Deutsche Welle muss 21 Millionen Euro einsparen

Deutsche Welle (Bild: © DW)

Nach der Kürzung des Bundeszuschusses für die Deutsche Welle (DW) für das Jahr 2026 haben der Rundfunkrat, der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der DW in einer Sondersitzung der beiden Gremien ein umfassendes Maßnahmenpaket beraten, um die notwendige Einsparung von insgesamt 21 Millionen Euro umzusetzen. Der Griechisch-Dienst wird eingestellt, in anderen Sprachen wird das journalistische Portfolio reduziert.

Außerdem wird das deutschsprachige journalistische Angebot mit den Deutschlernkursen zusammengelegt. Zahlreiche Positionen im ganzen Haus werden gekürzt, die Investitionsmittel deutlich reduziert. Rechnerisch sind rund 160 Vollzeitstellen betroffen, die tatsächliche Zahl kann abweichen. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben.

Karl Jüsten (Foto: DW)
Karl Jüsten (Foto: DW)

Dr. Karl Jüsten, Vorsitzender des Rundfunkrates: „Die DW muss gerade in eingeschränkten Medienmärkten wie Russland und dem Iran eine starke Stimme der Freiheit bleiben. Dazu braucht sie langfristig eine solide Finanzierung. Als Folge der Kürzungen muss der Sender mit deutlichen Reichweitenverlusten rechnen. Das ist besonders bitter, da Russland und China ihre staatlichen Propagandasender massiv ausbauen und der Rückzug der Amerikaner aus dem Auslandsrundfunk weitere Lücken reißt. Durch die Kürzung der DW wird die deutsche und europäische Perspektive international geschwächt – und das in einer Phase, in der Europa dringend neue Partner und Verbündete sucht. Insbesondere die Schließung der Griechisch-Redaktion bedauern wir sehr. Die Sprache hat über 60 Jahre lang die deutsch-griechischen Beziehungen gestärkt und deutsche Perspektiven in Griechenland sichtbar gemacht. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht – die Einstellung wurde nicht ohne Gegenstimmen beschlossen. Leider machte der Sparzwang diese Entscheidung nötig.“

Dr. Achim Dercks, Vorsitzender des Verwaltungsrates: „Die jetzige Kürzung der DW kommt nur zwei Jahre nach einem bereits umgesetzten 20-Millionen-Sparpaket. Und sie steht im Widerspruch zu der von der Regierung im Koalitionsvertrag angekündigten Stärkung der DW. Ohne Wiederaufstockung der Mittel im Bundeshaushalt 2027 drohen wegen der Kostensteigerungen in nahezu allen Bereichen langfristige Schäden bei journalistischer Qualität, technischer Infrastruktur und Reichweite. Nur mit einer angemessenen Finanzierung kann die Deutsche Welle ihren wichtigen Beitrag zur freien Berichterstattung und gegen Desinformation erfolgreich leisten.“

Barbara Massing (Bild: © Ayse Tasci / DW)
Barbara Massing (Bild: © Ayse Tasci / DW)

Intendantin Barbara Massing: „Die durch Kürzung und fehlenden Tarifausgleich notwendigen Einsparungen sind äußerst schmerzhaft. Sie schwächen unsere Wettbewerbsfähigkeit in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger wird. Gleichzeitig werden wir die bereits vor Jahren eingeleitete Qualitätsoffensive und digitale Transformation in der DW weiter voranbringen, nun verlangsamt. Die DW gilt längst nicht nur in zensierten Märkten, sondern auch in Staaten, mit denen Deutschland derzeit strategische Partnerschaften sucht, als verlässliche und unabhängige Informationsquelle. Eine nachhaltige Finanzierung für die Zukunft ist entscheidend, damit wir unseren journalistischen Auftrag in einem hoch umkämpften globalen Informationsraum erfüllen können. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die notwendigen Weichen in einer gemeinsamen Anstrengung von Regierung und Parlament dafür gestellt werden müssen. Ich bin den Mitgliedern des Rundfunkrates und Verwaltungsrates sehr dankbar für ihre Rückendeckung, die sich in der Sitzung deutlich gezeigt hat.“

Der Zuschuss des Bundes zur DW wurde im Haushalt 2026 um 10 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro gekürzt. Durch einen fehlenden Ausgleich moderater Tarifsteigerungen aus dem bestehenden Tarifabschluss fallen gleichzeitig Mehrkosten von 11 Millionen Euro an. Deshalb muss die DW insgesamt 21 Millionen Euro einsparen. Die Einsparungen erfolgen möglichst sozialverträglich und entlang der strategischen Leitlinien der DW. Betroffen sind verschiedenste Bereiche der Organisation.

