Die Social Network Live Charts der Radiosender

Veröffentlicht am 01. Mrz. 2011 von unter Deutschland

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RADIOSZENE veröffentlicht twitter- und facebook-Charts in Echtzeit

Der Journalist Sebastian Pertsch hat vor zwei Wochen eine Studie über die Nutzung der Radiosender bei Facebook und Twitter veröffentlicht. Nun hat er mit radiocharts.rockbär.de eine Website veröffentlicht, in der die aktuellen Statistiken der Radiosender mit vielen Diagrammen und zahlreichen Such- und Filtermöglichkeiten abgefragt werden können.

Sebastian Pertsch

Sebastian Pertsch

RADIOSZENE: Sebastian, wie war die Reaktion nach Deiner Studie?

Pertsch: Na ich glaube schon, dass die Studie für ordentlich Wirbel in der Medienwelt gesorgt hat. Ich will mich da selber nicht groß bebauchpinseln, aber die Reaktionen waren schon erstaunlich. Die Studie wurde von Fachzeitungen wie Horizont und sogar von englischsprachigen Medien aufgegriffen. Aber auch die Sender meldeten sich bei mir; sowohl die Privaten als auch die Öffentlich-Rechtlichen. Und vereinzelt gab es auch Anfragen für professionelle Beratungen und Einladungen zu Konferenzen. Das ist schon ‘ne spannende Geschichte. Über das große Interesse seitens der Sender war ich schon recht überrascht. Zahlreiche Kollegen schrieben mir auch noch, dass die Studie Thema in den Redaktionskonferenzen war, und man vielerorts überlegte, sich besser in den Sozialen Netzwerken zu präsentieren.

RADIOSZENE: Und wurde von den Sendern schon was umgesetzt?

Pertsch: Lustigerweise ja! Und sogar recht schnell. In den Tagen nach der Veröffentlichung – und Du hattest ja hier bei RADIOSZENE auch über die Studie berichtet – hörte ich besonders viel Radio und schaute mir deren Websites an. MotorFM hatte beispielsweise wochenlang keinen Tweet mehr rausgehauen, aber einen Tag nach meiner Studie hieß es: „Twitter, wir haben dich vernachlässigt. Das wird sich ändern.“ Aber auch Frank-Thomas Suppee vom MDR schrieb via Twitter von einem „Nachholbedarf, nicht nur für die Öffentlich-Rechtlichen“. Nach meiner Studie erwähnten viele Sender gleich auf der Startseite mit einem Sonder-Artikel und pushten über den Sender ihre Aktivitäten bei Facebook und Twitter. Es hat natürlich keiner geschrieben: ‘Hey, laut der Studie von Sebastian Pertsch sind wir nur vierter in unserem Bundesland.’ Aber indirekt war ja klar, woher das rührte.

TOP 10 RADIOSENDER BEI TWITTER

RADIOSZENE: Wie aufwändig war denn die Programmierung Deiner neuen Website?

Pertsch: Nun, es waren so um die 10 Tage, bis ich radiocharts.rockbär.de online gestellt habe. Grundlage war natürlich die Studie, so dass ich einige Zeit einsparen konnte. So musste ich nicht mehr nach den offiziellen Twitter- und Facbook-Accounts suchen. Und überhaupt: Wie viele Radiosender gibt es in Deutschland? 354 habe ich gefunden; über die Fülle war ich dann selber etwas erstaunt. Aber das dauerte.

RADIOSZENE: 10 Tage Programmierung für eine Tabelle?

Pertsch: Am Längsten dauerte gar nicht mal die Programmierung, dafür benötigte ich nur wenige Tage. Das Langwierigste war hingegen, die Datenbank zu befüllen. Hinter der Tabelle stecken weit mehr Angaben, als man zunächst glauben möchte. Über welchen Verbreitungsweg ist der Sender zu empfangen? UKW, DAB, Webradio? Aus welchem Ort, aus welchem Bundesland wird gesendet? Das sieht man nicht, man kann aber trotzdem danach suchen. Und diese Angaben in die Datenbank zu bringen, dauerte tatsächlich am Längsten.

