Radio-Musikumfrage: „Nostalgie bleibt ein zentraler Faktor in Pop und R&B“

Große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio (Teil 3)

Große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio (Teil 3)

Zahlreiche Untersuchungen weisen Radio als wichtigen Kompass und Orientierungshilfe für den Musikkonsum der Menschen aus. Wie aber entwickelt sich die Musik im Radio? Welche Genres dominierten im vergangenen Jahr – und noch interessanter – welche Trends sind in diesem Jahr zu erwarten?

MusicMaster Musikumfragen 2026

RADIOSZENE stellte hierzu den Musikverantwortlichen deutscher Hörfunkstationen zu Jahresbeginn 2026 folgende Fragen:

  1. Welches waren in 2025 die angesagten Musiktrends im Radio in Ihrem Sendegebiet? (Welche Genres haben an Bedeutung gewonnen, welche verloren)
  2. Werden sich diese Richtungen fortsetzen beziehungsweise sind bereits neue Trends in Sicht?
  3. Welche Künstler*innen (Etablierte wie Newcomer) haben Sie zuletzt am meisten beeindruckt?
  4. Die Künstlichen Intelligenz war auch ein zentrales Thema bei der Musikgestaltung im Radio. Erste Sender strahlen bereits KI-generierte Musik in ihren Sendezeiten aus. In wie weit beeinflussen diese Technologien bereits Ihre Arbeit? Wo sehen Sie Chancen, wo die Grenzen?

Die Antworten der Entscheider aus den Musikredaktionen lieferten eine Vielzahl interessanter Hinweise auf die aktuellen und kommenden Musikströmungen. Wegen der hohen Beteiligung veröffentlichen wir die Antworten in vier Etappen.

Frank Menzel, RADIOEINS, Leitung Musik & Events

Frank Menzel (Bild: © rbb / Ralf Schuster)

1) Im Jahr 2025 setzte sich der Trend zum Genre-Mix noch deutlicher fort. Indie-Rock und Indie-Pop öffnen sich zunehmend elektronischen, post-club- und Ambient-Einflüssen. International geprägter Pop mit klarer Haltung, zeitgenössischer Soul, Alternative R&B und experimentelle Electronica gewinnen an Präsenz. Klassischer, hochgradig glatt produzierter Mainstream-Pop und reine Retro-Wellen vergangener Stilrichtungen ohne frische Impulse verlieren hingegen an Bedeutung.

Im Jahr 2025 setzte sich der Trend zum Genre-Mix noch deutlicher fort

2) Diese Entwicklungen werden sich fortsetzen. Zusätzlich ist eine stärkere Politisierung in der Popmusik zu beobachten, ebenso eine weitere Entgrenzung zwischen Club-, Kunst- und Popkontexten. Regionalität und internationale Diversität spielen dabei parallel eine größere Rolle, ohne dass sich die Musik stilistisch festlegt oder einengt. Vielfalt wird hier eher als Vorteil gesehen, nicht als bloße Kategorie.

3) Beeindruckt haben mich aktuell sowohl etablierte Acts, die sich hörbar weiterentwickeln, als auch NewcomerInnen mit klarer künstlerischer Haltung. Auffällig ist eine Generation junger KünstlerInnen, die ästhetisch mutig experimentiert, thematisch reflektiert und unabhängig von klassischen Genrelogiken arbeitet – oft international vernetzt, aber mit einer sehr eigenen Stimme.

Dazu gehören zuletzt KünstlerInnen, die musikalische Eigenständigkeit mit klarer Haltung verbinden wie Fuffifufzich aus Berlin mit ihrem experimentellen Pop zwischen Elektronik, Performance und Humor. Tristan Brusch (Berlin) mit kunstvoll artifiziellem Indie-Pop mit chansonhaften, elektronischen Elementen. Und ebenfalls aus Berlin: Betterov mit einem emotional aufgeladenen Indie-Pop, sowie die Kölnerin Stefanie Schrank mit avantgardistischem Pop und sanfter Elektronik.

