
In Schweden verliert NRJ seine landesweite UKW-Lizenz. Die schwedische Medienbehörde hat eine der drei nationalen Frequenzketten neu vergeben – mit weitreichenden Folgen für den bisherigen Platzhirsch im jungen Musiksegment. Künftig bleibt NRJ nur die Option, sich um regionale Sendelizenzen zu bewerben, die in einigen Monaten ausgeschrieben werden.
Hintergrund ist ein Systemwechsel bei der Vergabe der nationalen Lizenzen. Während die drei Programme früher im Rahmen einer Auktion an den jeweils Höchstbietenden gingen, setzt die schwedische Medienbehörde inzwischen auf ein inhaltlich orientiertes Auswahlverfahren („Beauty Contest“). Entscheidend ist damit nicht mehr allein die Finanzkraft, sondern das publizistische Konzept.
Für die neue Lizenzperiode 2026 bis 2034 vergab die Behörde zwei Genehmigungen ausdrücklich an Musikprogramme. Diese gingen an Kilohertz AB mit Rix FM sowie an Bauer Media Audio Filial mit Mix Megapol. Die dritte Lizenz war laut Ausschreibung für „Inhalte, die derzeit im kommerziellen Radio nicht vertreten sind“ vorgesehen. Den Zuschlag erhielt ausgerechnet die Boulevardzeitung Aftonbladet, die ein nachrichtenbasiertes kommerzielles Radioprogramm aufbauen will.
Die Entscheidung bedeutet faktisch das nationale Aus für NRJ, das seit Einführung des kommerziellen Radios 1993 in Schweden sendet und nach eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Hörer erreicht. Zu den bekanntesten Programmen zählt die Morgenshow „NRJ morgon“ mit Sofia Wistam und Anis Don Demina.
Geschäftsführer Richard Mazeret sprach von einer „Schocknachricht“; man sei „traurig und wütend“, zudem seien Arbeitsplätze in Gefahr. Der Sender will nun prüfen, ob regionale Sendelizenzen gesichert werden können, die im Frühjahr vergeben werden.
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Bemerkenswert ist dabei die historische Ironie: Aftonbladet begann im 19. Jahrhundert mit scharfer Kritik am schwedischen König. Dieser reagierte wiederholt mit Verboten der Zeitung. Das Blatt erschien daraufhin jeweils unter leicht verändertem Namen – „Neues Aftonbladet“ bzw. „Noch neueres Aftonbladet“ – und wurde erneut untersagt. Insgesamt wurde die Zeitung 26 Mal neu gegründet, bevor die Obrigkeit die Verbotsstrategie offenbar aufgab. Regulierung und publizistischer Eigensinn standen sich schon damals gegenüber. Nun ist es erneut eine regulatorische Entscheidung, die den Markt neu ordnet – diesmal jedoch nicht gegen eine Zeitung, sondern zulasten eines etablierten Radiosenders, so James Cridland in seinem aktuellen Newsletter.
Laut Angaben der schwedischen Medienbehörde sei die Frequenzvergabe auch unter Effizienzgesichtspunkten erfolgt. Wenn Radio Aftonbladet national senden wolle, müsse ein bisheriger Anbieter weichen. Die Wahl sei auf NRJ gefallen, da die Frequenzen möglichst effektiv genutzt werden sollten. Das Konzept eines nachrichtengetriebenen Privatradios sei zwar „eine Art Wagnis“, man halte Aftonbladet jedoch für einen Akteur, der eine solche Initiative erfolgreich umsetzen könne.
Aftonbladet-Publisher Lotta Folcker sprach von einem „historischen Schritt“ in den nationalen Hörfunk. Die Lizenz tritt am 1. August 2026 in Kraft, der Sendestart ist ebenfalls für diesen Termin geplant. Es handele sich um eine der größten Investitionen des Hauses seit vielen Jahren und um einen klaren Ausdruck des Anspruchs, mehr Menschen im Alltag mit Journalismus zu erreichen.
Quellen: Aftonbladet sowie Branchenberichte, u. a. James Cridland.










