Am 13. Februar wird weltweit der World Radio Day begangen. Der Aktionstag wurde von der UNESCO initiiert und von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt. Er würdigt die besondere gesellschaftliche Rolle des Radios – als verlässliche Informationsquelle, als Begleiter im Alltag und als verbindendes Medium über kulturelle und soziale Grenzen hinweg. Das internationale Motto 2026 lautet: „AI is a tool, not a voice.“ Im Mittelpunkt steht damit nicht die Technologie, sondern der Mensch hinter dem Mikrofon.

Radio schafft Vertrauen – nicht die Technologie
Künstliche Intelligenz eröffnet auch dem Hörfunk neue Möglichkeiten: bei der Produktion, der Strukturierung von Inhalten, bei Recherchen oder bei der Distribution. Gleichzeitig macht die UNESCO deutlich, dass Vertrauen nicht durch Algorithmen entsteht, sondern durch journalistische Verantwortung, Einordnung, Kreativität und echte Stimmen.
Wird KI ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt und dient sie der Unterstützung professioneller redaktioneller Entscheidungen sowie dem öffentlichen Auftrag, kann sie dazu beitragen, die Beziehung zwischen Radiostationen und ihrem Publikum zu vertiefen. Technologie allein baut jedoch kein Vertrauen auf – das leisten Radiomacherinnen und Radiomacher.

Anlässlich des World Radio Day 2026 stellt die UNESCO Sendern weltweit konkrete Unterstützungsangebote zur Verfügung. Dazu zählen Testmöglichkeiten für innovative KI-Werkzeuge, Schulungs- und Austauschformate mit internationalen Partnern, visuelle Kommunikationsmaterialien in allen sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen sowie eine KI-Roadmap mit zwölf praxisorientierten Empfehlungen, die Radiostationen helfen sollen, typische Risiken beim KI-Einsatz zu vermeiden.
„Radio ist überALL“ – die Kampagne der Radiozentrale
In Deutschland greift die Radiozentrale das Leitmotiv des Welttags auf – mit einer bewusst zugespitzten Perspektive. In einer aktuellen Kampagne wird mithilfe von KI die Frage gestellt, wie Radionutzung im Weltall aussehen könnte. In kurzen Spots sind außerirdische Wesen bei ganz alltäglichen Tätigkeiten zu sehen – beim Spülen, in der Werkstatt, beim Pendeln oder bei der Gartenarbeit.

Die Botschaft ist klar: Die Herausforderungen des Alltags sind universell – und auch der Nutzen von Radio wäre es. Radio liefert Information, Orientierung und Stimmungsaufhellung. Authentizität, Nähe und Einordnung bleiben dabei die entscheidenden Faktoren.
Während es naturgemäß keine Nutzungsdaten vom Mars gibt, liegen für Deutschland belastbare Zahlen vor. Rund 53 Millionen Menschen schalten hierzulande täglich Radio ein, das entspricht einer Tagesreichweite von etwa 75 Prozent. Für viele ist Radio ein fester Bestandteil ihres Tagesablaufs.
Grit Leithäuser, Geschäftsführerin der Radiozentrale, bringt den Kern der Kampagne auf den Punkt: Künstliche Intelligenz könne Inhalte zusammenführen, aber Radio lebe davon, dass echte Menschen für echte Menschen sprechen, ihren Alltag teilen, einordnen und begleiten. Gerade diese menschliche Nähe mache Radio glaubwürdig – und sei der Grund, warum Radio auch in völlig neuen Kontexten funktionieren würde.
Hier geht´s zu allen Videos der Aktion Radio ist überALL.
Radio wirkt: Neue Zahlen der egta zum World Radio Day
Zum World Radio Day 2026 beteiligen sich auch die egta sowie die World Radio Alliance an der internationalen Initiative. Unter dem Motto ‚Radio – The Sound of Connection‘ Emotion, Attention‘ wurden neue globale Daten zur Wirkungskraft des Radios als PDF veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen unter anderem: Radio erreicht weltweit rund neun von zehn Menschen pro Woche, gilt als eines der vertrauenswürdigsten Medien und erzeugt starke emotionale Bindung sowie hohe Werbeerinnerung .
Radio erreicht plattformübergreifend den größten Anteil an der täglichen Hördauer