International fielen mir unter anderem Dry Cleaning (UK) mit ihrem post-punkigen Indie-Rock und Spoken-Word-Ansatz auf, Geese aus den USA mit wildem, genreoffenem Indie-Rock, der Amerikaner Tyler Ballgame mit experimentellem Indie-Folk-Pop und elektronischem Einschlag sowie Balu Brigada aus Neuseeland mit ihrem modernem Indie-Pop zwischen Rock und Elektronik.

Bei den etablierten Acts überzeugen weiterhin Dev Hynes alias Blood Orange (UK/USA) mit urbanem Soul- und Art-Pop, der australische Musiker Kevin Parker alias Tame Impala mit psychedelischem Electro-Pop und Rock, Durand Jones & The Indications (USA) mit ihrem zeitgemäßem vor allem lässigen Retro-Soul, die Londonerin Olivia Dean mit ihrem beeindruckenden Neo-Soul, weiterhin die US amerikanischen Bands The Neighbourhood mit düsterem Alternative-Rock-Pop und Khruangbin mit ihrem global inspirierten Funk- und Psychedelic-Sound.

Was all diese Acts verbindet: eine klare Handschrift, Offenheit in Sound und Stilistik und kulturelle Relevanz. Genau das, was für das Musikverständnis von radioeins zentral ist.

4) KI-Technologien spielen vor allem in Recherche, Analyse und Produktionsprozessen eine Rolle. Als Werkzeug können sie kreative Prozesse unterstützen oder beschleunigen. Für ein kuratiertes, journalistisch verstandenes Musikprogramm wie bei radioeins liegen die Grenzen jedoch klar dort, wo Haltung, Kontext, Autorenschaft und kulturelle Relevanz gefragt sind. KI kann Inspiration liefern, ersetzt aber weder künstlerische Intention noch redaktionelle Verantwortung.


Ein Genre, das jahrzehntelang als nicht relevant fürs kommerzielle Radio abgetan wurde, scheint in Österreich gefragter und präsenter als je zuvor: Rock

Wolfgang Pammer, kronehit, Head of Music Design

Wolfgang Pammer (Bild © Michael Kramer)

1) Ein Genre, das jahrzehntelang als nicht relevant fürs kommerzielle Radio abgetan wurde, scheint in Österreich gefragter und präsenter als je zuvor: Rock (jahrelang ein Schimpfwort in vielen Musikredaktionen)!

Weiterhin hoch im Kurs ist und bleibt das Recyceln von bereits dagewesenen Hits (bevorzugt die der 1980er) in tik tok-gerechter Kürze mit möglichst neuem Songtitel (zur Ablenkung!).

Auffallend auch noch das immer mehr werdende Verschmelzen von Schlager und Techno, kurz „Schlechno“.

Sehr out hingegen scheint R’n’B, nicht mehr ganz so gefragt außerdem die New-Country-angehauchten Sachen á la Dasha, Myles Smith, Beyonce et cetera.

2) „Female Empowerment“-Songs werden weiterhin auf dem Vormarsch sein (Nina Chuba, Tate McRae, Brigitte Bardot), aber der ganz große Zukunftstrend liegt in einer Musikrichtung, die tief in unserer DNA verankert ist: Blasmusik! Die Renaissance der Blasmusik ist vor allem in Österreich dermaßen unüberhörbar, dass neben dem „Woodstock der Blasmusik“ nun auch ein „Electric Blas“-Festival sowie ein „Nova Blas“ in Planung scheinen! Aber nicht nur die Blasmusik, sondern heimische, sprich österreichische Popmusik in all ihren Facetten steht so hoch im Kurs wie noch nie – das bekommen wir durch die große Resonanz auf unseren hauseigenen digitalen Radiosender ROT WEISS ROT tagtäglich zu spüren, der sich dankenswerterweise überraschend gut etablieren hat können!

