Große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio (Teil 4)
The Trend is your Friend! Weiter weisen zahlreiche Untersuchungen Radio als wichtigen Kompass und Orientierungshilfe für den Musikkonsum der Menschen aus. Wie aber entwickelt sich die Musik im Radio? Welche Genres dominierten im vergangenen Jahr – und noch interessanter – welche Trends sind in diesem Jahr zu erwarten? RADIOSZENE stellte hierzu den Musikverantwortlichen der Sender im deutschsprachigen Raum zu Jahresbeginn 2026 folgende Fragen:
RADIOSZENE stellte hierzu den Musikverantwortlichen deutscher Hörfunkstationen zu Jahresbeginn 2026 folgende Fragen:
- Welches waren in 2025 die angesagten Musiktrends im Radio in Ihrem Sendegebiet? (Welche Genres haben an Bedeutung gewonnen, welche verloren)
- Werden sich diese Richtungen fortsetzen beziehungsweise sind bereits neue Trends in Sicht?
- Welche Künstler*innen (Etablierte wie Newcomer) haben Sie zuletzt am meisten beeindruckt?
- Die Künstlichen Intelligenz war auch ein zentrales Thema bei der Musikgestaltung im Radio. Erste Sender strahlen bereits KI-generierte Musik in ihren Sendezeiten aus. In wie weit beeinflussen diese Technologien bereits Ihre Arbeit? Wo sehen Sie Chancen, wo die Grenzen?
Die Antworten der Entscheider aus den Musikredaktionen lieferten eine Vielzahl interessanter Hinweise auf die aktuellen und kommenden Musikströmungen. Wegen der hohen Beteiligung veröffentlichen wir die Antworten in vier Etappen.
Wolfgang Domitner, HITRADIO Ö3, Musikchef
1) Es gibt keine wirklich einheitlichen Musiktrends mehr, selbst im sogenannten Mainstream nicht. Ich spreche hier nur für den für unsere Art von Radio relevanten Bereich. Große Marktrends, wie die anhaltende Stärke von elektronischen Stilen, Metal, Alternative, Queer Pop, K-Pop und deutschsprachigem Rap und Hip Hop lasse ich hier außen vor, da sie nur ausnahmsweise im Mainstream Radio stattfinden.
Es gibt keine wirklich einheitlichen Musiktrends mehr
Aber wenn man die für Ö3 relevanten Tendenzen am Radiomarkt analysiert, kommt man doch zu einigen Aussagen:
- Aktuelle Musik verliert generell für den Gesamtmarkt an Bedeutung, der Katalog der besten Pop- und Rock Songs aus den vergangenen Jahrzehnten gewinnt immer mehr an Relevanz.
- Die große Bewegung im aktuellen Mainstream Pop ist eine die Entwicklung von rhythmischen Sounds (EDM etc) hin zu song-orientiertem, oftmals akustischem oder soul-getränktem Pop, purem Pop mit 80s und 90s Referenzen und modern produziertem Rock.
- Pop ist insgesamt endlich auch stark von selbstbewussten, weiblichen Acts geprägt. Der Erfolg von Mega-Acts wie Lady Gaga, Lana del Rey und allen voran Taylor Swift ermutigte nachhaltig viele neue Sängerin, die ihrerseits nun bereits Superstar Status erreicht haben. Sabrina Carpenter, Olivia Dean, Chappell Roan, Raye etc, jedes Jahr kommen neue Erfolgsstorys dazu.
- Die Relevanz der sogenannten Deejay Acts hat im Radio-Pop weiter verloren, Ausnahmen wie David Guetta, Lost Frequencies oder Purple Disco Machine haben ihre Sounds stark in Richtung organische Songs weiterentwickelt.
- Nationale deutschsprachige Acts (auch mit Dialektfärbung) bleiben am Österreichischen Radiomarkt relevant und produzieren inzwischen verlässlich große und vom Publikum akzeptierte Radiohits.
- Das junge Musikpublikum (unter 30) bezieht seine Impulse für Musikkonsum nicht mehr so stark durch Radio wie früher.