Legende:
Dunkelblau: Live-Radio (UKW / Mittelwelle / DAB / Internet / TV)
Pink: Musik (CDs, MP3s )
Grün: Musik-Streaming / Music on demand (z.B. Spotify)
Beige: Podcasts
Hellblau: Online Musikvideos (z.B. YouTube)
Weiß: Andere
Weltradiotag und Digitalisierung: DAB+ als Fundament der Zukunft
Parallel zum internationalen Aktionstag rückt auch die technologische Weiterentwicklung des Hörfunks in den Fokus. Der internationale Branchenverband WorldDAB hat anlässlich des World Radio Day 2026 die vollständig überarbeitete zweite Auflage seines Fach-E-Books „Establishing DAB+ Digital Broadcast Radio“ veröffentlicht.
Der Leitfaden behandelt den gesamten Einführungsprozess von DAB+ – von ersten Planungen über regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bis hin zum operativen Betrieb und zur späteren Abschaltung analoger Verbreitungswege. Neu aufgenommen wurden unter anderem Inhalte zu hybriden Radiodiensten, zum Sicherheitsdienst Automatic Safety Alert (ASA), zu Regulierungs- und Lizenzierungsmodellen sowie zur kostenoptimierten Planung von Senderstandorten. Ergänzt wurden außerdem internationale Fallbeispiele und Erfahrungen aus laufenden Digitalisierungsprozessen.
WorldDAB sieht den Leitfaden sowohl als Unterstützung für Länder, die DAB+ neu einführen, als auch für Märkte, die sich bereits in fortgeschrittenen Phasen der Digitalisierung befinden.
Ein Medium mit Geschichte – und hoher Anpassungsfähigkeit
Der Welttag des Radios ist zugleich Anlass, den langen Entwicklungsweg des Mediums in Erinnerung zu rufen. Als historischer Meilenstein gilt die Weihnachtssendung des kanadischen Ingenieurs Reginald Fessenden im Jahr 1906, bei der erstmals Sprache und Musik drahtlos übertragen wurden.
In den 1920er-Jahren entstanden feste Programmanbieter und nationale Netzwerke, etwa mit der Gründung von NBC in den USA im Jahr 1926. In Europa prägten frühe Sendestandorte wie der Eiffelturm in Paris und der Berliner Funkturm den Aufbruch des Rundfunks. In Deutschland entwickelte sich Radio rasch zu einem der ersten elektronischen Massenmedien – niedrigschwellig, reichweitenstark und unabhängig von Bildung oder sozialem Status nutzbar.
Mit der Einführung von DAB+ begann in Deutschland eine neue Phase der Digitalisierung des Hörfunks. Digitalradio ermöglicht mehr Programme, stabileren Empfang, zusätzliche Datendienste und eine deutlich effizientere Nutzung der Frequenzen. Auf Nutzerseite wächst die Akzeptanz: rund 40 Prozent der deutschen Haushalte verfügen inzwischen über mindestens ein DAB+ fähiges Radiogerät (vgl. Audio Trends 2025).
Podcasts ergänzen den klassischen Hörfunk als zeitunabhängige, digitale Erweiterung. Sie stehen nicht im Widerspruch zum Radio, sondern erweitern dessen Angebotsformen und Erzählweisen – dort, wo Menschen heute hören: mobil, individuell und on demand.
„Radio ist eines der anpassungsfähigsten Medien überhaupt“, sagt Carine Chardon, Geschäftsführerin der GFU Consumer & Home Electronics GmbH. „Von den ersten Funksignalen bis zum digitalen Hörfunk hat es sich immer wieder neu erfunden. Digitales Radio steht für diese Weiterentwicklung: für Qualität, Vielfalt und Zukunftssicherheit – und dafür, dass Radio auch in den kommenden Jahrzehnten eine zentrale Rolle im Medienmix spielen wird.“
DAB+ und Krisenkommunikation: Radio als resiliente Infrastruktur
Neben Programmvielfalt und Nutzerkomfort gewinnt ein weiterer Aspekt zunehmend an Bedeutung: die Rolle des Radios als resiliente Informationsinfrastruktur in Krisensituationen. In Deutschland steht dabei insbesondere der neue DAB+ basierte Sicherheitsdienst Automatic Safety Alert (ASA) im Fokus.
ASA ermöglicht es, Radiogeräte im Notfall automatisch aus dem Standby-Betrieb zu aktivieren. Warnmeldungen lassen sich regional gezielt ausspielen und durch ergänzende Text- und Bildinformationen erweitern. Das System arbeitet netzunabhängig und bleibt auch dann funktionsfähig, wenn Mobilfunk- oder Datennetze teilweise oder vollständig ausfallen.
Gerade großflächige Stromausfälle und Netzstörungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell internetbasierte Kommunikationswege an ihre Grenzen geraten können, während der terrestrische Rundfunk weiterhin sendefähig bleibt. Der Bundesweite Warntag 2025 hat die Praxistauglichkeit von ASA-fähigen Geräten bestätigt.
Vor diesem Hintergrund lautet die Empfehlung für 2026: Ein Notfallradio sollte DAB+ unterstützen und möglichst über die ASA-Funktion verfügen.
Die Einführung und Erprobung des Systems wird vom Digitalradio Büro Deutschland koordiniert. International rückt das Thema resiliente Rundfunkinfrastruktur ebenfalls stärker in den Fokus. So ruft das United Nations Office for Disaster Risk Reduction weltweit zu Projekten auf, die Warn- und Informationssysteme über Radio nachhaltig stärken.
Großbritannien überprüft den künftigen Verbreitungsweg des Radios
Wie stark sich der Markt aktuell im Umbruch befindet, zeigt auch eine neue staatliche Überprüfung der Radio- und Audiobranche im Vereinigten Königreich. Die britische Regierung hat eine umfassende „Radio Review“ gestartet, um die langfristige Zukunft des Radios in einer zunehmend digitalen Mediennutzung zu sichern.