3) In Österreich hat sich ein Künstler namens RIAN durch clevere Wortspiele und gelungener Situationskomik in Songform einen großen Namen machen können. Auf internationalem Parkett scheinen Chappell Roan und Raye die angesagtesten Namen zu sein, während Lady Gaga, Eminem und auch Bruno Mars endlich wiederauferstanden sind – erfolgreich, was sonst! Nachwuchspianist Sir Elton John hat ein wunderbares Album in Zusammenarbeit mit Brandi Carlile abgeliefert, während sich die Rolling Stones erst heuer wieder mit neuem Material melden werden…

4) Ich starte mit einer Gegenfrage:  Lässt sich überhaupt noch unterscheiden zwischen KI-generierter Musik und „handproduzierter“ Musik? Wenn ja, dann nicht mehr lange…

Unsere Erfahrungen in etlichen musikalischen Bereichen haben gezeigt, dass sich KI noch als sehr unbeständig und nicht konstant präsentiert – der Anteil an Falschinformation ist noch sehr hoch, sodass man am Ende erst wieder alles händisch überarbeiten muss!

Schwierigkeiten bereiten uns als Musikredaktion außerdem an uns übermittelte Musikproduktionen, deren menschlicher Anteil quasi gleich Null ist – schon einige Male sind wir auf gänzlich „unechte“ Einsendungen reingefallen! Auch hier gilt’s zu lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen!

Ich bleibe aber optimistisch und denke, dass es nur mehr eine Frage der Zeit sein wird, bis KI endgültig den Bereich RADIO in allen Bereichen übernehmen kann und damit überflüssige, überbezahlte und überschätzte Radiomenschen endgültig ersetzbar werden – bis dahin wünsch ich uns allen noch ein frohes RRD (Rest-Radio-Dasein) und viel Ohrenzwinkern!


Bei 89.0 RTL blicken wir auf ein sehr dynamisches Popjahr zurück

Dominika Palka, 89,0 RTL, Verantwortliche Musikredakteurin

Dominika Palka (Bild: © 89.0 RTL)

1) Bei 89.0 RTL blicken wir auf ein sehr dynamisches Popjahr zurück. Neben etablierten Weltstars wie Lady Gaga, Ed Sheeran oder Bruno Mars haben zahlreiche Newcomer mit starken Pophits überzeugt. Zu den Favoriten gehörten unter anderem Lola Young und Alex Warren, die früher nicht zum klassischen Repertoire eines Jugendsenders gezählt hätten.

Gleichzeitig bleibt bei den Hörer:innen von 89.0 RTL die Leidenschaft für klassische EDM-Songs groß: David Guetta mit Sia, Robin Schulz oder Felix Jaehn gehören nach wie vor fest zu unserer musikalischen DNA. Die Grenzen zwischen den Musikformaten verschwimmen zunehmend; die 89.0 RTL Community ist offen für Kontraste und feiert neben Partyhits ebenso die großen Balladen.

2) Wir gehen davon aus, dass sich die Auflösung starrer Genregrenzen 2026 weiter fortsetzen wird. Sonderformate wie der 89.0 RTL Freaky Friday erfreuen sich wachsender Popularität und zeigen, dass unsere Hörer:innen vielen Musikstilen gegenüber aufgeschlossen sind und sich vor allem über große Hits freuen – das Genre ist zweitrangig.

Als starke Marke wird 89.0 RTL mit klaren Erwartungen eingeschaltet. Diese beziehen sich jedoch in erster Linie auf Qualität und Verlässlichkeit und schließen eine hohe musikalische Offenheit nicht aus, sondern unterstützen sie.

3) 2025 hat die starke Position von Nina Chuba und Apache 207 auf dem deutschen Musikmarkt weiter gefestigt. Ihre Songs funktionieren formatübergreifend und sind auch im Radio fest etabliert. Beeindruckend ist, dass sie Hörer:innen unterschiedlichster Generationen erreichen und begeistern. Sie sind längst keine Nische mehr, sondern eine Benchmark für den neuen deutschsprachigen Popmainstream.

