Rheinische Post darf WMH übernehmen und stärkt Radioposition in NRW

Mit der geplanten Übernahme der Westfälische Medien Holding AG (WMH) durch die Rheinische Post Mediengruppe GmbH verschieben sich auch die Beteiligungsverhältnisse bei mehreren Lokalradios in Nordrhein-Westfalen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.

Update vom 17. April 2026: Das Bundeskartellamt hat die Übernahme inzwischen freigegeben. Die Wettbewerbshüter sehen in dem Zusammenschluss zwischen der Rheinische Post Mediengruppe GmbH und der Westfälische Medien Holding AG keine wettbewerblichen Bedenken. „Das Vorhaben ist aus wettbewerblicher Sicht unbedenklich, da sich die Verbreitungsgebiete der beteiligten Verlage nicht überschneiden“, erklärte Behördenpräsident Andreas Mundt. Die Unternehmen stünden somit weder auf den Lesermärkten noch im Anzeigengeschäft in direktem Wettbewerb.

Für den Radiomarkt bedeutet die Entscheidung, dass auch die bestehenden Beteiligungen der WMH an Lokalradio-Veranstaltern ohne kartellrechtliche Auflagen in den Einflussbereich der Rheinischen Post Mediengruppe übergehen können. Eine vertiefte Prüfung der publizistischen Vielfalt erfolgt durch das Bundeskartellamt grundsätzlich nicht, da diese kein Maßstab der wettbewerbsrechtlichen Bewertung ist.

Rheinische Post (Bild: RP Mediengruppe)
Rheinische Post (Bild: RP Mediengruppe)

Über ihre Beteiligungen an Verlagsgesellschaften hält die WMH derzeit Anteile an mehreren Lokalradio-Veranstaltern im Münsterland und darüber hinaus. Mit dem Eigentümerwechsel gehen diese indirekten Beteiligungen künftig in den Einflussbereich der Rheinischen Post Mediengruppe über. Dazu zählen unter anderem Beteiligungen an Antenne Münster, Radio RST, Radio WMW, Radio Kiepenkerl sowie kleinere Anteile an Radio WAF und am landesweiten Rahmenprogrammveranstalter Radio NRW. Auch eine kleinere Beteiligung am Radio Bielefeld ist betroffen.

Die größten Veränderungen ergeben sich im Münsterland: Über die Verlagsgruppe Aschendorff hält die WMH bislang unter anderem 74,9 Prozent an Antenne Münster sowie 43,9 Prozent an Radio RST. Hinzu kommen weitere Minderheitsbeteiligungen, etwa an Radio WMW und Radio WAF. Radio Kiepenkerl befindet sich sogar vollständig im Besitz der Aschendorff Medien GmbH & Co. KG und würde damit ebenfalls Teil des neuen Medienverbunds.

Für die Rheinische Post Mediengruppe bedeutet der Schritt eine zusätzliche Stärkung ihres ohnehin umfangreichen Engagements im NRW-Lokalfunk. Das Unternehmen ist bereits an zahlreichen Sendern beteiligt und würde durch die Integration der WMH-Anteile seine Position im nordrhein-westfälischen Lokalradiomarkt weiter ausbauen.

Johannes Werle (Bild: © Andreas Krebs / Rheinische Post Mediengruppe)Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Rheinischen Post Mediengruppe, Johannes Werle (Bild li.)sieht in der Übernahme vor allem eine strategische Investition in regionale Medienmärkte. Man bekenne sich damit „klar zum Potenzial von regionalem Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter“, erklärte Werle. Die hinzu kommenden Titel und Angebote sollten ihre „starke lokale Verankerung“ behalten, zugleich aber von digitalen Investitionen und der größeren Reichweite der Mediengruppe profitieren.

Auch die bisherigen WMH-Gesellschafter verweisen auf strukturelle Gründe für den Verkauf. Die mittelständische Struktur der Gruppe habe eine weitere Skalierung der Lokal- und Regionalzeitungsaktivitäten nur noch begrenzt ermöglicht, erklärten die bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter Benedikt Hüffer und Eduard Hüffer. Deshalb setze man für Zeitungs-, Radio- und Druckaktivitäten künftig auf „die Kraft eines größeren Verbundes“.

Kristian van Bentem (Bild: DJV NRW)Kritisch begleitet wird der Schritt vom Deutscher Journalisten-Verband. Dessen NRW-Vizevorsitzender Kristian van Bentem (Bild re.) bezeichnete die Übernahme als „Paukenschlag im Münsterland“. Mit Blick auf die zunehmende Medienkonzentration forderte er, trotz möglicher wirtschaftlicher Vorteile müsse „zumindest die redaktionelle Presse- und Meinungsvielfalt erhalten bleiben“.

Van Bentem fordert vom neuen Eigentümer zudem ein klares Bekenntnis zum Medienstandort und zu den Beschäftigten. „Wichtig ist, dass sich jetzt auch der neue Eigentümer dauerhaft zu den Arbeitsplätzen in der Region bekennt“, betont er. Nach Informationen des DJV arbeiten in der WMH-Gruppe rund 3.000 Beschäftigte, darunter etwa 250 Journalistinnen und Journalisten.

Bereits seit mehreren Jahren arbeiten beide Medienhäuser redaktionell zusammen. So bezieht die Münstersche Zeitung den überregionalen Mantelteil seit 2019 von der Rheinische Post Mediengruppe GmbH. Zuvor hatte die Zeitung nach der Übernahme durch den Aschendorff-Verlag ihre eigene Redaktion weitgehend verloren; der Lokalteil wird seither von den Westfälische Nachrichten zugeliefert. Die geplante Übernahme würde damit eine bereits bestehende inhaltliche Kooperation zwischen der Rheinischen Post und Teilen der heutigen Westfälische Medien Holding AG auch auf Unternehmensebene zusammenführen.

Beteiligungen der Rheinischen Post Mediengruppe am NRW-Lokalfunk (Bild: M. Schirmer / RADIOSZENE)

Sollte das Bundeskartellamt zustimmen, würde die Rheinische Post Mediengruppe zugleich zur auflagenstärksten Tageszeitungs-Verlagsgruppe in Nordrhein-Westfalen aufsteigen – und ihre Rolle als bedeutender Player im NRW-Lokalfunk weiter ausbauen.

Neue Radiobeteiligungen der RP

Antenne Münster
48,5 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
26,4 % über die MZ Medien Holding GmbH & Co KG (100,0 % Aschendorff Medien GmbH & Co. KG)
Radio RST
37,5 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
6,4 % über die MZ Medien Holding GmbH & Co KG (100,0 % Aschendorff Medien GmbH & Co. KG)
Radio WMW
10,0 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
3,0 % über die Fleißig Holding GmbH
Radio Kiepenkerl
100,0 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
Radio Bielefeld
3,8 % über die Westfalen-Blatt Vereinigte Zeitungsverlage GmbH & Co. KG
Radio WAF
7,7 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
Radio NRW
9,3 % über die PFD Pressefunk GmbH
3,1 % über die Aschendorff Medien GmbH & Co. KG
0,9 % über die MZ Medien Holding GmbH & Co KG
0,4 % über die Fleißig Holding GmbH

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