- Die vielen parallel laufenden Pop-Tendenzen finden dafür global statt. Das ist sicher durch die großen Player im Streaming Business getrieben.
2) Es kommt insgesamt zum Glück immer etwas anders, als man vermuten könnte, das macht unsere Arbeit weiterhin spannend und unberechenbar.
3) Am meisten hat mich das doch sehr bestimmte, von Haltung geprägte Auftreten vieler Künstlerinnen bei der Grammy Verleihung, oder auch im Rahmen des Super Bowl beeindruckt. Es hat gezeigt, dass Pop noch immer gesellschaftspolitische Relevanz hat.
4) Wir informieren uns natürlich über alle relevanten KI-Tools und testen diese testweise, um möglichen Nutzen zu evaluieren. Natürlich werden hier auch Musikplanungs-, Produktions-, und Research-Tools weiterentwickelt.
KI-generierte Musik: Ich spreche aber hier nur über für uns relevante Musik. Und da ich empfinde persönlich bisher die mir bekannte, KI-generierte Musik nicht wirklich als verwendbare Musik im klassischen Sinne, sondern als ein Musik-ähnliches Ersatzprodukt. Warum sollen wir kreativen Menschen das nach Jahrtausenden plötzlich brauchen?
Mir ist aber auch klar, dass diese Produktionsweise insgesamt nicht zu stoppen sein wird, und wir mit vielen hybriden Produktionsformen konfrontiert sein werden. Auch glaube ich, dass inzwischen vieles im Umlauf ist, das gar nicht als „KI generiert“ gekennzeichnet ist.
Bei den Genres im Radio hat der Country-Hype des Vorjahres wieder nachgelassen
Sven Steiner, HITRADIO OHR, Musikredaktion

Auffällig in Sachen Charts war auch in diesem Jahr, dass einige ältere Songs durch Social Media wieder auf höhere Plätze kamen (oder zuletzt auch wieder durch Einsätze in Filmen, oder Serien wie „Stranger Things“).
Erfreulich war in diesem Jahr, dass es viele Newcomer gab, die den Durchbruch in die oberen Charts-Regionen geschafft haben – zum Beispiel Olivia Dean, Sombr, Alex Warren oder Gracie Abrams.
Zwar keine typische Mainstream-Radiomusik, aber: Gefreut hat mich auch sehr, dass es ein gebürtiger Ortenauer, unser früherer Kollege Yannick alias Fayan, mit „Verliebt in mich“ bis in die Top 20 der Single-Charts geschafft hat.
2) Wünschenswert wäre es, dass sich der Trend mit den Newcomern fortsetzt und so weiter für „frischen Wind“ gesorgt wird, um es mal etwas abgedroschen zu formulieren. Weitergehen dürfte sicherlich das vermehrte Wiedersehen in den Charts mit alten Hits durch TikTok & Co.
3) Neben den Newcomern, die 2025 durchgestartet sind, greife ich hier jetzt mal auf bekannte Namen zurück:
Dass Taylor Swift nach „The Tortured Poets Department“ im Vorjahr auch 2025 erneut mit „The Life Of A Showgirl“ Platz 1 der Album-Jahrescharts abgeliefert hat, ist beachtlich. Und das mit Songs, die nicht nur was für die Fans sind, sondern die auch von Kritikern gelobt werden.
Beeindruckend ist auch die enorme Bandbreite, die Lady Gaga mitbringt. Von der Ballade bis hin zu Dance-Pop hat sie wieder abgeliefert: Zuerst ab Herbst 2024 das grandiose Bruno-Mars-Duett „Die With A Smile“, dann ein gelungenes Album und mit „Abracadabra“ gleich ein weiterer Top-Hit im typischen Gaga-Style.
4) In der Musikplanung kommt KI aktuell bei uns nicht zum Einsatz. Vermutlich werden die Hersteller der Softwareprogramme im Lauf der Zeit verschiedene Tools einbauen, um die Programme entsprechend zu ergänzen.