4) Künstliche Intelligenz hat einen wachsenden Einfluss auf unsere Arbeitsabläufe in der Musikredaktion und kann diese spürbar erleichtern, indem sie Rechercheprozesse beschleunigt und inhaltlich erweitert. So schafft sie Freiräume für kreative Aufgaben. In dieser Funktion begrüßen wir die Entwicklung ausdrücklich und setzen uns gleichzeitig dafür ein, dass die menschliche Kreativleistung in der Musikwelt weiterhin geschützt bleibt, weil sie die Grundlage für echte Innovation ist. Aus heutiger Sicht ist eine belastbare Prognose über die langfristigen Auswirkungen von KI auf die Musikwelt kaum möglich. Umso wichtiger ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die menschliche Kreativität auch künftig eine zentrale Rolle in der Musikwelt spielt und nicht hinter rein wirtschaftlichen Interessen zurücktritt.


Ein Trend, der sich sicherlich auch kommendes Jahr [2026] fortsetzen wird, ist die Auferstehung des ein oder anderen Backpool-Tracks, gepusht durch TikTok und Streaming

Alexander Koubik, DASDING, Teamleitung Musik

Alexander Koubik 2025 (Bild: © SWR DASDING)

1) Auf unserer Playliste lief vieles was auch schon 2024 vertreten war. Generell ging der Trend noch etwas mehr zu den Popthemen, welche aber von Tate McRae über Taylor & Raye bis hin zu sombr alle sehr unterschiedliche musikalische Einflüsse haben und auch so klingen.

Ansonsten lief auch 2025 weiterhin viel junge deutschsprachige Musik bei DASDING, von Nina Chuba, Zartmann, Pashanim, Jazeek und viele mehr.

2) Captain Obvious, aber ein Trend, der sich sicherlich auch kommendes Jahr fortsetzen wird, ist die Auferstehung des ein oder anderen Backpool-Tracks, gepusht durch TikTok und Streaming.

Das klassische „Radio-Dekaden-Jahreszahl-Rotationsdenken“ wird dem mittlerweile nicht mehr ganz gerecht und damit die richtige Rotation von vermeintlich älteren aber aktuell angesagten Titeln zunehmend wichtiger.

3) Persönlich, aufgrund ganz unterschiedlichster Aspekte: sombr, Fred again…, Ikkimel, Royal Otis, RAYE, Apsilon, Blond, BUNT. und Rolf Zuchowski.

4) Nicht nur bezogen auf die Arbeit spielt neben der rechtlichen auch die moralische, philosophische & gesellschaftliche Auseinandersetzung eine immer größere Rolle.
Wann ist ein KI-Tool kreatives Werkzeug? Wann untergräbt & ersetzt es die Existenz von Artists? Wie wird fair vergütet und an wen? Was muss gekennzeichnet werden?
Je nach Einsatzbereich stellen sich viele Fragen, einige werden auch schon beantwortet, aber es bleibt noch viel Raum für Diskussion. KI ist schon – und wird noch mehr – fester Bestandteil der Musikindustrie und Musikproduktion. Ja nach Bereich sicherlich in unterschiedlichen Ausprägungen und mit unterschiedlicher Akzeptanz.


Disco-, Soul- und Funk-Sounds à la Olivia Dean oder RAYE gewinnen weiter an Bedeutung und die Songs werden gefühlt wieder länger

Simone Freund-Bergholz (Bild: © Yves Sucksdorff)Simone Freund-Bergholz*, ON AIR PLAY, Director Of Music

1) Die Musiktrends im Radio 2025 waren insgesamt deutlich vielfältiger als in den Vorjahren. Besonders an Bedeutung gewonnen haben moderner Soul, R&B und Afrohouse. Auffällig war zudem eine stärkere Orientierung an 80s-Elementen wie Synthesizern, funkigen Gitarren und handgespielten Instrumenten. Elektronische Produktionen waren nicht mehr so im Fokus, stattdessen dominierten eher organischere Songs. Dance-Pop mit 90er- und 2000er-Referenzen und leichtere Hip-Hop-Einflüsse waren bei unseren jüngeren Sendern beliebt. Genregrenzen verschwimmen zunehmend, viele Songs lassen sich nicht mehr so eindeutig zuordnen. Zusätzlich sorgte Social Media erneut für ein Revival älterer Titel, die wieder in die Musikrotationen zurückkehrten.