DW auf Griechisch wird eingestellt

Das journalistische Angebot der DW auf Griechisch wird eingestellt. Das Angebot hat die griechische Bevölkerung schon während der Militärdiktatur mit unabhängigen Informationen versorgt. Während der Eurokrise war DW Griechisch ein wichtiger Dialogkanal für Deutschland und deutsche Perspektiven in die griechische Bevölkerung hinein. Inzwischen ist Griechenland seit Jahrzehnten EU-Mitglied und eine stabile Demokratie, die über eine diverse Medienlandschaft verfügt, weshalb die DW hier einsparen muss.

Deutsch bei der DW wird neu aufgestellt: Das journalistische Angebot von DW Deutsch und DW Deutsch lernen werden zusammengelegt, mit nahezu halbiertem Budget. Unabhängiger Journalismus und integrierte Sprachlernelemente werden zu einem klar profilierten Gesamtprodukt verbunden, das insbesondere auf höhere Sprachniveaus (ab B1/B2) ausgerichtet ist. Es richtet sich an Zielgruppen außerhalb der DACH-Region – Deutschlands, Österreichs und der Schweiz -, etwa an Deutschlernende in der Vorintegration im Ausland, die ein verlässliches Informationsangebot zu Leben und Arbeiten in Deutschland und Europa suchen. Damit verbindet das Angebot journalistische Relevanz mit konkretem Orientierungswissen und vermittelt gleichzeitig sprachliche Kompetenz. Menschen, die so gut Deutsch sprechen, dass sie sich auf Deutsch aktuell journalistisch informieren, greifen digital auf die bekannten Marken deutschsprachiger Medien und Verlagshäuser zu.

Maßnahmen im journalistischen Portfolio

Das Budget für die Sprachangebote Portugiesisch für Afrika sowie Dari/Paschtu für Afghanistan sinkt. Die Ausgaben der spanischsprachigen TV-News werden reduziert, die Ausgaben zur Prime-Time bleiben bestehen. Komplett eingestellt werden das russischsprachige Satiremagazin Zapovednik (externe Produktion), das Kunst- und Kulturmagazin Arts Unveiled und das Debattenformat Auf den Punkt in allen Sprachversionen, außerdem das Wissenschaftsmagazin Tomorrow Today auf Portugiesisch (Zielland Brasilien), das Umweltmagazin Eco Africa auf Portugiesisch und das Europa-Magazin Europeo in allen sieben Sprachen.

Infrastruktur und Verwaltung

Mehr als ein Drittel der Gesamteinsparungen entfallen auf die Infrastruktur und Verwaltung sowie auf Kosteneinsparungen, die durch KI-Einsatz erzielt werden. Betroffen sind unter anderem Weiterbildungen und Veranstaltungen. Zudem werden Mittel für die technische Ausstattung, die Weiterentwicklung von DW-Apps und für Gebäudesanierungen gekürzt. Die Einrichtung neuer Auslandspräsenz wird verlangsamt. Auch in Produktion und Vertrieb müssen die Kosten weiter reduziert werden.


Die DW ist Deutschlands internationale Informationsanbieterin. Als unabhängiges Medienunternehmen bringt sie freie Nachrichten und Informationen in 32 Sprachen in alle Welt, damit Menschen selbstbestimmt Entscheidungen treffen können. Die TV-, Online- und Radioangebote der DW erreichen jede Woche 337 Millionen Nutzende.

Die DW Akademie bildet weltweit Journalistinnen und Journalisten aus, unterstützt die Entwicklung freier Medien und fördert die Verbreitung der deutschen Sprache durch kostenlose Lernangebote.

Quelle: Deutsche Welle-Verwaltungsrat

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