Wichtig aus meiner Sicht aber, dass solche möglichen Vorschläge innerhalb der Programme nicht nur automatisiert verarbeitet werden, sondern nochmal durch die Hände des Musikredakteurs gehen und ggf. überarbeitet werden, bevor der fertige Musikplan des Tages dann steht.
Ein klares Profil ist wichtiger, als jedem Trend hinterherzulaufen
Greta Stichert & Bojan Milojevic, KISS FM, Musikverantwortliche

Getrendet haben bei uns Künstler wie Pashanim oder Tyla, die den Spagat zwischen Street-Credibility und melodischem Sound perfektioniert haben.
2) Ausblick 2026: Internationaler R’n’B und urbane Beats auf Deutsch. Für das kommende Jahr prognostizieren wir eine weitere Schärfung des Profils:
- Deep R’n’B: Der Sound wird souliger, emotionaler und internationaler beeinflusst.
- Deutsche Beats: Weg von generischen Beats, hin zu individuellen Produktionen mit Haltung.
- Profil vor Trend: Wir sehen, wer konsequent agiert gewinnt. Ein klares Profil ist wichtiger, als jedem Trend hinterherzulaufen.
In einer Welt voller Copy-Paste-Acts zählen für uns Persönlichkeit, Wiedererkennungswert und Haltung.
3) 2025 haben wir besonders Künstler wie Pashanim, Ski Aggu und Ritter Lean gefeiert, die mit ihrem Berliner Sound dominierten – außerdem Durchstarter wie Lacazette, ZAH1DE und Benno!, sowie WizTheMC mit seinem „Good Vibes Only“-Afrobeat.
Globale Gamechanger waren Acts wie Kendrick Lamar sowie Tyla, die HipHop und R’n’B auf ein neues Level gehoben haben.
4) Mensch vs. Maschine: KI bleibt im Hintergrund: Während die Diskussion um generative KI die Branche spaltet, bleibt KISS FM bei einer klaren Linie. KI wird als Support-Tool im Backend geschätzt, hat aber im kreativen Kern des Musikprogramms keinen Platz.
Persönlichkeit, Wiedererkennungswert und die menschliche Auswahl sind das, was KISS FM ausmacht. Wie stark KI die Musikproduktion langfristig verändert, beobachten wir nüchtern, aber bei uns bleibt der ‚Human Factor‘ entscheidend.
Es ist wohl für jeden von uns erschreckend, wie perfekt KI-Musik klingt
Verena Bartsch, RADIO & SUCCESS, Verantwortlich für Musikplanung

Parallel dazu behauptet sich deutschsprachige Musik, vor allem moderner Pop und melodischer Rap (zum Beispiel Nina Chuba, Apache 207). Mainstream Sender tun sich damit aber immer noch schwer. Im Aufwind sind zudem Latin- und Afrobeats-Einflüsse inspiriert durch Streaming und Social Media.
2) Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt: Pop-/Dance-Hybride mit klaren Hooks bleiben sehr stark vertreten.
Außerdem wird der Anteil an deutschsprachiger Musik weiter wachsen.
Handgemachte Songs mit Emotionen und garantiert ohne KI werden noch mehr Fahrt aufnehmen. Dass sich der Country-Trend aus Amerika noch weiter fortsetzen wird, bezweifle ich allerdings.
3) International überzeugen mich aktuell vor allem Taylor Swift und Lady Gaga. Diese beiden Künstlerinnen schaffen es immer wieder, Pop weiterzuentwickeln – und gleichzeitig Titel zu liefern, die im Radio hervorragend funktionieren. Auch wenn man momentan das Gefühl hat, alles schon mal irgendwo gehört zu haben.
4) Es ist wohl für jeden von uns erschreckend, wie perfekt KI-Musik klingt.
Nachts eingesetzt, sparen KI-Titel GEMA-Kosten ein.
KI ist für uns aber vor allem ein Werkzeug im Hintergrund: Wir nutzen sie für Musik- und Trendanalysen sowie Recherche. Mittlerweile ist KI aus unserem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken.
