 bereits kennen und hören. Wer P4 nicht hört, wird sich kaum die App installieren – darauf können wir uns wohl einigen.
Wenn Sender ihre Programme aus großen Aggregator-Apps entfernen und nur noch über die eigene App verfügbar machen, besteht die Gefahr, dass sie von neuen Hörern überhaupt nicht mehr entdeckt werden. Warum sollte jemand eine App für einen Sender herunterladen, von dem er noch nie gehört hat?
Und wenn man argumentiert, dass die eigene App bessere Nutzungsdaten liefert (stimmt), die Monetarisierung verbessert (ebenfalls richtig) und durch Login eine direkte Beziehung zum Publikum ermöglicht (auch das stimmt) – warum sendet man dann überhaupt noch über UKW oder DAB+? Denn all diese Vorteile gibt es dort nicht. Konsequenterweise müsste man den Sender dann auch von diesen Plattformen zurückziehen. Wenn man dazu jedoch nicht bereit ist – warum dann der Rückzug aus Aggregatoren wie TuneIn?
Bei den Radiodays Europe hatte ich außerdem die Gelegenheit, Steve Jones von Stingray Group zu interviewen, den neuen Eigentümern von TuneIn. Für mich ist das jemand aus dem Radiobereich mit klar positiven Absichten. Und trotz der Übernahme von TuneIn sind die Sender von Stingray weiterhin bei Radioplayer, iHeartRadio – und auch ganz klassisch auf UKW vertreten (v.a. Runes Post bei Linkedin).
(Auszug aus Radioland: James Cridland’s radio newsletter vom 6. April 2026 und übersetzt mit Hilfe von ChatGPT.)

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine, berät eine Vielzahl von Radiosendern und veröffentlicht den täglichen Podcast-Newsletter podnews.net.
James hat über 30 Jahre bei Radiosendern in Großbritannien, Australien und Kanada gearbeitet; bei Virgin Radio UK entwickelte er die weltweit erste Radio-Streaming-App. Er lebt in Brisbane, Australien. https://james.cridland.net










