Eine der größten Radioshows Australiens, Kyle und Jackie O, ist beendet. Die am Dienstag veröffentlichte Mitteilung an die australische Börse ASX macht deutlich, dass es sich nicht um einen PR-Stunt handelt. Die Sendung ist tatsächlich nicht mehr auf Sendung. Stattdessen moderiert Kent Small nun die Frühstückssendung sowohl in Sydney als auch in Melbourne. (Da es sich um australisches Radio handelt, trägt auch er einen Spitznamen: „Smallzy“.)

Nun werden Arbeitsrechtler eingeschaltet, denn zwei der größten medienrechtlichen Auseinandersetzungen des Landes zeichnen sich ab – und die Situation droht zunehmend unübersichtlich zu werden. Jackie „O“ Henderson erklärte inzwischen, sie habe „weder gekündigt noch ihren Rücktritt erklärt“. Auffällig ist dabei, dass sie in ihrer Stellungnahme den Namen Kyle kein einziges Mal erwähnte.
Kyle, der sich auch vorübergehend von seinen TV-Verpflichtungen zurückgezogen hat, soll ebenfalls seine Anwälte vorbereiten. Im Raum steht eine Forderung von angeblich 88 Millionen Dollar (ca. 53 Mio Euro). Seine Argumentation könnte darauf hinauslaufen, dass ein ähnlicher Streit on air im vergangenen Jahr von ARN nicht als ernsthaft bewertet worden sei. Zudem basierte seine gesamte Show auf Kontroversen – und offenbar auf der etwas fragwürdigen Annahme, dass die Zensoren des Senders ein solches Streitgespräch hätten verhindern müssen. Eine ausführlichere Einordnung liefert der Podcast Game Changers Radio.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine sehr australische Nachricht. Tatsächlich wirft der Fall jedoch Fragen auf, die Radiomacher weltweit betreffen. Einige davon sind besonders relevant.
1. Extrem hohe Verträge
Kyle und Jackie O verfügten über einen enorm hoch dotierten Vertrag: Berichten zufolge rund 200 Millionen Dollar (etwa 121 Millionen Euro) für zehn Jahre. Ein Radio-Manager bezeichnete diese Summe schlicht als „Wahnsinn“. Der Vertrag wurde auf dem Höhepunkt der kommerziellen Radiokonjunktur vor einigen Jahren abgeschlossen. Seitdem sind die Werbeerlöse der Branche zurückgegangen, und dieser Deal wirkt heute vollkommen unrealistisch. Es liegt nahe zu vermuten, dass ARN nicht unglücklich darüber ist, nun einen Anlass zur Beendigung der Show zu haben. Einen Zehnjahresvertrag in der aktuellen Medienlandschaft abzuschließen, erscheint jedenfalls fahrlässig. ⇒ Wie lang sind eigentlich Ihre Verträge?
2. Zu viel Geld kann auch lähmen
Das garantierte Einkommen dürfte dazu beigetragen haben, dass Kyle und Jackie O mit der Zeit weniger motiviert waren, an der Spitze ihres Spiels zu bleiben. Dafür gibt es auch in Großbritannien Beispiele: Chris Evans zeigte sowohl bei BBC Radio 1 als auch später beim ursprünglichen Virgin Radio eine Phase von Nachlässigkeit und Desinteresse – was ihn letztlich bei beiden Sendern den Job kostete. Viele kreative Köpfe brauchen eine Herausforderung, um ihr Potenzial auszuschöpfen. Wenn ihnen jedoch extrem hohe Gagen geboten werden – in diesem Fall etwa 50.000 Dollar pro Sendung –, sinkt oft der Anreiz, besonders gut zu sein. Es reicht dann, einfach aufzutauchen. ⇒ Wie vergüten Sie Ihre kreativen Talente?
3. Wer hat die Kontrolle über Inhalte?
Berichten zufolge überließ der 200-Millionen-Dollar-Vertrag die komplette kreative Kontrolle Kyle. ARN konnte damit den Inhalt der Sendung kaum noch steuern. Auch hier gibt es Parallelen zu Chris Evans, der – wie im Podcast Breaking Breakfast geschildert – darauf bestand, die Inhalte seiner Show vollständig selbst zu bestimmen. Für einen Lizenzinhaber ist es jedoch entscheidend, Kontrolle über das eigene Programm zu behalten. ARN installierte zwar zwei „Zensoren“ in der Sendung, die problematische Inhalte verhindern sollten – aber was sich mit einer Verzögerung von 30 Sekunden tatsächlich noch korrigieren lässt, ist fraglich. ⇒ Wer hat bei Ihnen letztlich die Kontrolle?
4. Nebenprojekte können ablenken
Zur gleichen Zeit, als Jackie Henderson ihren 200-Millionen-Dollar-Vertrag unterschrieb, startete sie auch einen eigenen Podcast namens Her Best Life. Co-Moderatorin war ihre Talentmanagerin Gemma O’Neill, gemeinsam betrieben sie seit 2022 ein Projekt namens Besties. (Im Januar stieg Henderson dort wieder aus.) Zu behaupten, diese Podcasts hätten direkt mit der Radioshow um Hörer konkurriert, wäre naiv – auch wenn das manche in dieser Woche behaupteten. Allerdings konkurrierte das Projekt sehr wohl um die Aufmerksamkeit und Arbeitszeit von Jackie und Gemma. ⇒ Wann beginnt ein Nebenprojekt, den Hauptjob zu gefährden?
