Die von der BBC unterstützten Pläne, das terrestrische Fernsehen (DTT/Freeview) bis Ende 2034 abzuschalten und vollständig auf internetbasierte Verbreitung umzustellen, sorgen in der britischen Radiobranche für erhebliche Unruhe. Kommerzielle Anbieter warnen vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen für nationale und lokale Programme.

Hintergrund ist, dass Digitalradio über dieselbe Senderinfrastruktur verbreitet wird wie das digitale Antennenfernsehen. Sollten TV-Veranstalter aus dem DTT-Betrieb aussteigen, würden die verbleibenden Radiostationen nach Einschätzung des Branchenverbands Radiocentre einen Großteil der bislang gemeinsam getragenen Kosten für Masten, Wartung und Energie übernehmen müssen. Der Verband rechnet mit massiven Mehrbelastungen, die für zahlreiche Anbieter nicht darstellbar seien.
Betroffen wären unter anderem nationale Marken wie Classic FM, Magic, Heart, Smooth Radio und Virgin Radio UK. Besonders kritisch äußert sich Boom Radio, das nach eigenen Angaben mehr als 700.000 Hörer erreicht.
Boom Radio-Mitgründer Phil Riley warnt, dass bei einem Wegfall der TV-Zahlungen die gesamten Standort- und Betriebskosten der Sendemasten auf die Radiosender entfielen. Wenn bislang drei Viertel der Infrastrukturkosten vom Fernsehen getragen worden seien, drohten für Radiounternehmen eine Verdopplung oder gar Verdreifachung der Ausgaben. Gerade kleinere, unabhängige Stationen mit geringen Margen könnten diese Belastung nicht auffangen und müssten ihren Sendebetrieb einstellen.
Zudem verweist Riley darauf, dass DAB weiterhin eine zentrale Rolle spiele, unter anderem im Auto, und für Programme wie Boom die „Lebensader“ sei. Ältere Zielgruppen seien nicht ohne Weiteres auf reine Online-Nutzung umstellbar.
Auch das Department for Digital, Culture, Media and Sport (DCMS) prüft die möglichen Auswirkungen einer DTT-Abschaltung auf die Radioverbreitung. Branchenvertreter fordern, bei allen Digitalstrategien die wirtschaftliche Tragfähigkeit des terrestrischen Hörfunks zu berücksichtigen, um ein Sendersterben zu verhindern.
Quellen: MSN, inews








