Der US-Nachrichtensender CBS News stellt seinen traditionsreichen Hörfunkdienst ein und baut zugleich Stellen ab. Wie aus internen Mitteilungen hervorgeht, über die die Washington Post berichtet, wird der Betrieb von „CBS News Radio“ zum 22. Mai 2026 beendet. Betroffen sind sämtliche Arbeitsplätze innerhalb der Einheit.
„Heute haben wir unser CBS-News-Radio-Team und rund 700 angeschlossene Stationen darüber informiert, dass wir den Dienst am 22. Mai 2026 einstellen werden“, schrieben Chefredakteurin Bari Weiss und CBS-News-Präsident Tom Cibrowski in einem internen Memo. „Leider bedeutet diese Entscheidung, dass alle Stellen innerhalb des CBS-News-Radio-Teams wegfallen.“
Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Umbaus, mit dem der Sender auf strukturelle Veränderungen im Nachrichtenmarkt reagiert. Bereits zuvor war angekündigt worden, rund sechs Prozent der Belegschaft abzubauen. Auch andere Redaktionsbereiche sollen betroffen sein, wie die Washington Post unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen berichtet.
Weiss und Cibrowski begründen den Schritt mit einem tiefgreifenden Wandel der Branche: „Es ist kein Geheimnis, dass sich das Nachrichtengeschäft grundlegend verändert – und dass wir uns mitverändern müssen.“ Gleichzeitig verwiesen sie auf neue Zielgruppen und Investitionspläne: „Neue Zielgruppen entstehen an neuen Orten, und wir treiben ehrgeizige Pläne voran, um zu wachsen und zu investieren, damit wir sie dort erreichen.“
Mit dem Ende von CBS News Radio verschwindet ein Stück Rundfunkgeschichte. Der Dienst galt seit 1927 als zentrale Säule des Netzwerks. „Das ist das Ende einer Ära“, sagte der Medienwissenschaftler Michael Socolow von der University of Maine.
In dem Memo selbst heißt es rückblickend, CBS News Radio habe „als Grundlage für alles gedient, was wir seit 1927 aufgebaut haben“. Zugleich verweisen die Verantwortlichen auf wirtschaftliche Zwänge: „Veränderte Programmstrategien der Radiostationen in Verbindung mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen es unmöglich, den Dienst fortzuführen.“
Die Entscheidung fällt in eine Phase anhaltender Herausforderungen für CBS News. Trotz programmlicher Änderungen – unter anderem mit Tony Dokoupil als neuem Anchor der „CBS Evening News“ – bleiben die Einschaltquoten hinter der Konkurrenz zurück, wie aktuelle Nielsen-Daten zeigen, über die ebenfalls die Washington Post berichtet.
Kritik kommt unter anderem von Gewerkschaftsseite. Die Writers Guild of America erklärte laut Bericht, die Entlassungen seien Folge von „Rücksichtslosigkeit und Gier des Managements“ und bezeichnete die Schließung des Radiodienstes als Ausdruck „inkompetenter Führung“.
Hintergrund der aktuellen Umbrüche ist auch der Eigentümerwechsel: Der Medienkonzern Paramount wurde 2025 vom Unterhaltungskonzern Skydance unter Führung von David Ellison übernommen. Ellison und sein Vater Larry Ellison gelten als politisch gut vernetzt; beide wurden von US-Präsident Donald Trump wiederholt öffentlich gelobt, was in der Branche aufmerksam registriert wird.
Ungeachtet dessen sehen Branchenbeobachter auch Chancen für Wettbewerber. „Radio funktioniert weiterhin – vor allem im Auto“, so Socolow. Der Wegfall eines großen Anbieters könne anderen Marktteilnehmern zusätzliche Reichweite verschaffen.