Der Musikmarkt wird sich durch KI auf jeden Fall neu erfinden. Künstliche Intelligenz versus Bauchgefühl – es bleibt spannend!
Insgesamt werden wieder mehr organische Sounds voraussichtlich auch 2026 an Bedeutung gewinnen
Matthias Zähler, BREMEN NEXT, Musikchef

2) Insgesamt werden wieder mehr organische Sounds voraussichtlich auch 2026 an Bedeutung gewinnen.
3) Der britische Producer Fred Again, der sich mit immer wieder überraschenden Kollabos zwischen diversen elektronischen Stilen bewegt, dabei immer seinen eigenen Sound hat und damit auch noch äußerst erfolgreich ist!
4) Direkt beeinflussen KI die Arbeit noch nicht, aber das wird sich in naher Zukunft höchstwahrscheinlich ändern. In welchem Umfang, bleibt abzuwarten. Es werden hier in Zukunft auf jeden Fall immer wieder Fragen aufgeworfen, was zum Beispiel Senderechte et cetera angeht. Den Fall hatten wir gerade zum ersten Mal mit „I run“ von Haven, weil die Vocals in der ersten Version offensichtlich KI-generiert waren. Insgesamt können wir davon ausgehen, dass das Thema KI im Bereich Musik und auch musikredaktioneller Arbeit weiter Fahrt aufnehmen wird!
Bei den sozialen Medien wird Musik heute intensiv entdeckt, geteilt und genutzt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Erst durch das Radio bekommen viele Songs eine größere Reichweite
Vivian Pickelmann, 104.6 RTL, Leitung Musikredaktion ACR

Ein Beispiel dafür ist EDM: Dieses Genre befindet sich weiterhin auf dem Rückzug, was sich auch im vergangenen Jahr bestätigt hat. Gleichzeitig zeigen einzelne Künstler wie David Guetta, dass sich erfolgreiche Songs und etablierte Künstlerprofile weiterhin gegen diesen Trend behaupten können.
Wenn man von einem übergeordneten Trend sprechen möchte, dann ist es der, dass Genregrenzen für unsere Hörerinnen und Hörer zunehmend an Bedeutung verlieren. Ein Hit ist ein Hit – ganz gleich, ob er aus dem Pop, Afrobeat, einer Ballade oder aus dem EDM kommt. Radio spielt dabei eine wichtige Rolle, indem es diese Vielfalt für ein breites Publikum erlebbar macht.
2) Ich hoffe sehr, dass sich die Tendenz zur Vielfalt in der Musik auch bei 104.6 RTL weiter fortsetzt. Genau diese Mischung aus unterschiedlichen Sounds, Stimmungen und Einflüssen macht unser Programm spannend.
Was wir weiterhin klar beobachten, ist der wachsende Einfluss der sozialen Medien. Dort wird Musik heute intensiv entdeckt, geteilt und genutzt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Erst durch das Radio bekommen viele Songs eine größere Reichweite. Wenn wir Titel aufgreifen, die online bereits emotional berühren, können daraus echte Hits werden.
Dabei ist es oft gar nicht entscheidend, wie neu ein Song ist. Viel wichtiger ist, wie stark er die Menschen emotional abholt. Radio spielt hier eine besondere Rolle, weil es Musik einordnet und in den Alltag der Hörer integriert – und genau daraus entsteht diese nachhaltige Bindung zwischen Song und dem Radiohörer.
3) Für 104.6 RTL setzt Lady Gaga immer wieder Maßstäbe. Sie beeindruckt durch ihre enorme Vielseitigkeit: Ob mit der Ballade „Die With a Smile“ gemeinsam mit Bruno Mars oder mit ihrer Dance-Single „Abracadabra“ – Lady Gaga schafft es, Songs zu veröffentlichen, die sowohl im Radio als auch im Streaming gleichermaßen funktionieren. Diese Breite macht sie für unser Programm besonders spannend.