5. Eine schwache Medienaufsicht
Die australische Medienaufsicht ACMA verfügt nur über begrenzte Durchsetzungsmöglichkeiten. Seit einem Jahr untersucht die Behörde Inhalte der Sendung von Kyle & Jackie O, hat bislang jedoch weder Lizenzauflagen verändert noch Geldstrafen verhängt – obwohl ARN bereits vor mehr als drei Monaten Stellung genommen hat. Aus meiner Sicht stellt sich die Frage, ob die ACMA damit ihrer gesetzlichen Pflicht im Rahmen des Rundfunkrechts ausreichend nachkommt. Ich habe eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu ARN’s Stellungnahme gestellt – eigentlich müsste sie öffentlich sein. ⇒ Was macht die ACMA eigentlich? Und wer müsste dafür Verantwortung übernehmen?
6. Aktivisten gegen Werbekunden
Eine Gruppe namens Mad Fudging Witches (nicht ihr echter Name) führt seit längerer Zeit eine Kampagne gegen Werbekunden der Sendung. Unter dem Hashtag #VileKyle versuchen sie, Unternehmen davon zu überzeugen, ihre Werbung aus der Show abzuziehen. Auf ihrer Website listet die Gruppe 48 Werbekunden auf, die nach eigenen Angaben bereits abgesprungen sind. Es besteht wenig Zweifel daran, dass dies die Einnahmen von ARN belastet hat. In der Branche wurde diese Gruppe oft belächelt – zu Unrecht. Der Einfluss organisierter Öffentlichkeit ist real. ⇒ Wie markensicher ist Ihr Programm?
7. Nationalisierung ist nicht automatisch erfolgreich
Im vergangenen Jahr begann ARN, die Sendung aus Sydney gleichzeitig nach Melbourne zu übertragen. Eine nationale Verbreitung war eigentlich die einzige Chance, die enormen Kosten der Show wieder einzuspielen. Das Experiment erwies sich jedoch als klarer Fehlschlag. Einige Branchenbeobachter sehen darin einen Beweis dafür, dass Radio lokal sein muss, um erfolgreich zu sein. Andere argumentieren, dass die Sendung schlicht schlecht gewesen sei und das Publikum in Melbourne den seit Jahren gepflegten, eher pubertären Stil nicht gewohnt war. Ich neige zur zweiten Erklärung. ⇒ Wie wichtig ist Lokalität wirklich?
8. Ein neuer Star bei ARN
Der größte Radiostar bei ARN ist derzeit – bei allem Respekt für Kent Small – der Frühstücksmoderator von Gold: Christian O’Connell. Er sendet aus Melbourne und ist inzwischen auch in Sydney, Brisbane, Adelaide und Perth zu hören. In Melbourne ist er die Nummer eins. Sein Stil steht im krassen Gegensatz zur derben und oft anzüglichen Art von Kyle: O’Connell gilt als warmherziger, professioneller Moderator mit starkem Arbeitsethos und großer Motivation. Die ersten Einschaltzahlen erscheinen am 19. März. Die erste Erhebung des Jahres ist in Australien traditionell etwas ungewöhnlich, da sie sechs Wochen umfasst statt – wie im restlichen Jahr – zwei zusammengelegte Surveys. Besonders aufmerksam wird man auf die Zahlen aus Sydney schauen. ⇒ Wird der Brite den Australiern vielleicht etwas beibringen?
9. Was ist KIIS ohne Kyle & Jackie O?
Wenn KIIS nicht mehr von Kyle & Jackie O geprägt wird – was bleibt dann von der Marke? Einige Branchenbeobachter meinen, dass die Marke inzwischen so eng mit der Show verbunden sei, dass ein kompletter Neustart nötig wäre. Klar ist: In vielen Städten bewegt sich KIIS mit seinem Top-40-Format in einem extrem wettbewerbsintensiven Markt, in dem auch NOVA und die Hit-Stationen von SCA um das Publikum kämpfen. Der Sender Gold hingegen operiert in einem deutlich leichter zu dominierenden Segment mit potenziell größerem Publikum. Ich habe schon lange argumentiert, dass KIIS in Brisbane eigentlich nur noch digital verbreitet werden sollte – während die UKW-Frequenz 97.3 für Gold genutzt werden könnte. ARN wäre schlecht beraten, diese Möglichkeit zu ignorieren. ⇒ Wie stark hängt Ihre Sender-Marke von ihrem größten Star ab – und was passiert, wenn dieser geht?
Es ist eine spannende Zeit für das australische Radio. Allerdings gilt das derzeit für die gesamte Radiobranche. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen.
(Auszug aus Radioland: James Cridland’s radio newsletter vom 8. März 2026 und übersetzt mit Hilfe von ChatGPT.)

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine, berät eine Vielzahl von Radiosendern und veröffentlicht den täglichen Podcast-Newsletter podnews.net.
James hat über 30 Jahre bei Radiosendern in Großbritannien, Australien und Kanada gearbeitet; bei Virgin Radio UK entwickelte er die weltweit erste Radio-Streaming-App. Er lebt in Brisbane, Australien. https://james.cridland.net