Nach Angaben des zuständigen Ministeriums bleibt Radio das vertrauenswürdigste Medium im Land. Mehr als 85 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hören wöchentlich Radio. Gleichzeitig verlagert sich die Nutzung rasant: Rund drei Viertel der gesamten Radionutzung erfolgen inzwischen über digitale oder Online-Plattformen.
In Zusammenarbeit mit der BBC und dem kommerziellen Radiomarkt untersucht die Regierung unter anderem, ob in den 2030er-Jahren ein gesteuerter Ausstieg aus der UKW-Verbreitung sinnvoll ist, welche Auswirkungen Entscheidungen zur Zukunft des digitalen Antennenfernsehens auf die Radioverbreitung hätten und welche Rolle neue Technologien – insbesondere Künstliche Intelligenz – künftig spielen werden.

Europäische Radios starten „Connected Journeys“
Bauer Media Audio nutzt den Weltradiotag für eine europaweite Gemeinschaftsaktion: Gemeinsam mit zahlreichen führenden Radio- und Audioanbietern startet das Unternehmen die Kampagne „Connected Journeys“. Ziel ist es, die besondere Bedeutung des Radios im Auto hervorzuheben.
Im Zentrum steht eine koordinierte On-Air-Botschaft, die von 24 Veranstaltern aus 15 Ländern zeitgleich ausgestrahlt wird – flankiert von Aktivitäten in sozialen Medien. Beteiligt sind unter anderem sämtliche 104 Radiostationen von Bauer Media in neun Ländern, das gesamte Netzwerk von NRJ in Frankreich und weiteren Märkten sowie 22 weitere Anbieter, darunter RTL und REGIOCAST.
In einzelnen Ländern soll die Aktion nahezu flächendeckend präsent sein. In Polen etwa werde die Kampagne auf allen großen Radiostationen ausgestrahlt und erreiche damit 78 Prozent der Bevölkerung. Insgesamt kommen die beteiligten Programme nach Unternehmensangaben auf eine wöchentliche Reichweite von rund 180 Millionen Hörerinnen und Hörern. Bauer spricht von einer der bislang umfassendsten Gemeinschaftsinitiativen in der Geschichte des europäischen Radios.
Hintergrund ist die zunehmende Digitalisierung des Fahrzeugs. Während vernetzte Autos immer mehr Unterhaltungsoptionen bieten, will „Connected Journeys“ den einfachen und direkten Zugang zum Radio im Auto betonen. Radio sei in Europa weiterhin das vertrauenswürdigste Medium und ein ständiger Begleiter für Autofahrer, so das Unternehmen.
Tobias Nielsen, Senior Vice President Digital bei Bauer Media Audio, erklärt: „Wir sind unglaublich stolz darauf, ‚Connected Journeys‘ und diese Demonstration der Geschlossenheit der Branche anzuführen. Führende Radiostationen in ganz Europa handeln gemeinsam, um das Hörerlebnis und die Erwartungen im vernetzten Auto zu stärken und sicherzustellen, dass Radio im Zentrum der Reise bleibt.
„Radio ist unser geschätzter Begleiter beim Autofahren und unsere vertrauenswürdige Informationsquelle unterwegs. Die Kampagne ‚Connected Journeys‘ erinnert das Publikum an seine lebenslange Beziehung zu den Radios in ihren Autos. Von Urlaubsfahrten über den Schulweg bis hin zu kurzen Wegen und unvergesslichen Roadtrip-Erinnerungen – Radio ist für viele Fahrer die unmittelbare Wahl.
„Da In-Car-Entertainment-Technologien mehr Auswahl, aber auch zunehmende Komplexität bieten, erinnern wir die Hörer daran, dass ihr Autoradio weiterhin nur einen einfachen Klick entfernt sein sollte.“
Viele der beteiligten Veranstalter engagieren sich zudem in der branchenübergreifenden Initiative „Radio Ready for Connected Cars“. Diese setzt sich dafür ein, dass Radio in modernen, vernetzten Fahrzeugen prominent platziert, leicht auffindbar und zuverlässig per Sprachassistent steuerbar bleibt. Getragen wird die Initiative unter anderem von Bauer Media sowie Sveriges Radio. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die BBC, Radio France, die ARD sowie die European Broadcasting Union.
Ein altes Medium mit neuer Relevanz
Der World Radio Day 2026 zeigt deutlich, dass sich die Herausforderungen für den Hörfunk verändern – seine Kernaufgabe jedoch gleich bleibt. Ob im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz, im digitalen Verbreitungsumfeld oder als verlässlicher Kanal in Krisensituationen: Radio lebt von Glaubwürdigkeit, menschlicher Nähe und seiner besonderen Fähigkeit, Menschen unmittelbar zu erreichen.
Technologien kommen und gehen. Die Stimme – und das Vertrauen in sie – bleiben das Fundament des Radios.