RADIOSZENE: Also bei der Eingabe von “Nordrhein-Westfalen” würden beispielweise alle Radios aus NRW angezeigt werden?

Pertsch: Genau, oder “UKW” zeigt logischerweise alle Sender an, die per Ultrakurzwelle empfangbar sind, “Bayern” führt alle Radiosender aus dem Bundesland Bayern auf, bei “Öffentlich-Rechtlich” werden dementsprechend alle Sender der öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalten aufgelistet. Das Ganze geht aber auch mit Radiogruppen, z.B. mit WDR oder NRJ. Die Filtermöglichkeiten sind ideal, aber vor allem auch einfach. Das war mir wichtig.

RADIOSZENE: Wie funktioniert das technisch gesehen? Deine neue Website läuft ja nun voll automatisch…

Pertsch: Ja, zumindest größtenteils. Twitter und Facebook bieten API-Schnittstellen an, über die man die Werte herunterladen kann. Leider geht das nicht ganz in Echtzeit. Die Werte werden also nicht heruntergeladen, wenn man radiocharts.rockbär.de aufruft. Es gibt Request-Sperren. Twitter erlaubt beispielsweise nur 150 Abfragen und somit Sender pro Stunde. Und Twitter zickt ja sowieso immer gerne rum. Erst vorgestern, am Samstagnachmittag ging ja wieder gar nichts. Würden die Daten also in Echtzeit geladen werden, wäre auch meine Website nicht mehr erreichbar oder würde das Layout zerschießen. Der Download der zahlreichen Werte erfolgt automatisiert alle paar Stunden. Dabei werden die Werte in meine Datenbank geschrieben und bleiben dort -quasi als Cache- gespeichert. Von nun an dürfte die Website ein Selbstläufer sein. Es sei denn, ein Sender entschließt sich, sich auch in den Sozialen Netzwerken zu präsentieren. Dann muss ich das manuell nachtragen. Aber das ist ja logisch.

TOP 10 RADIOSENDER BEI FACEBOOK

RADIOSZENE: Warum überhaupt der Aufwand mit der neuen Website? Du hattest doch erst vor zwei Wochen die Studie erstellt, und alle Zahlen veröffentlicht.

Pertsch: …und seit dem haben alle Radiosender zusammen genommen über 90.000 neue Fans bekommen. Das beschreibt schon sehr gut, wie schnelllebig die SocialNetworks sind, und auf der anderen Seite, wie schnell veraltet meine Studie war. Ich glaube, es lag auch an den vielen Rückmeldungen nach der Studie. Ich war motiviert, das auszubauen.

RADIOSZENE: Neben der Tabelle führst Du ja auch zahlreiche Diagramme auf. Welche Aussagekraft haben denn generell die Statistiken?

Pertsch: Das ist wirklich verdammt schwierig zu sagen! Zunächst einmal sind es rein quantitative Zahlen, zunächst ohne Aussagekraft über die Qualität eines Senders, ohne Aussagekraft über die Intensität des Kontakts mit den Facebook-Fans und Twitter-Followern. Bei der Masse an Sendern gibt es natürlich viel Spielraum für Interpretationen. Trotzdem fällt auf: Sender, die via Twitter und Facebook intensiven Kontakt mit ihren Hörern pflegen und sie nicht nur zu Gewinnspielen missbrauchen, haben deutlich mehr Fans und Follower. Pluspunkte sind aber auch Nachrichten in Kurzform, ein Teasing auf einen möglichen Interview-Gast und der Hinweis auf Sendungsmitschnitte von Beiträgen oder natürlich auch Podcasts. Karteileichen interessieren keinen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man die Hörer dort abholen sollte, wo sie sind. Und zweifelsohne sind sie das millionenfach in den Sozialen Netzwerken. Millionen Deutschen benutzen heutzutage Facebook, dabei feiert die deutsche Version im März gerade mal ihren dreijährigen Geburtstag.

