Im westfälischen Lokalfunk formiert sich eine bekannte Konstellation neu: Die audio media service Produktionsgesellschaft (AMS) aus Bielefeld und AUDIOSERVICE plus aus Hamm arbeiten nach mehr als vier Jahren wieder enger zusammen. Für die Sender in der Region ist das ein Schritt mit strategischer Bedeutung – auch wenn Hörerinnen und Hörer davon kaum etwas unmittelbar bemerken werden.
Kern der Vereinbarung ist eine personelle Verzahnung an der Spitze. Lars Gerdau, Geschäftsführer von AUDIOSERVICE plus, wird zweiter Geschäftsführer der AMS. Uwe Wollgramm bleibt weiterhin im Amt. Damit bündeln beide Häuser ihre Kompetenzen in Geschäftsführung und Vermarktung.
Gemeinsame Interessen, abgestimmte Perspektive

Welche konkreten Projekte folgen, wird derzeit abgestimmt. Im Gespräch sind unter anderem gemeinsame Gewinnspiele, koordinierte Sendestrecken oder perspektivisch auch wieder eine gebündelte Vermarktung. Eine solche Struktur existierte bereits bis 2021 unter dem Namen „Lokalfunk Kombi Westfalen“.
Nach außen soll die Kooperation allerdings kaum sichtbar sein. „Man wird nach außen es gar nicht merken“, so Schrotthofer. Die Programme bleiben eigenständig, die lokalen Marken bestehen fort.
Eigenständiger Kurs im NRW-Lokalfunksystem
Während auf Landesebene immer wieder strukturelle Veränderungen bis hin zu möglichen Zusammenlegungen von Verbreitungsgebieten diskutiert werden, setzt man in Ostwestfalen-Lippe auf Stabilisierung innerhalb der bestehenden Strukturen.
Die Landesanstalt für Medien NRW habe sich in Gesprächen offen gezeigt und einen ursprünglichen Plan angepasst, der die Fusion von vier Verbreitungsgebieten vorsah, berichtet Schrotthofer. Ziel sei es, möglichst viel an regionaler Struktur zu erhalten.
Dazu gehört auch die Bündelung von Infrastruktur. 2023 wurde in Bad Oeynhausen ein neues Funkhaus eröffnet, in das zunächst Radio Herford und Radio Westfalica einzogen (RADIOSZENE berichtete), später folgte Radio Lippe. 2024 entstand ein weiteres Funkhaus in Rheda-Wiedenbrück für Radio Gütersloh und Radio WAF. Redaktionelle Eigenständigkeit und technische Zusammenarbeit schließen sich dabei nicht aus.
Zwei-Säulen-Modell als Grundlage
Das nordrhein-westfälische Lokalfunksystem basiert auf dem bekannten Zwei-Säulen-Modell: Veranstaltergemeinschaften halten die Zulassung, Betriebsgesellschaften verantworten Wirtschaft, Infrastruktur und Vermarktung. Dieses Modell hat in den vergangenen Jahren Anpassungsfähigkeit bewiesen.
Schrotthofer verweist auf die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, die wesentlich dazu beigetragen habe, schwierige Phasen konstruktiv zu bewältigen. Das Engagement vor Ort habe „erstaunlich hohe Reichweiten und Identifikation der Menschen mit ihrem Lokalradio“ ermöglicht. Eine leistungsfähige lokale journalistische Infrastruktur bleibe daher zentral.
Wirtschaftlicher Druck, aber „das System ist tragfähig.“
Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen anspruchsvoller geworden. „Wir stehen unter Druck“, konstatiert Schrotthofer. Sinkende Vermarktungserlöse und geringere Ausschüttungen aus der landesweiten Werbung von Radio NRW wirken sich auf alle NRW-Lokalradios aus.
Dennoch zeigt er sich überzeugt: „Das System ist tragfähig.“ Die AMS habe gezielt in neue Studios und moderne Infrastruktur investiert. „Die Verlage müssen die Strukturen so entwickeln, dass das Lokalfunksystem finanzierbar bleibt“, fordert er. In Gesprächen mit „großartigen Teams, kreativen, vitalen Redakteuren“ erlebe er viel Engagement und zahlreiche Ideen für die Weiterentwicklung des Lokalfunks.
Wer ist beteiligt?
Die AMS vermarktet Lokalradios in Bielefeld sowie in den Kreisen Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke, Paderborn und Warendorf. AUDIOSERVICE plus ist für die Werbevermarktung in Hamm, im Märkischen Kreis und im Kreis Soest zuständig.
Vermarktung neu geordnet
Die aktuelle Kooperation steht im Kontext weiterer Veränderungen in der westfälischen Vermarktungslandschaft. Bis 2021 verantwortete die Westfälische Werbegesellschaft für privaten Rundfunk mbH (WWR) die Vermarktung unter anderem für Hellweg Radio, Radio Kiepenkerl, Radio Lippewelle Hamm und Radio MK.
2021 gründeten Lensing Media (Radio 91.2, Dortmund) und rubens (Antenne Unna) gemeinsam mit der WWR die Radiokooperation „audiowest“. Diese endete zum 31. Dezember 2023.

Die Marke audiowest wird von den beteiligten Medienhäusern für Antenne Unna, Radio 91.2 und Radio Vest weitergeführt. Parallel dazu kehrte die Vermarktungsverantwortung für Radio Lippewelle Hamm, Radio MK und Hellweg Radio Anfang 2024 zur WWR mbH zurück, die inzwischen in AUDIOSERVICE plus umbenannt wurde. Lars Gerdau wurde in diesem Zusammenhang zum neuen Geschäftsführer der AUDIOSERVICE plus berufen.