2) Diese Entwicklungen werden sich auf jeden Fall fortsetzen. Disco-, Soul- und Funk-Sounds à la Olivia Dean oder RAYE gewinnen weiter an Bedeutung und die Songs werden gefühlt wieder länger. Nostalgie bleibt ein zentraler Faktor in Pop und R&B. Gleichzeitig verschmelzen Pop, Dance, R&B, Afrobeats und Latin immer mehr miteinander. Der anhaltende Y2K-Trend prägt weiterhin sowohl Mode als auch Musik.

3) Auf jeden Fall ganz viele weibliche Künstlerinnen wie RAYE, Olivia Dean, Sienna Spiro, Lady GaGa, Taylor Swift und Rosalía.

4) Der Einsatz von KI in der Musikproduktion nimmt zu, ist jedoch nicht immer leicht erkennbar. Hörbar fehlt KI-generierter Musik aber oftmals emotionale Tiefe. Gleichzeitig bietet KI auch Chancen, indem sie den menschlichen USP – Leidenschaft, Haltung und Unvorhersehbarkeit – stärker hervorhebt. Die Grenze liegt dort, wo echte Emotionen entstehen: Musik im Radio oder generell Musik, muss berühren und eine Verbindung, Identifikation schaffen. KI kann und soll auch unterstützen, aber menschliche Erfahrung und Verantwortung nicht ersetzen, insbesondere bei der Auswahl neuer, unbekannter Künstler*innen.

* Simone Freund-Bergholz ist director of music von ON AIR PLAY. Die auf Musikstrategie, – Planung, Artist / Lable Relation und Künstlerbooking spezialisierte Dienstleistungsunit der THE FARM GmbH fungiert als Musikkompetenzzentrum für nationale Radiomarken wie Radio BOB! und 80s80s sowie starke regionale Player wie R.SH oder RADIO PSR. Rund 350 Radiokanäle diverser Musikformate werden von ON AIR PLAY für Mandanten in ganz Deutschland tagtäglich mit individuell geplanter Musik bespielt.


Ethisch halte ich es für höchst problematisch eine KI von urheberrechtlich geschützten Titeln lernen zu lassen ohne entsprechende, wie auch immer geartete Beteiligung der ursprünglichen Künstler

Andreas Schmitt, HITRADIO ANTENNE 1, Leiter Musikredaktion

Andreas Schmitt (Bild: ANTENNE 1)1) So wirklich neue Trends haben sich bei uns nicht abgezeichnet. Wie schon im vorherigen Jahr dominierten tanzbarer Pop aus „Produzentenhand“ und Folk- bezheihungsweise Country-Pop. Es war außerdem das Jahr der „üblichen Verdächtigen“ wie Taylor Swift, Ed Sheeran, Lady Gaga, Nico Santos und Kamrad. Allerdings stelle ich fest, dass der von DJs produzierte Dancepop langsam zugunsten eines wieder eher konservativ produzierten Popsounds abnimmt. Sehr internationale Produktionen und Künstler wie Sabrina Carpenter, Raye und Olivia Dean melden sich auch deutlich im Markt zu Wort.

2) Ich denke neben dem mittlerweile schon wieder etablierten „Handmade – Pop“ werden die poppigeren RnB und Urban Sounds eine wichtige Rolle spielen. Deutschpop ist mittlerweile für uns irrelevant. Es wird aber auf jeden Fall spannend sein zu beobachten, wie das sehr junge deutschsprachige Segment im Mainstream etablieren kann.

3) Raye ist da für mich ganz vorne zu nennen. Aber auch das fulminante Live-Comeback von Linkin Park finde ich bemerkenswert. Ebenfalls im Livesegment fand ich die Performance von Sleep Token überraschend, vielseitig und sehr bemerkenswert. Tiffany Aris und ihre bemerkenswerte Stimme darf hier auch nicht vergessen werden. Ich denke von ihr wird man auch nach „Breathe“ noch einiges hören.