Auch Taylor Swift hat im vergangenen Jahr erneut gezeigt, warum sie zu den konstantesten Künstlerinnen unserer Zeit gehört. Obwohl ihr aktueller Song „The Fate Of Ophellia“ erst Anfang Oktober erschienen ist, zählt er bereits zu den beliebtesten Titeln unserer Hörerinnen und Hörer im Jahr 2025. Das unterstreicht, wie stark ihre Musik im Radio verankert ist.
Ed Sheeran bleibt ebenfalls ein fester Bestandteil unseres Programms und ist bei unseren Hörern weiterhin sehr beliebt – seine Songs funktionieren generationenübergreifend und zeigen, wie nachhaltig Radiopräsenz wirken kann.
Ergänzt wird das Bild durch spannende Newcomer, so konnten etwa Lola Young, Alex Warren oder Chappell Roan Künstlerinnen und Künstler, die ihren ersten großen Radiohit feiern. Ihr Sound war nicht klassisch „auf Radio programmiert“, hat aber genau deshalb überzeugt. Das zeigt, dass Radio offen für neue, authentische Musik ist und solchen Songs eine breite Bühne geben kann.
4) Künstliche Intelligenz ist definitiv ein spannendes Thema. Besonders große Chancen bietet sie bei wiederkehrenden alltäglichen Tätigkeiten, da diese effizient automatisiert und unterstützt werden können.
Auch bei der Auswertung und Bewertung von Marktforschung hat KI ihre klare Berechtigung. Gerade im sehr eng umkämpften Berliner Radiomarkt kann die Beobachtung des Wettbewerbs durch den Einsatz von KI deutlich effektiver und schneller erfolgen.
Grenzen sehe ich jedoch bei allen Themen, die kreative Inhalte betreffen. Kreativität, Emotion und Originalität sind weiterhin stark von menschlichem Denken geprägt. Hier hoffe ich sehr, dass die menschliche Komponente auch künftig den entscheidenden und dominierenden Einfluss behält.
Die Charts sind musikalisch bunter denn je. Diese Entwicklung schreitet seit Jahren immer weiter voran. Mainstream Pop, Indie, Deutschrap, EDM, Partyschlager – es gibt nicht DEN EINEN Trend, der alle anderen dominiert
Marc Möllmann, N-JOY, Musikchef

International hat vor allem handgemachte Musik aus den Bereichen Rock/Pop und Singer/Songwriter funktioniert: Lola Young, Myles Smith, Olivia Dean oder Benson Boone, um stellvertretend ein paar Namen zu droppen. Herausgeragt hat für mich Alex Warren, der dank „Ordinary“ und „Eternity“ ein absolutes Breakthrough-Jahr erlebt hat. Wer hätte gedacht, dass man mit melancholischen Emotions-Balladen 2025 so sehr die Airplay-Charts dominieren kann?
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung: Im EDM-Bereich ist die Pop-Dance-Dominanz vergangener Zeiten endgültig gebrochen. Stattdessen haben (UK-)House-Artists wie Disco Lines, Notion oder Chrystal mit ihren Hits bei unserem Publikum überzeugt. Außerdem hat sich der Afro-House-Trend aus dem Vorjahr auch in 2025 fortgesetzt.
2) 2026 scheint das Jahr der großen Weltstar-Comebacks zu werden. Bruno Mars und Harry Styles haben den Anfang gemacht – ihre neuen Songs und Tourankündigungen haben in den ersten Wochen des Jahres die Schlagzeilen bestimmt. Mal sehen, wer folgt.
Auffällig ist aktuell: Die Charts sind musikalisch bunter denn je. Diese Entwicklung schreitet seit Jahren immer weiter voran. Mainstream Pop, Indie, Deutschrap, EDM, Partyschlager – es gibt nicht DEN EINEN Trend, der alle anderen dominiert. Und immer häufiger erleben auch „alte“ Songs ihren zweiten Frühling und werden wieder zu aktuellen Hits, so wie gerade „Lush Life“ oder „End Of Beginning“.
