In Großbritannien will die Medienaufsichtsbehörde Ofcom strengere Vorgaben für lokale Nachrichten im analogen Hörfunk einführen. Wie das Branchenportal RadioToday berichtet, sollen Inhaber lokaler AM- und UKW-Lizenzen künftig verpflichtet werden, werktags zwischen 6 und 19 Uhr lokale Nachrichten auszustrahlen.
Nach Angaben der Regulierungsbehörde müssen diese Inhalte zumindest teilweise von Journalistinnen und Journalisten recherchiert werden, die tatsächlich in den jeweiligen Regionen vor Ort arbeiten. „Diese lokalen Nachrichten müssen aus Meldungen bestehen oder solche enthalten, die von Journalistinnen und Journalisten vor Ort in den jeweiligen Regionen recherchiert wurden.“ Den betroffenen Veranstaltern bleibt in der Regel ein Jahr Zeit, die neuen Anforderungen umzusetzen.
Der Schritt betrifft einen Radiomarkt, der sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Viele lokale analoge Frequenzen in Großbritannien dienen heute vor allem als Verbreitungsweg für nationale Programme großer Radiogruppen. Dazu gehören Angebote des Medienunternehmens Global wie Heart, Capital oder Smooth, ebenso Programme der Bauer Media Group wie Hits Radio und Greatest Hits Radio. Auch Nation Broadcasting verbreitet sein Programm Nation Radio über zahlreiche lokale Frequenzen. Diese Stationen senden bereits lokale Nachrichten, Wetter und Werbung.
Nach Einschätzung von Ofcom könnte die neue Vorgabe für die Branche zusätzliche Kosten verursachen. Die Behörde beziffert den Mehraufwand auf rund 340.000 Pfund jährlich, umgerechnet etwa 400.000 Euro.
Für manche Anbieter könnte sich daher eine andere Option anbieten: die Rückgabe ihrer analogen Lizenz. Hintergrund ist der strukturelle Wandel bei der Radionutzung im Vereinigten Königreich. Nur noch 25,4 Prozent der gesamten Hörzeit entfallen auf AM- oder UKW-Empfang, während der überwiegende Teil über DAB oder Onlineplattformen genutzt wird.
Zugleich ist eine Verbreitung über lokale DAB-Multiplexe – die inzwischen rund 42 Prozent der gesamten Radionutzung erreichen – nicht daran gebunden, dass ein Anbieter auch eine analoge Lizenz im jeweiligen Gebiet besitzt. Sender können ihre AM- oder UKW-Frequenz daher ohne größere Nachteile aufgeben. Tatsächlich sind bereits mehrere AM-Programme eingestellt worden, ohne dass Ofcom die entsprechenden Lizenzen neu ausgeschrieben hat.
Ein Beispiel dafür lieferte im vergangenen Jahr Nation Radio: Als Reaktion auf eine Ofcom-Konsultation zur lokalen Nachrichtenversorgung gab der Veranstalter seine Lizenz im walisischen Ceredigion zurück.
Die verschärften Vorgaben kommen nur wenige Wochen nachdem die britische Regierung eine Überprüfung der Zukunft von UKW- und Mittelwellenrundfunk angekündigt hat. Beobachter sehen darin einen möglichen weiteren Schritt, der langfristig das Ende der analogen Radioverbreitung im Vereinigten Königreich beschleunigen könnte.
(Auszug aus Radioland: James Cridland’s radio newsletter vom 1. März 2026 und übersetzt mit Hilfe von ChatGPT.)

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine, berät eine Vielzahl von Radiosendern und veröffentlicht den täglichen Podcast-Newsletter podnews.net.
James hat über 30 Jahre bei Radiosendern in Großbritannien, Australien und Kanada gearbeitet; bei Virgin Radio UK entwickelte er die weltweit erste Radio-Streaming-App. Er lebt in Brisbane, Australien. https://james.cridland.net