Zu guter Letzt hat mich dann auch noch ein ganz alter Hase sehr beeindruckt. Bonnie Raitt hat endlich mal wieder hier im Südwesten gespielt und gezeigt, dass sie sich keineswegs auf alten Grammy-Lorbeeren ausruht.

4) Ich glaube dass die Versuchung groß ist, aus Kostengründen KI generierte Songs im Programm zu spielen. Was ich da bisher gehört habe klingt mittlerweile auch nicht wesentlich anders wie herkömmliche Popmusik. Allerdings fehlt letztlich immer noch der „Hit-Appeal“, der die Hörer zum dranbleiben animiert. Noch scheint mir der „KI-Hit“ eher belanglos, und Belanglosigkeit ist sicher ein Abschaltfaktor. Wohin sich das noch entwickelt bleibt abzuwarten. Ich verweise auf den Countryhit „Walk my way“.

Ethisch halte ich es für höchst problematisch eine KI von urheberrechtlich geschützten Titeln lernen zu lassen ohne entsprechende, wie auch immer geartete Beteiligung der ursprünglichen Künstler. Rechtlich ist das ja momentan noch Grauzone. Ich hoffe hier auf eine verbindliche Klärung. Sobald das Thema Urheberrecht geklärt sein wird, ist meiner Meinung nach der Einsatz solcher Titel weit weniger attraktiv. Dann ist nur noch die Qualität des einzelnen Songs relevant, und so soll es auch sein.


Authentischer, handgemachter Pop mit Charakter schlägt Fließband-Dance

Liliana Kissimov, 94,3 RS2, Musikverantwortliche & Music Manager Digital

Liliana Kissimov (Bild: © 94,3 rs2)1) Authentischer, handgemachter Pop mit Charakter schlägt Fließband-Dance: Während Gute-Laune-Dance-Pop 2025 an Bedeutung verloren hat, eroberten Künstler wie Alex Warren, Hozier und Sombr mit akustischer Instrumentierung und stimmlicher Präsenz das AC-Format.

Moderner Country-Crossover (Beyoncé, Shaboozey) war 2025 weiterhin prägend,scheint seinen Zenit jedoch allmählich überschritten zu haben.

Die Pop-Giganten Lady Gaga, Taylor Swift und Ed Sheeran blieben verlässliche Key-Artists im Mainstream.

2) Für dieses Jahr kündigt sich ein echter Sound-Wechsel an: Soul-Revivals:  Künstlerinnen wie Olivia Dean und Sienna Spiro bringen eine emotionale Tiefe zurück, die das neue Radiojahr prägen wird. Pop-Comebacks: Bruno Mars und Harry Styles melden sich nach langer Pause mit neuen Alben zurück und sind mit ihren Singles „I Just Might“ und „Aperture“ direkt ganz oben in die Radio-Charts eingestiegen. Es darf erwartet werden, dass sie mit ihren neuen Songs neue Impulse setzen und an ihre großen Erfolge anknüpfen. Deutsche Acts: Während Artists wie Leony und Michael Schulte mit englischsprachigen Songs und Kollaborationen erfolgreich sind, wartet die Branche auf den nächsten großen Impuls für deutschsprachigen Pop.

3) Von den neuen Acts haben uns insbesondere die rasante Entwicklung von Alex Warren und die unkonventionelle Art einer Lola Young beeindruckt. Bei den etablierten Künstlerinnen und Künstlern bleibt Lady Gaga nach einem starken Album- & Tour-Jahr die unangefochtene Königin. Diese Artists haben 2025 mit ihrem uniquen Sound und ihrer starken Performance unsere Playlist erobert und unseren Musikmix bereichert.

4) Wir setzen KI aktiv ein, um Workflows zu optimieren und Daten noch effizienter zu nutzen. Aber Musikgestaltung ist mehr als ein Algorithmus – es ist das Gespür für den richtigen Song zum richtigen Zeitpunkt. Während wir KI als Support-Tool verwenden, bleibt das finale Kuratieren der Playlist und des Sounds unseres Senders bei uns bewusst in menschlicher Hand.

Fortsetzung folgt!

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