3) WizTheMc! „Show Me Love“ – ein Afro-House/Amapiano-Welthit aus Deutschland. Das ist einfach eine schöne Geschichte, die mir viele positive Vibes gegeben hat. Zusammen mit seinen Produzenten Bees & Honey verkörpert Wiz die bunte, weltoffene Seite Deutschlands und ist damit ein toller Botschafter für unser Land.
4) Im NDR gibt es klare Regeln für den Umgang mit KI, die auf NDR.de öffentlich einsehbar sind. Unsere Musikredaktionen verfolgen aufmerksam die Entwicklungen rund um das Thema.
Classics stehen hoch im Kurs, Handgemachtes, Außergewöhnliches … alles was vertraut ist und emotionale Nähe schafft. Die Leute wollen wieder mitsingen können und nicht nur cool mit dem Kopf nicken
Torsten König, GONG 96,3, Leiter Musikredaktion
1) Der schleichende Niedergang von Rhythmic/Dance beziehungsweise EDM-Themen hat sich auch in 2025 weiter fortgesetzt. Was vor 1 bis 2 Jahren mit „Country-Pop“ begann und zunächst von Vielen nur als vorrübergehende Mode-Erscheinung abgetan wurde, kristallisiert sich immer weiter heraus: Die Hörer suchen nach „echter“ und „authentischer“ Musik, nach Emotion, wie zum Beispiel Künstler wie Alex Warren („Ordinary“) oder auch Benson Boone („Sorry I’m Here For Someone Else“) bewiesen haben. Aber auch klassischer Happy-Pop von Ed Sheeran („Azizam“) und Taylor Swift („Fate Of Ophelia“) werden von den Hörern in diesen krisenreichen Zeiten dankbar als Abwechslung wahrgenommen. Die oft eher kühlen und wenig nahbaren Club- und Dance-Sounds bestehen zu Teilen in der Nische weiter, sind aber als Massenphänomen weiter auf dem Rückzug.
2) Ich denke ja. Man sieht es auch an all diesen Retro-Revivals, ganz aktuell der 2016er-Throwback-Challenge: Die Leute sehnen sich nach der „guten alten Zeit“ – auch die Jungen! Classics stehen hoch im Kurs, Handgemachtes, Außergewöhnliches … alles was vertraut ist und emotionale Nähe schafft. Das gilt auch für aktuelle Newcomer zu denen wir ja gleich noch kommen. Die Leute wollen wieder mitsingen können und nicht nur cool mit dem Kopf nicken.
3) Da fällt mir sofort die großartige Raye ein. Das ist Emotion pur. Gut 15 Jahre nach Amy Winehouse’s „Valerie“ und Aloe Blacc („I Need A Dollar“) begeistert klassischer Soul wieder die Massen durch alle Zielgruppen hinweg. Aber auch Artists wie Olivia Dean („Man I Need“) oder auch ganz aktuell DJO, der ja praktisch ein Newcomer auf den zweiten Blick ist: Sein Überhit „End Of Beginning“ erschien bereits 2022 und ist nun im Mainstream dabei das erste große Ding 2026 zu werden. Da hat Social Media auch einen großen Anteil.
4) Der Einfluss von KI auf unser Leben und Alltag lässt sich nicht mehr wegdiskutieren und bringt ja auch viele Vorteile, Zeit- und Ressourcen-Ersparnis. Dort wo sie zum Einsatz kommt sollte KI jedoch unbedingt klar gekennzeichnet sein, damit sich die Menschen nicht „getäuscht“ fühlen. Es ist ein schmaler Grat, die vielen Vorteile der KI auszubalancieren gegenüber der Verunsicherung, die bei Menschen natürlich aufkommt, wenn sie sich nicht mehr sicher sein können, was echt ist und was nicht. Hier stehen wir Medienmacher in der Verantwortung.
Wir sagen den Musikentscheider*innen ein herzliches Dankeschön für ihre Teilnahme sowie die sehr inhaltsreichen und wertvollen Statements.
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