RADIOSZENE: Aber das Problem ist doch häufig bei den kleinen Sendern, dass sie keine Kapazitäten frei haben.

Pertsch: Zum Teil stimmt das. Die Öffentlich-Rechtlichen oder die großen Privaten liegen schon deutlich im Vorteil. Aber es gibt auch positive Gegenbeispiele: Der Lokalsender Antenne Düsseldorf liegt bei den Twitter-Charts auf Platz 14, noch vor BigFM oder Antenne Bayern. Hier hat man sich früh darum gekümmert, das eigene Content-Management-System mit Twitter und Facebook zu verknüpfen. Veröffentlicht der Nachrichtenredakteur auf deren Homepage die Meldungen, erscheinen sie automatisch auch bei den Sozialen Netzwerken. Ich frage mich dann immer, wieso klappt es bei so einem kleinen Sender, nicht aber bei den Großen? Die Zeiten sind schon lange vorbei, dass man die Reaktionen der Hörer erst Tage später mit einem Leserbrief erhielt. Zack, in zwei Sekunden wird heutzutage die Rückmeldung via Facebook abgegeben, und die Sender müssen schneller reagieren. Das ist gewiss eine neue Herausforderung. Aber die Sender müssen sich ihr stellen.

RADIOSZENE: Wo siehst Du denn die Schwachpunkte bei den Statistiken?

Pertsch: Nun, es liegt ja fast schon auf der Hand, dass ein Kultursender mit einem 50plus-Hörerkreis weniger Follower haben muss als beispielsweise ein hipper privater Jugendsender. Über die Qualität sagt das gar nichts aus, die Statistiken geben hier keine vernünftige Auskunft. Außerdem kann man einen Lokalsender, der nur von ein paar Tausend Menschen gehört wird, nur schwer mit einem überregionalen Radiosender, der möglicherweise in mehreren Bundesländern empfangbar ist, vergleichen. Auch hier ist klar, dass die Überregionalen, die am Besten noch jüngere bis 40 ansprechen, deutlich im Vorteil liegen; zumindest, was die Anhängerschaft in den Sozialen Netzwerken betrifft. Außerdem sind die Zahlen bei Facebook generell verlässlicher als die von Twitter. Ich möchte nicht wissen, wie viele Spam-Follower ich schon bei Twitter geblockt habe. Bei Facebook kann man sich hingegen sicher sein, dass hinter fast allen Fans echte Menschen stecken. Auch Doppelungen können nicht mit einberechnet werden. Gibt es also Leute, die sowohl bei Twitter als auch bei Facebook einem Radiosender folgen? Man kann zwar angenehmerweise sagen, dass die deutschen Radiosender über 1,5 Mio Facebook-Fans und Twitter-Follower haben, aber nicht, ob es auch tatsächlich so viele „echte“ Menschen sind. Das ist technisch nicht machbar.

RADIOSZENE: Wie ich sehe, kann man die Daten auch herunterladen?

Pertsch: Ja, das war mir auch wichtig. Die komplette Website liegt unter der CreativeCommons-Lizenz CC-BY, das ermöglicht auch die kommerzielle Weiterverwertung der Daten (sofern Autor und Quelle genannt werden). Aber was bringen ein paar Diagramme? Gerad die PR- und Marketing-Abteilungen brauchen harte Fakten und viele Zahlen. Und hier kommt der Datei-Export ins Spiel. Neben dem PDF-Dokument, geht auch der Download als CSV-Datei, womit man die komplette Datenbank in eine Excel-Tabelle übertragen und weiterbearbeiten kann.

RADIOSZENE: Sebastian, vielen Dank für das Gespräch.

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