
Der Privatsender Radio Nordseewelle ist seit dem 1. März 2026 in Schleswig-Holstein nicht mehr über DAB+ zu empfangen. Das bestätigte Geschäftsführer Maik Neudorf im Gespräch mit RADIOSZENE. Er begründet den Schritt mit wirtschaftlichen und strukturellen Faktoren.
RADIOSZENE: Warum hat Radio Nordseewelle DAB+ in Schleswig-Holstein verlassen?

Maik Neudorf: Hintergrund ist vor allem eine klassische Kosten-Nutzen-Abwägung bei der technischen Verbreitung. Ursprünglich war von unserer Seite nicht vorgesehen, das gesamte Bundesland Schleswig-Holstein mit dem Programm zu versorgen. Aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen war es jedoch nicht möglich, die Verbreitung auf einzelne Teilregionen zu beschränken. Hinzu kommt, dass die mittelfristige Planung für den Markt Schleswig-Holstein derzeit nicht ganz einfach ist. Zwar gibt es politisch grundsätzlich Perspektiven für eine stärkere Digitalisierung der Radioverbreitung, gleichzeitig sind im Markt weiterhin unterschiedliche Positionen zur zukünftigen Rolle von UKW zu hören. Für uns bedeutet das eine gewisse Planungsunsicherheit. Dazu kommen aktuell spürbare Schwankungen im Werbemarkt.
RADIOSZENE: Wie würden Sie die beiden Übertragungswege heute bewerten? Erreichen Sie mit DAB+ genau so viele Hörer wie über UKW?
Maik Neudorf: Grundsätzlich sehen wir, dass sich die Nutzung über DAB+ positiv entwickelt. DAB+ hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen digitalen Verbreitungsweg entwickelt und wird zunehmend genutzt. Für einzelne Programme – etwa Radio Nordseewelle 2 – sehen wir deshalb auch eine sehr gute Entwicklung über diesen Verbreitungsweg. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass der Erfolg stark davon abhängt, ob eine Marke im jeweiligen Markt bereits etabliert ist. Im Kerngebiet funktioniert das sehr gut, in neuen Regionen ist zunächst deutlich mehr Aufbauarbeit notwendig. Die ma Audio weist die Nutzung nicht getrennt nach UKW und DAB+ für einzelne Sender aus. In der ma Audio werden Reichweiten grundsätzlich programmbezogen ausgewiesen. Das betrifft auch Radio Nordseewelle. Da Radio Nordseewelle 2 terrestrisch ausschließlich über DAB+ ausgestrahlt wird, lassen sich so gewisse Rückschlüsse auf die Entwicklung dieses Verbreitungsweges ziehen.
RADIOSZENE: Sind Ihrer Meinung nach DAB+ Only-Programme schwerer zu vermarkten als UKW-Only?
Maik Neudorf: Unsere Erfahrung zeigt, dass digitale Programme besonders dann gut funktionieren, wenn sie auf einer bereits etablierten Marke aufbauen können. Unser zweites Programm profitiert beispielsweise stark davon, dass der Name Radio Nordseewelle im Kerngebiet bereits bekannt ist. In Märkten ohne diese Markenbasis ist deutlich mehr Aufbauarbeit notwendig – sowohl in der Kommunikation als auch im Vertrieb.
RADIOSZENE: Gestern ist ja die ma IP Audio 2026 erschienen, bei der Radio Nordseewelle durchschnittlich 734.458 Sessions pro Monat im letzten Quartal von 2025 erreichte. Wie lassen sich diese Zahlen zusätzlich vermarkten?
Maik Neudorf: Unsere Online-Angebote entwickeln sich insgesamt sehr positiv, auch wenn wir im vierten Quartal eine kleine Delle gesehen haben – auch als Folge des Hackerangriffs in diesem Zeitraum. Gleichzeitig beobachten wir sehr deutlich, dass gerade jüngere und nachwachsende Zielgruppen Radio überproportional über digitale Wege nutzen. Diese Entwicklung sehen wir auch bei unseren eigenen Nutzungszahlen. Digitale Empfangswege über Apps, Websites, Smart Speaker oder im vernetzten Auto gewinnen auch für Radio Nordseewelle deshalb immer mehr an Bedeutung. Die digitalen Reichweiten vermarkten wir inzwischen ebenfalls gezielt regional – zum Beispiel über programmbezogene Kampagnen. Für unsere regionalen Werbekunden eröffnet das neue Möglichkeiten in der Audiowerbung, weil Kampagnen deutlich genauer ausgesteuert und besser messbar sind. Entsprechend sehen wir, dass dieser Bereich für Radio Nordseewelle zunehmend an Bedeutung gewinnt und sich auch wirtschaftlich sehr positiv entwickelt.
RADIOSZENE: Wie ist die Resonanz auf Radio Nordseewelle 2, wie entwickeln sich dort die Hörerzahlen?
Maik Neudorf: Radio Nordseewelle 2 entwickelt sich sehr positiv und etabliert sich zunehmend im Markt. Das Programm ist eine gute Ergänzung zum Hauptprogramm von Radio Nordseewelle und spricht durch seinen musikalischen Schwerpunkt bewusst eine etwas ältere Zielgruppe an. Damit grenzt es sich klar vom Hauptprogramm ab – profitiert aber gleichzeitig im Kerngebiet von der starken Marke „Radio Nordseewelle“. Wie gut sich das Programm auch in den Reichweiten entwickelt, werden wir mit den nächsten Zwischenzeugnissen der Media-Analyse am Ende des Monats genauer sehen.
RADIOSZENE: Herr Neudorf, vielen Dank für das kurze Gespräch.










